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Blick auf den Potsdamer Platz
Kulturforum nahe Potsdamer Platz © visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Kulturforum

Kunst, Musik und Wissenschaft an einem Fleck

Zwischen Potsdamer Platz und Landwehrkanal liegt das nicht nur architektonisch vielfältige Kunst- und Kulturensemble.

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Das Kulturforum blickt auf eine ausgedehnte Entstehungs- und Baugeschichte zurück. Das spiegelt sich auch in den architektonisch sehr unterschiedlichen Gebäuden wider.

Ende der 1950er Jahre existieren Pläne für eine kulturelle Achse quer durch Berlin. Sie basieren auf Ideen des Architekten Hans Scharoun, dem damaligen Präsidenten der Akademie der Künste. Noch ist die Mauer nicht gebaut, und die Achse soll sich von der Museumsinsel im Osten bis zu Schloss Charlottenburg im Westen erstrecken.

Das Gebiet des heutigen Kulturforums befindet sich in der Mitte. Als Folge massiver Planungseingriffe in der Zeit des Nationalsozialismus und der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs liegen dort Flächen brach. Darauf soll ein neues kulturelles Zentrum für das aufblühende Nachkriegsberlin errichtet werden.

Besucher können hier in Zukunft Kunst genießen, Musik hören und wissenschaftliche Schriften studieren. Die Wirkung der einzelnen Einrichtungen soll sich durch ihre Konzentration auf einem Fleck verstärken – das ist der Plan.

Dann kommt der Mauerbau, und das Kulturforum, nahe der Mauer gelegen, wird zu einem wichtigen Prestigeprojekt für den Westen. Es gilt, im andauernden Wettstreit mit dem DDR-Regime zu bestehen. Aber auch eine klare Botschaft Richtung West-Deutschland zu senden. Die Rückführung der in die Bundesrepublik ausgelagerten Kunst- und Literaturbestände geht alles andere als schnell voran. Der Bau geeigneter Gebäude soll den Druck erhöhen, diese nach West-Berlin zurückzubringen.

Alles braucht seine Zeit

Den Anfang machen in den 1960er und 1970er Jahren drei Entwürfe zweier international renommierter Architekten. Die Philharmonie von Hans Scharoun markiert den Beginn der Bautätigkeit am Kulturforum. Sie feiert im Jahr 1963 Eröffnung. Ihre ungewöhnliche zeltartige Dachform und die gelbe Fassade stehen im Kontrast zu der strengen, funktionalistischen Form der fünf Jahre später eröffneten Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe.

Wie aus der Zeit gefallen wirkt die sich schon seit dem 19. Jahrhundert an Ort und Stelle befindende St. Matthäus-Kirche.

Scharouns langjähriger Mitarbeiter Edgar Wisniewski realisiert den Kammermusiksaal und das Musikinstrumenten-Museum nach dessen Plänen. Das Museum öffnet 1984, der Kammermusiksaal 1987, zur 750-Jahrfeier der Stadt Berlin.

In den 1970er Jahren entsteht nach Scharouns Entwürfen auf der anderen Seite der Potsdamer Straße die Staatsbibliothek. Die Eröffnung findet 1978 statt, sechs Jahre nach dem Tod des Architekten. Auch das benachbarte Ibero-Amerikanische Institut geht auf einen Entwurf Scharouns zurück.
Der Bau der Staatsbibliothek verschlingt mehr Geld als ursprünglich veranschlagt. Dies führt zur Verzögerung des Baubeginns an den weiteren geplanten Kunsthäusern.

Museumsarchitektur im Wandel

Für die Gestaltung des gesamten Kulturforums hatte West-Berlin bereits 1965 einen Architekturwettbewerb ausgerufen. Die Erwartungen sind hoch, der überzeugendste Entwurf soll nicht weniger bieten als eine „bauliche Wesensbestimmung dessen, was heute für uns Museum heißt“.

Dieses ehrgeizige Ziel erreicht in den Augen der Jury kein Wettbewerbsteilnehmer. Als Kompromiss einigen sich die Verantwortlichen darauf, den Auftrag an den Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod zu vergeben.
Dessen Entwürfe stammen aus einer Zeit, in der Fragen nach Aufgaben und Funktionen von Museumsarchitektur aufkommen. In welchem Wechselverhältnis stehen die Museen und die darin befindlichen Sammlungen? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden?

Der Architekt betrachtet seine Entwürfe als Gegensatz zu den klassizistischen und neobarocken Bauten auf der Museumsinsel. Seine Museen sollen nicht einschüchtern, sondern Menschen aller sozialen Schichten zu einem Besuch anregen.
1985 öffnet das Kunstgewerbemuseum. Das Konzept des 20 Jahre zuvor entworfenen Gebäude mit seiner brutalistischen Fassade und den dominanten Treppenhäusern ist zu diesem Zeitpunkt überholt. Und es kommt in der Öffentlichkeit nicht gut an: Die Kritik ist verheerend, sodass Gutbrod seinen Hut nehmen muss. Erst einmal bleibt offen, wie es mit dem Kulturforum weitergehen soll.

Die Münchner Architekten Heinz Hilmer und Christoph Sattler erhalten den Auftrag, Gutbrods Entwürfe für Kupferstichkabinett und Kunstbibliothek zu überarbeiten. Sie verändern zahlreiche Details, beispielweise fallen die vorgesehenen Sichtbetonstützen im Ausstellungssaal weg.
Die Eröffnung erfolgt im Jahr 1994. Heute präsentiert sich die mit Beton und Klinkerstein verkleidete Fassade des Gebäudes betont zurückhaltend.

Die Gemäldegalerie stammt ebenfalls von Hilmer und Sattler und eröffnet 1998. Bei ihrem Entwurf müssen sie sich anpassen, denn Standort und Eingang sind von Gutbrod festgelegt. Die Architekten verzichten auf repräsentative Fassaden und konzentrieren sich auf die Qualität der Innenraumgestaltung. Klassisch geschnittene Säle mit perfekten Lichtverhältnissen bringen die kostbare Sammlung zur Geltung.

Die Zukunft des Kulturforums

Seit 2014 ist die Neue Nationalgalerie wegen Sanierung geschlossen, ihre Wiedereröffnung für 2020 geplant. Zudem reichte die Ausstellungsfläche seit Langem nicht mehr aus, um alle Bestände des 20. Jahrhunderts zu präsentieren.

Daher ruft die Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2015 einen Ideenwettbewerb für einen neuen Museumsbau aus: die Nationalgalerie20, das Museum des 20. Jahrhunderts.
Durch die Bebauung der Freifläche zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie soll ein stärkerer räumlicher Bezug zwischen allen Gebäuden entstehen.
Der Siegerentwurf des Wettbewerbs stammt von dem Schweizer Architekturbüro Herzog & De Meuron. Die Eröffnung soll Mitte der 2020er Jahre erfolgen.

Grand Tour der Moderne

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 entwickelte der Bauhausverbund eine Grand Tour der Moderne, die Architekturfans durch ganz Deutschland führt. Das Kulturforum ist Bestandteil dieser Themenroute.

Die weiteren Berliner Standorte als Grand Tour der Berliner Moderne:

Grand Tour der Berliner Moderne

 

Unsere Tipps rund ums Kulturforum

Noch mehr Kultur finden Sie im Gropius-Bau, der fußläufig erreichbar ist. Nahe dem „Tagesspiegel“-Gebäude in der Potsdamer Straße haben sich viele Galerien angesiedelt. Eine weitere empfehlenswerte Location für Ausstellungen ist Daimler Contemporary Berlin in der Alten Potsdamer Straße. Oder werfen Sie einen Blick auf die künftige Baustelle der Bauhaus-Archives nahe dem Lützowplatz.

Wenn Sie sich für Geschichte interessieren, sind der Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die Topographie des Terrors, aber auch das Deutsche Spionagemuseum gute Anlaufpunkte. Das Kulturforum ist Teil des historischen Diplomatenviertels, das Sie auf einem Spaziergang erkunden können. Extra-Tipp: In der Philharmonie werden täglich Führungen angeboten.

Praktische Infos von visitBerlin

Das Kulturforum am Potsdamer Platz ist an das S- und U-Bahnnetz angebunden. Bus-Linien (M29, M48, 200) bringen Sie von dort in die City West, in die historische Innenstadt und zum Alexanderplatz. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card. Sie lässt sich mit dem Museumspass der Staatlichen Museen zu Berlin ergänzen. Mit einem Eintritt können Sie 30 Museen kostenfrei besuchen. Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren haben in vielen Museen freien Eintritt.

 

Tickets

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Freitag 10:00 – 18:00
Donnerstag 10:00 – 20:00
Samstag, Sonntag 11:00 – 18:00

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