Direkt zum Inhalt
Waldsiedlung Zehlendorf oder Onkel Toms Hütte
Waldsiedlung Zehlendorf, Pavillion © Fridolin Freudenfett (CC BY-SA 4.0) by wikimedia commons

Waldsiedlung Zehlendorf – „Onkel Toms Hütte“

Gemeinnütziger Wohnungsbau trifft auf Villenviertel

Gelb, Grün, Blau – für die Waldsiedlung Zehlendorf greift Bruno Taut erneut zu einer bunten Palette von Farben.

Die Waldsiedlung Zehlendorf, so der offizielle Name, liegt zu beiden Seiten der Argentinischen Allee im Stadtteil Zehlendorf (Bezirk Steglitz-Zehlendorf). Bekannt ist sie unter dem Namen Onkel Toms Hütte, so hieß ein nahegelegenes Ausflugslokal.

Die Siedlung entsteht zwischen 1926 und 1932 im Auftrag der Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (GEHAG), deren Chefarchitekt Bruno Taut zuvor die Hufeisensiedlung entwirft. Für die Waldsiedlung Zehlendorf hat er auf dem unbebauten Gelände am Rand Berlins mehr Spielraum, anders als bei der zeitgleich entstehenden Wohnstadt Carl Legien.

Hohe Wohnqualität

Vor dem Ersten Weltkrieg verantwortet Taut bereits die Entwürfe zur Gartenstadt Falkenberg in Grünau („Tuschkastensiedlung“). In das neue Häuserensemble in Zehlendorf fließen verschiedene Ideen ein, inspiriert durch den Baumbestand und die Beschaffenheit des Areals: die Naturverbundenheit der Gartenstadt-Bewegung ebenso wie die städtebaulichen Pläne des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Neben Taut, der die Gesamtplanung übernimmt, arbeiten zwei weitere namhafte Architekten der Berliner Moderne an dem Projekt im Südwesten Berlins: Hugo Häring, der bei der Großsiedlung Siemensstadt mit von der Partie war, und Otto Rudolf Salvisberg, der an den Entwürfen zur Weißen Stadt beteiligt ist.

Insgesamt umfasst Onkel Toms Hütte über 1.900 Wohnungen, davon etwa 1.100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser. Platz genug für 15.000 Menschen, ein Fortschritt im Kampf gegen den Berliner Wohnraummangel.

Die Wohnflächen der Einfamilienhäuser sind für damalige Verhältnisse großzügig bemessen: 562 von ihnen weisen eine Fläche von 85 Quadratmetern auf, 247 Häuser haben je eine Fläche von 104 Quadratmeter. Alle verfügen über einen Mietergarten und bieten bis heute hohe Lebensqualität.

Waldsiedlung Zehlendorf oder Onkel Toms Hütte
Waldsiedlung Zehlendorf - Onkel Toms Hütte © Foto: Arbalete (Public Domain) https://commons.wikimedia.org

Die Siedlung Onkel Toms Hütte oder Waldsiedlung Zehlendorf, oft auch als Onkel-Tom-Siedlung oder Papageiensiedlung bezeichnet, liegt im Berliner Ortsteil Zehlendorf am Rande des Grunewaldes. Namensgebend war das 1885 eröffnete benachbarte Ausflugslokal, dessen Besitzer Thomas seine Gaststätte in Anlehnung an Harriet Beecher Stowes Roman Onkel Toms Hütte benannt hatte. Die Siedlung wurde zwischen 1926 und 1931 erbaut. Die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg planten 1100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser. Die Architektur ist vom Neuen Bauen geprägt mit Klarheit und Einfachheit in der Gestaltung. Durch Vorsprünge der Baukörper wurde eine hohe räumliche Differenzierung erreicht. Auch der Baumbestand wurde in die Planungen mit einbezogen, sodass eine große Nähe von Natur und Architektur bewahrt werden konnte.

Farbe in den Alltag bringen

Von Bruno Taut stammen die Wohnblocks mit zwei Geschossen im Norden der Siedlung. Die Wohnungen sind kleiner als die Einfamilienhäuser im südlichen Teil. Durch unterschiedliche Farbflächen an den Fassaden belebt der Architekt das Straßenbild.

Taut setzt dieses Gestaltungsmittel erstmals in der Gartenstadt Falkenberg ein: Es ist günstig, effektiv und vermittelt Lebensfreude. Die Waldsiedlung wird sein farbenprächtigster Entwurf seit 1913. Intensive Grün-, Gelb- und Blautöne wechseln sich ab. Die Zehlendorfer titulieren die Wohnanlage bald schon als „Papageiensiedlung“, und das ist nicht immer positiv gemeint.

Die Architekten Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg konzipieren die Reihenhäuser. Obwohl beide sonst einen anderen ästhetischen Stil verfolgen, passen sie sich hier in ihren Entwürfen stärker denen des GEHAG-Chefarchitekten an.

Dennoch geben sie ihren Bauten eine eigene Note. Salvisberg markiert die Grenze zwischen zwei Reihenhäusern durch eine Schicht von Ziegeln. Häring setzt an seinen lindgrün gestrichenen Häusern farbige Akzente durch rote Dachüberstände.

Die Arbeiten an der Siedlung sind bereits weit fortgeschritten, als Bruno Taut 1930 noch eine lange Hauszeile entlang der Argentinischen Allee entwirft. Der Block aus 31 Hauseinheiten geht aufgrund seiner Ausdehnung von 400 Metern als Peitschenknall in die Geschichte der Berliner Moderne ein. Die lange Hauszeile, die sich in ihrer Biegung dem Straßenverlauf anpasst, erinnert an parallel entstandene Entwürfe für die Großsiedlung Siemensstadt und die „Weiße Stadt“.

Gartenstadt mit Anschluss

Die drei Architekten achten darauf, in ihren Entwürfen den Baumbestand aus Kiefern einzubeziehen. Immer wieder öffnen sich die Häuserreihen, um den Blick auf die Bäume in den Mietergärten freizugeben. Durch die Farbgebung der Fassaden entstehen interessante Kontraste zum Grün in der Umgebung. Den Außenraum gestalten die Landschaftsarchitekten Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre.

Doch die Wohnanlage soll ihren Bewohnern nicht nur das ländliche Idyll einer Gartenstadt bieten. 1929 erfolgt mit der Eröffnung der U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte die Verkehrsanbindung an das Zentrum Berlins. Den ursprünglich von Alfred Grenander entworfenen Bahnhof erweitert Otto Rudolf Salvisberg 1931 bis 1932 durch die markanten Ladenpassagen an den Längsseiten.

An ihren Dächern sollt ihr sie erkennen

Die neue Siedlung ist den Traditionalisten ein Dorn im Auge. Mit ihren bunten Farben und flachen Pultdächern weichen die Häuser von Althergebrachtem ab. Hinzu kommen soziale Spannungen: In dem Villenvorort wehren sich die gut betuchten Bürger gegen den Zuzug ärmerer Bevölkerungsschichten.

Die Gemeinnützige AG für Angestellten-Heimstätten (GAGFAH) steht der konservativen Zentrumspartei nahe und gibt Ende der 1920er Jahre am Rand der Siedlung Onkel Toms Hütte ihr eigenes Projekt in Auftrag: die Versuchssiedlung Am Fischtal. Der Heimatstil dieses Entwurfs steht mit traditionellen Satteldächern in einem starken Kontrast. Diese Gegenüberstellung wird als Zehlendorfer Dächerkrieg in die Architekturgeschichte eingehen.

Den Zweiten Weltkrieg übersteht die Siedlung weitgehend unbeschadet. In den nachfolgenden Jahrzehnten kommt es – wie auch in anderen Wohnanlagen der Berliner Moderne – zu Umbauten, die das architektonische Gesamtbild verändern. In den 1980er Jahren werden Wiederherstellungs- und Sanierungsmaßnahmen initiiert. Seit 1995 steht Onkel Toms Hütte unter Denkmalschutz.

 

Unsere Tipps rund um die Siedlung Onkel Toms Hütte

Unweit der Waldsiedlung Zehlendorf, also Onkel Toms Hütte, lässt sich noch mehr Berliner Moderne erleben. Das Brücke-Museum, das Kunsthaus Dahlem und Haus am Waldsee erreichen Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Seenlandschaft der Krummen Lanke, Riemeisterfenn und Grunewaldsee, aber auch die Domäne Dahlem und das Alliierten-Museum sind einen Besuch wert.

Praktische Infos von visitBerlin

Zur Siedlung Onkel Toms Hütte kommen Sie von der Innenstadt aus am besten mit der U-Bahnlinie U3 bis zum barrierefreien Bahnhof Onkel Toms Hütte. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin WelcomeCard.

Eine Bitte in eigener Sache

Die Siedlung Onkel Toms Hütte ist ein ausgewiesenes Flächendenkmal. Gleichzeitig ist sie aber auch das Zuhause vieler Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Diese pflegen das Denkmal und helfen, die Erinnerung zu bewahren.
Bitte berücksichtigen Sie dies bei Ihrer Besichtigung. Vielen Dank!

 

Hier finden Sie weitere Informationen