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Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes
Treppenhaus im Haus des Metallarbeiterverbandes © visitBerlin, Foto: Angela Kröll

Architekten der Moderne

Zeitgeist und Avantgarde

Berlin ist Heimat und Wirkungsort der Architekten Peter Behrens, Mies van der Rohe, Bruno Taut und Walter Gropius. Sie alle eint das Streben nach einer neuen funktional orientierten Architektur: Vom Industriebau bis zur Großsiedlung.

Peter Behrens

Peter Behrens (1868-1940), Pionier des Neuen Bauens und des modernen deutschen Industriedesigns, gilt als Wegbereiter der Bauhausbewegung. Er arbeitet zunächst als Maler, Typografiker und im Kunsthandwerk und wendet sich als Autodidakt der Architektur zu. Seine umfassende Arbeit als künstlerischer Berater und Designer für die AEG (Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft) schafft die Grundlage für eine heute nicht mehr weg zu denkende strategische Gestaltungsform: das Corporate Design.

Alexanderhaus am Alexanderplatz
Berolinahaus © visitBerlin, Foto: Wolfgang Scholvien

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In der Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe erprobt Behrens innovative Bau- und Wohnformen als Gesamtkunstwerk, als Zusammenspiel von Architektur, Innenarchitektur, Kunsthandwerk und Malerei. 1903 wird er Direktor der Kunstgewerbeschule Düsseldorf.
1907 zieht Behrens nach Berlin und  eröffnet ein Architekturbüro, in dem alle bedeutenden Architekten der Moderne zusammen arbeiten: Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. Im Oktober 1907 gründet er mit anderen Künstlern in München den Deutschen Werkbund. Anspruch ist es, eine ebenso standarisierte und sachliche wie ästhetische und qualitätvolle Formensprache für Industrieprodukte zu entwickeln.

AEG-Turbinenhalle Moabit
AEG Turbinenhalle in Berlin Moabit, Huttenstraße © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Die 1909 von Peter Behrens für die AEG erbaute Turbinenfabrik ist das bekannteste Wahrzeichen der „Elektropolis Berlin“ und Teil eines riesigen Baublocks, an dem bis heute Industriegeschichte geschrieben wird. Die Turbinenhalle gehört auch außerhalb Deutschlands zu den bekanntesten Bauten der Industriearchitektur.

Die AEG ernennt ihn im gleichen Jahr zum Chefdesigner. Er entwirft nun alles für das Unternehmen und dessen strategisch-einheitliches Erscheinungsbild - vom Briefbogen bis zum Teekessel. Sein weltberühmter Entwurf der Berliner Turbinenhalle für die AEG (1909) ebnet einer neuen Industriearchitektur den Weg:  Zum ersten Mal wird der funktionale Charakter eines Industriebaus nicht durch eine historisierende Außenfassade verdeckt. Diese Innovation übt weltweit großen Einfluss auf die Entwicklung der Industriearchitektur aus.
In seiner Spätphase konzentriert sich Behrens vor allem auf städtebauliche Aufgaben. Ein herausragendes Beispiel ist das im Rahmen der Umgestaltung des Alexanderplatzes von 1929-1932 erbaute Berolinahaus.
Peter Behrens stirbt 1940 in Berlin.

Ausgewählte Bauten von Peter Behrens in Berlin

  • AEG Turbinenhalle (1909) in Moabit
  • Gebäude der Nationalen Automobil Gesellschaft (1917) in Berlin-Oberschöneweide
  • Berolinahaus (1929-32) in Mitte

Mies van der Rohe

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) ist einer der bedeutendsten Architekten der Moderne und prägt in fundamentaler Weise die Vorstellung von moderner Architektur.

1908 tritt van der Rohe in das Berliner Architekturbüro von Peter Behrens ein, der als Begründer der modernen sachlichen Industriearchitektur gilt. Mies lernt dort Walter Gropius und Le Corbusier kennen und schult seine Fähigkeiten an Großprojekten.
1913 macht sich van der Rohe mit einem eigenen Architekturbüro in Berlin selbstständig, zeigt sich aber noch dem konventionellen Bauen verpflichtet: Es entstehen eine Reihe klassischer Villen, wie etwa die bekannte „Churchill-Villa“, die Winston Churchill später während der Potsdamer Konferenz bewohnt.
Im Laufe der 1920er Jahre entwickelt van der Rohe eine avantgardistische, funktional-klare Formensprache: Glas, Stahl und Beton bestimmen von nun an seine Bauten. Seine Entwurfsprinzipien: der ‚freie Grundriss’ sowie der ‚fließenden Raum’, Raumkompositionen, die Innen- und Außenraum in Beziehung zueinander setzen und hierarchische Raumgefüge auflösen.

Neue Nationalgalerie (Bis 2019 geschlossen)
Neue Nationalgalerie bei Nacht © visitBerlin, Foto: Tanja Koch

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1930 wird Mies von Gropius zum neuen Direktor des Bauhauses in Dessau ernannt. Schon 1932 wird es dort auf Druck der neuen nationalsozialistischen Stadtrats geschlossen. Mies van der Rohe geht mit der nunmehr privatisierten Akademie wieder nach Berlin. Trotz vieler Kompromisse, die er eingeht, um die Akademie zu erhalten, wird sie 1933 wegen dem zunehmenden Druck der nationalsozialistischen Diktatur aufgelöst.

Van der Rohe siedelt 1938 nach Chicago über und nimmt 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In den USA setzt er seine Karriere erfolgreich fort und wird zu Beginn der 1960er Jahre noch einmal in Deutschland tätig: Der Westberliner Senat beauftragt ihn mit der Planung der Neuen Nationalgalerie für das neu entstehende Kulturforum in Tiergarten, die 1968 vollendet wird. Mit der Neuen Nationalgalerie realisiert van der Rohe den von ihm entwickelten Gedanken des Universalraumes: Der quadratische Pavillon aus Glas und Stahl zeigt eine große, vollkommen stützenfreie Haupthalle, die unbegrenzte Ausstellungsmöglichkeiten erlaubt – ein „freier“ Raum, der als Meisterwerk der Moderne gilt.
Mies van der Rohe stirbt im Alter von 83 Jahren in Chicago. 

 

Mies van der Rohe Haus in Lichtenberg
Mies van der Rohe Haus © visitberlin, Foto: Philip Koschel

Fotograf im Garten des Mies van der Rohe Hauses in Lichtenberg

Bauten von Mies van der Rohe in Berlin

Bruno Taut

Bruno Taut (1880-1938) gilt als Vertreter des Neuen Bauens und ist vor allem durch seine Großsiedlungen mit abwechslungsreicher, intensiver Farbgebung bekannt. Er engagiert sich zeitlebens für den sozialen Wohnungsbau.
Taut beginnt 1908 sein Architekturstudium an der Technischen Universität zu Berlin. Bereits 1909 hat er sein eigenes Architekturbüro, ab 1912 führt er es gemeinsam mit seinem Bruder Max Taut.
Bruno Tauts Wohnsiedlungen in Berlin, vier von ihnen zum UNESCO-Welterbe erklärt, markieren einen Wendepunkt in der Berliner Architekturlandschaft.

Gartenstadt Falkenberg
Gartenstadt Falkenberg, Fassade © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Die Gartenstadt Falkenberg ist die älteste der sechs Weltkulturerbe-Siedlungen in Berlin und wurde 1913-15 von Bruno Taut erbaut. Berliner kennen sie unter dem Namen Tuschkastensiedlung. Die Wohnsiedlung im Südosten Berlins sticht durch bunte Fassaden hervor.

Die bunt leuchtenden Fassaden der Gartenstadt Falkenberg (1913) in Treptow-Köpenick, die als „Tuschkastensiedlung“ bekannt wird, lösen eine heftige Diskussion über die Rolle der Farbe in der Architektur aus. Der künstlerische Einsatz von Farbe am Bau wird zum zentralen Thema in Tauts Schaffen: Seine neue Farbgestaltung profiliert und rythmisiert die einzelnen Bauelemente und gibt ihnen einen eigenständigen Charakter.

Hufeisensiedlung
Hufeisensiedlung UNESCO-Welterbe, Berlin © Runze & Casper, Foto: Kirstin Hartmann

Die Hufeisensiedlung im Berliner Ortsteil Britz ist eine Siedlung des sozialen Wohnungsbaus und seit 2008 UNESCO-Welterbe. Sie entstand nach Plänen des Architekten Bruno Taut, des Architekten und späteren Berliner Stadtbaurats Martin Wagner sowie des Gartenarchitekten Leberecht Migge. Sie ist eines der ersten Projekte des sozialen Wohnungsbaues und gilt als eine Ikone des modernen Städtebaus und des Neuen Bauens. Die Siedlung wurde zwischen 1925 und 1933 in mehreren Bauabschnitten errichtet, von denen die zwischen 1925 und 1930 errichteten ersten sechs Abschnitte seit 1986 gemeinsam als Ensemble unter Denkmalschutz stehen. 2008 wurde die Hufeisensiedlung gemeinsam mit fünf anderen Berliner Wohnsiedlungen zum UNESCO-Welterbe Siedlungen der Berliner Moderne ernannt. Seit 2010 ist sie zudem eine als Gartendenkmal eingetragene, nach dem zentralen Bauteil in Form eines Hufeisens benannte Siedlung.

Bruno Tauts Anliegen, als Architekt die Wohnbedingungen von ärmeren Bevölkerungsschichten zu verbessern, kann er ab 1924 in großem Stil realisieren:  Die gewerkschaftseigene GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten AG) beauftragt ihn zum Bau von rund 10.000 Wohnungen und Taut startet in Berlin das erste soziale Wohnungsbauprogramm Deutschlands. In den nun entstehenden Großsiedlungen, wie der Hufeisensiedlung Britz in Berlin-Neukölln (1925–30) und der Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg (1928–30) schafft er eine Verbindung aus Garten- und Siedlungsarchitektur.

Wohnstadt Carl-Legien in Berlin Pankow
Wohnstadt Carl-Legien © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Von 1930 bis 1932 lehrt Bruno Taut als Professor für Architektur an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Nach der Machtergreifung durch die Nazis emigriert er 1933 nach Japan. 1936 wechselt er als Professor an die Kunstakademie in Istanbul, wo er 1938 stirbt.

Bauten von Bruno Taut in Berlin

Walter Gropius

Gropiusstadt
Hausfassade in der Gropiusstadt © visitBerlin, Foto: Angela Kröll

Die Gropiusstadt ist ein Ortsteil im Bezirk Neukölln. Sie entstand von 1962 bis 1975 im damaligen West-Berlin als Großwohnsiedlung zwischen den alten Siedlungen Britz, Buckow und Rudow. Die rund 18.500 Wohnungen der von Walter Gropius geplanten Trabantenstadt wurden zu 90 Prozent als Sozialbauwohnungen errichtet.

Walter Gropius wird als Sohn des berühmten Berliner Architekten Martin Gropius geboren, einem Schüler Karl Friedrich Schinkels.
Nach seinem Studium in München und Berlin tritt er 1907 in das Büro von Peter Behrens ein und lernt dort Mies van der Rohe und Le Corbusier kennen. 1910 macht sich Gropius als Architekt und Industriedesigner in Berlin selbstständig und wird Mitglied des Deutschen Werkbundes. Diese Künstlervereinigung hat sich die Entwicklung einer ebenso standarisierten und sachlichen wie ästhetischen und qualitätformen Formensprache für Industrieprodukte zum Ziel gesetzt.

Im Jahr darauf entwirft er gemeinsam mit Adolf Meyer seine erste große Auftragsarbeit, die Fagus-Werke bei Hildesheim. Sie erregen allgemeines Aufsehen: Durch die neuartige Verwendung von Glas und Stahl werden sie richtungsweisend für die Bauhaus-Architektur und für die gesamte Industriearchitektur.

Großsiedlung Siemensstadt - Panzerkreuzer -
Großsiedlung Siemensstadt (Fassade) © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Die Großsiedlung Siemensstadt (auch: Ringsiedlung) ist eine Wohnanlage im heutigen Berliner Ortsteil Charlottenburg-Nord. Sie wurde zwischen 1929 und 1931 als östliche Erweiterung der zum Bezirk Spandau gehörenden Siemensstadt gebaut. Sie bot den Arbeitern der benachbarten Siemenswerke eine Wohnmöglichkeit. Die Gesamtleitung oblag dem Stadtbaurat Martin Wagner, für das städtebauliche Konzept zeichnete Hans Scharoun verantwortlich. An der Planung der im Stil des Neuen Bauens errichteten Blöcke waren bekannte Architekten der Weimarer Republik wie Walter Gropius, Otto Bartning, Hugo Häring, Fred Forbát und Paul Rudolf Henning beteiligt. Markant für die Siedlung ist Scharouns an Schiffsarchitektur erinnernder Bauteil, der „Panzerkreuzer“ genannt wird.

1919 gründet Gropius das Staatliche Bauhaus in Weimar und kann sein Grundverständnis von Architektur umsetzen: Eine ideale Verbindung von Kunst, Architektur und Handwerk, die das Bauwerk als Gesamtkunstwerk begreift. Nachdem er Hannes Meyer als seinen Nachfolger und neuen Direktor des Bauhauses berufen hat, widmet sich Gropius zunehmend dem Siedlungsbau. Ein Beispiel sind die zwischen 1929-31 von ihm errichteten Wohnblöcke in der Großsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg-Nord, die seit 2008 zum UNESCO Welterbe zählt.
Nach der Machtergreifung durch die Nazis flüchtet Gropius 1933 zunächst nach England. 1937 wird er als Professor für Architektur an die Harvard University in die U.S.A. berufen und nimmt 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Bauhaus-Archiv - Museum für Gestaltung
Bauhaus-Archiv © visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Bauhaus-Archiv in Berlin-Tiergarten

Nach dem Zweiten Weltkrieg realisiert Gropius erneut mehrere Bauten in Berlin: Besonders bekannt sind der Wohnblock im Hansaviertel in Moabit, der 1957 anlässlich der Interbau entstand, und die Großbausiedlung Gropiusstadt von 1962 mit rund 18.500 Wohnungen. Auch die Architektur des 1979 eröffneten Bauhaus-Archivs in Tiergarten geht auf einen Entwurf von Walter Gropius zurück.
Gropius stirbt 1969 in Boston.

Ausgewählte Bauten von Walter Gropius in Berlin