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AEG Turbinenhalle Moabit
© visitBerlin, Foto: Steve Simon

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AEG-Turbinenhalle

Mehr als ein Denkmal

In der Moabiter Huttenstra├če finden Sie einen der Schl├╝sselmomente der Architekturgeschichte in Stein gemei├čelt.

Die AEG-Turbinenhalle ist ein Wendepunkt in der Architekturgeschichte: Mit ihr entwickelten der Architekt Peter Behrens und der Bauingenieur Karl Bernhard die erste Formensprache f├╝r ein Industriegeb├Ąude. Nur das mit dem Stein und dem Mei├čel stimmt nat├╝rlich nicht. Denn f├╝r die Turbinenhalle nutzten ihre Sch├Âpfer modernere Mittel: Stahl und Glas.
Doch beginnen wir etwas fr├╝her. Als die Turbinenhalle noch nicht Legende ist. Kurz nach der Jahrhundertwende steigt der Berliner Elektrokonzern AEG (Allgemeine Elektricit├Ąts-Gesellschaft) in die Produktion von Dampfturbinen ein. Die AEG ben├Âtigt f├╝r ihre Fertigung neue Fabrikkapazit├Ąten. Dampfturbinen sind effektiver als klassische Dampfmaschinen und weltweit gefragt.

Peter Behrens - Erfinder der modernen Industriearchitektur

Den Auftrag erh├Ąlt Peter Behrens, der an Kunstschulen in Hamburg, Karlsruhe und D├╝sseldorf studiert hat. Er arbeitet als Gestalter und Architekt und entwickelt f├╝r die AEG ein Corporate Design, bevor irgendjemand den Begriff ├╝berhaupt verwendet. Er kreiert Produktdesigns, Schriften und das AEG-Firmenlogo.
Als Architekt hat er 1901 in der Darmst├Ądter K├╝nstlerkolonie mit dem Haus Behrens f├╝r Aufsehen gesorgt und 1907 den Werkbund mitbegr├╝ndet. Darin haben sich Unternehmen wie die AEG, Politiker und K├╝nstler zusammengefunden, um die Entwicklung hochwertiger und moderner Produkte voranzutreiben. Steht zun├Ąchst noch das Kunstgewerbe im Vordergrund, wird sp├Ąter auch die Architektur im Werkbund immer wichtiger.
1908 erh├Ąlt Behrens mit dem Entwurf f├╝r die neue AEG-Turbinenhalle eine einmalige Chance. Niemals zuvor hat jemand versucht, einen eigenen Architekturstil f├╝r Fabrikbauten zu entwickeln. Dem im Kaiserreich vorherrschenden Kunstgeschmack folgend, entwerfen Architekten f├╝r Industriebauten historisierende Fassaden
Behrens Turbinenhalle ist ein Prototyp. Ein Stahlskelett tr├Ągt das Geb├Ąude, und Glas f├╝llt die Fassadenfl├Ąchen. Die Halle wirkt dadurch hell und transparent. Nat├╝rliches Licht soll die Arbeitsproduktivit├Ąt erh├Âhen. Es geht darum ÔÇô wie es Walter Gropius formuliert ÔÇô Arbeiter zu motivieren, sich ÔÇ×freudiger am Mitschaffen gro├čer gemeinsamer WerteÔÇť zu beteiligen.

Sakrale Anspielung trifft auf puren Funktionalismus

AEG Turbinenhalle Moabit
┬ę visitBerlin, Foto: Steve Simon

Bei ihrer Fertigstellung 1909 gilt die Turbinenhalle als ├╝beraus modern. Aber schauen Sie sich die Fassade zun├Ąchst einmal von vorn an. Behrens und die AEG haben sich nicht v├Âllig vom Zeitgeschmack gel├Âst. Die Betonelemente links und rechts erinnern an einen ├Ągyptischen Tempel. Obwohl wuchtig ausgepr├Ągt, haben sie keine tragende Funktion. Sie sind pure Au├čenverkleidung und damit reine Show. Die Zeitgenossen verstanden die sakrale Anspielung richtig und sprachen damals vom ÔÇ×MaschinendomÔÇť.
Ganz anders, ganz Moderne, so stellt sich die Seitenfassade der Turbinenhalle in der Berlichingenstra├če dar. Nichts versteckt hier die Konstruktion. Stahlbinder und ihre Gelenke sind zu sehen. Die Glasfassade kippt leicht nach innen, da sie den St├╝tzen folgt. So gef├Ąllt es dem Ingenieur der Turbinenhalle, Karl Bernhard. Die Betrachter sehen die tats├Ąchliche Fassade.
Karl Bernhard wird bis heute untersch├Ątzt. Er f├╝hrt keineswegs nur BehrensÔÇś genialen Entwurf aus, sondern hat selbst gro├čen Anteil daran. In der Au├čendarstellung der AEG und in der ├Âffentlichen Wahrnehmung aber steht fortan Peter Behrens im Fokus: Der ber├╝hmte K├╝nstlerarchitekt ├╝berstrahlt den Ingenieur.

Sichtbarer Zweck

Egal wer mehr zum Entwurf beigetragen hat, die Wirkung der Turbinenhalle auf die Architekturgeschichte kann gar nicht hoch genug gesch├Ątzt werden. Die Industrieproduktion findet mit ihr eine charakteristische Formensprache. Sie versteckt sich nicht mehr hinter pseudohistorischen Fassaden, sondern macht ihre Funktionen f├╝r alle sichtbar.
Die sp├Ąteren Bauhaus-Architekten Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe arbeiten ebenso in BehrensÔÇś B├╝ro wie Le Corbusier. Mies van der Rohe zeichnet sogar schon am Entwurf f├╝r die Seitenhalle der AEG-Turbinenfabrik mit.
Die AEG-Turbinenhalle ├╝bersteht den Zweiten Weltkrieg. Sogar mit gr├Â├čerem Grundriss: In den 1930er Jahren erweitert die AEG die Halle nach Norden hin. Seit 1977 geh├Ârt das Gel├Ąnde Siemens. Von der Firma AEG bleibt nur der Markenname. Aber in der Halle produziert Siemens bis heute Gasturbinen ÔÇô eine neue Generation des Produkts von 1909. Auch wenn die Technik sich stets weiterentwickelte, ist der Name Turbinenhalle immer noch zutreffend.

Grand Tour der Moderne

Zum 100-j├Ąhrigen Bauhaus-Jubil├Ąum im Jahr 2019 entwickelte der Bauhausverbund eine Grand Tour der Moderne, die Architekturfans durch ganz Deutschland f├╝hrt. Die AEG-Turbinenhalle ist Bestandteil dieser Themenroute.

Die weiteren Berliner Standorte als Grand Tour der Berliner Moderne:

Grand Tour der Berliner Moderne

Unsere Tipps rund um den Standort Huttenstra├če

Moabit zeichnet sich auch heute als Produktions- und Wohnstandort aus. Neben den bestehenden Industrieansiedlungen finden sich im Quartier bedeutende Zeugnisse der Berliner Industriekultur. Typisch daf├╝r ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende Arminiusmarkthalle. F├╝r die lokale Grundversorgung eingerichtet, werden hier heute vor allem regionale Lebensmittel, Design und Dienstleistungen der Kreativwirtschaft angeboten. Die Meierei Carl Bolle, gegr├╝ndet 1879, seiner Zeit Berlins gr├Â├čtes und bekanntestes Milchunternehmen, beherbergt heute vor allem Dienstleister. Das offen zug├Ąngliche Gel├Ąnde l├Ądt zum Bummeln entlang der Spree oder zu einem Besuch des Restaurantschiffs Patio ein. Beide Locations sind mit dem TXL-Bus Richtung Hauptbahnhof gut zu erreichen.

Praktische Infos von visitBerlin

Die AEG-Turbinenhalle erreichen Sie vom Hauptbahnhof mit dem TXL-Bus/Ausstieg Beusselstra├če. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir f├╝r den ├Âffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.