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DEEP WEB im Kraftwerk Berlin
© Ralph Larmann

Kraftwerk Berlin im ehemaligen Heizkraftwerk Mitte

Seit die Turbinen still stehen, tobt hier das Leben!

Eine ganz besondere Energie zieht Menschen aus aller Welt ins Kraftwerk Berlin: Es ist eine einzigartige Eventlocation und einer der prominentesten Clubs der Welt.

In den 1960er Jahren ist das Kraftwerk Berlin noch kein angesagter Veranstaltungsort im Industrial Design, sondern ein wirklicher Industriebau. Dass in der gewaltigen Turbinenhalle Energie für weite Teile der östlichen Innenstadt entsteht, lässt sich unschwer erahnen. Denn direkt nebenan befindet sich heute der Nachfolgebau: das Heizkraftwerk Berlin-Mitte.

Für das Kraftwerk findet sich nach der Wiedervereinigung zunächst keine Verwendung. Bis der Kulturmanager Dimitri Hegemann schließlich den Charme und das Potential dieses Ortes entdeckt und hier mit dem legendären Club Tresor einzieht. Doch längst ist das Kraftwerk Berlin mehr als nur die Adresse des Clubs. Ausstellungen und Messen, Shows und internationale Konzerte finden seit 2010 in dieser einzigartigen Atmosphäre statt.

Wärme und Energie für Ost-Berlin

Es ist wohl kein Zufall, dass das Kraftwerk Berlin ausgerechnet in den Jahren 1961-1964 entsteht. Die DDR-Regierung hat gerade die Berliner Mauer errichtet, um die Flucht ihrer eigenen Bürger in den Westen zu unterbinden. 
Die Stadt ist vollständig geteilt und das Zentrum des abgetrennten Ostteils der Stadt braucht eine eigene Energieversorgung. So wächst an der Köpenicker Straße ein riesiges, neues Kraftwerk aus dem Boden – ein Heizkraftwerk, um es genau zu sagen. Ein Heizkraftwerk ist eine besondere Kraftquelle, denn es erzeugt gleichzeitig Wärme und Elektrizität in einem gekoppelten Verfahren. Besonders für eine dicht besiedelte Stadt wie Berlin bietet sich dieses Verfahren an, denn es funktioniert effizient und schont Ressourcen. Zunächst noch mit Schweröl, seit 1982 auch mit Erdgas laufen die riesigen Turbinen des Kraftwerks Berlin und versorgen Wohnungen am Alexanderplatz ebenso wie die Charité oder das DDR-Staatsratsgebäude.

Neue Wege nach der Wiedervereinigung

Doch nach der Wiedervereinigung ist die Technik des Kraftwerks überholt. Der neue Betreiber Vattenfall lässt daher zwischen 1994 und 1996 gleich nebenan auf dem nördlich gelegenen Grundstück einen Nachfolgebau errichten. Er versorgt 600.000 Haushalte und ist nach Osten hin auch mit dem Heizkraftwerk Klingenberg verbunden. Das neue Werk beeindruckt mit einem neuen Grad an Effizienz: Der Ausnutzungsgrad der Brennstoffe liegt bei 90 Prozent.

Doch der Neubau des Kasseler Architekten Jochem Jourdan ist nicht nur das seinerzeit modernste Heizkraftwerk Europas, sondern auch ein bewusst gesetzter Akzent im Berliner Stadtbild. Hierzu tragen nicht nur die beiden Schornsteine bei, sondern auch die hochkarätige Kunst am Bau. Dazu zählen: 

  • Die beheizten Sitzbänke der Bildhauerin Ayse Erkmen,
    die die Abwärme des Heizkraftwerks nutzen
  • Der von Pop-Art beeinflusste Wandfries des Malers Franz Ackermann im Foyer des Verwaltungsgebäudes
  • Der Glaspavillon des Konzeptkünstlers Dan Graham
  • Die Klinkermauer des Architekten Per Kirkeby
  • Die Wandzeitung des Objektkünstlers Thomas Bayrle aus 12.000 gebrannten Kacheln mit einem Zitat aus dem Alten Testament

Jourdan hat die verschiedenen Funktionsbereiche seines Gebäudes sichtbar und eindeutig voneinander getrennt. Die dunklen Klinker, mit denen der Architekt das neue Kraftwerk auskleidet, sind übrigens eine Hommage an den Berliner Industriearchitekten Hans Heinrich Müller. Als Leiter der Bauabteilung bei der Berliner Elektrizitätswerk Aktiengesellschaft (BEWAG) entwirft Müller in den 1920er Jahren Funktionsbauten mit individuellen ästhetischen Ansprüchen, für die Klinker der entscheidende Baustein ist:

DEEP WEB im Kraftwerk Berlin
DEEP WEB im Kraftwerk Berlin © Ralph Larmann

Einzug des Techno-Tempels Tresor

Das alte Kraftwerk Berlin hat seit seiner Stilllegung 1997 zunächst keine Funktion mehr und liegt jahrelang brach. Erst im Jahr 2007 ändert sich dieses Schicksal entscheidend, als der Kulturmanager Dimitri Hegemann den Ort für sich entdeckt.

Denn Hegemann sucht eine neue Heimat für seinen legendären Techno-Club Tresor. Seinen Namen verdankt diese Berliner Institution dem Tresor-Raum des einstigen Wertheim-Kaufhauses an der Leipziger Straße. Seit 1991 legen DJs hier Techno auf, früher als in jedem anderen Club der Hauptstadt. Bald ist der Tresor weltberühmt, hinzu kommen Tresor-Veranstaltungen mit DJ Sven Väth auf der Love Parade und ein eigenes Plattenlabel.

Doch im Jahr 2005 ist der Tresor nicht mehr zu halten. Die einst gemiedene Gegend an der Berliner Mauer ist jetzt ein hochattraktives Innenstadtgebiet. Der Mietvertrag des Tresors läuft aus und an die Stelle des alten Wertheim-Kaufhauses tritt ein neues Bürogebäude.
Zwei Jahre lang finden Tresor-Partys provisorisch an anderen Orten statt, doch am 25. Mai 2007 zieht der Club ins Kraftwerk Berlin ein. Einen Teil der originalen Schließfächer haben die Organisatoren übrigens gerettet und am neuen Ort eingebaut.

Berlin Food Week
Berlin Food Week im Kraftwerk Berlin © Berlin Food Week

Die Entwicklung zur Eventlocation

Heute ist das Kraftwerk Berlin aber noch viel mehr als die neue Heimat des Tresors. Hegemann lässt das gesamte Gebäude aufwändig aus- und umbauen. Nach wenigen Jahren verfügt das Industriedenkmal über 8.000 Quadratmeter Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche. Bis zu 2.600 Besucher finden hier Platz. Beeindruckend ist nicht zuletzt auch die fahrbare Kranbrücke, die spektakuläre Installationen ermöglicht.

Mit der Ausstellung „Realstadt. Wünsche als Wirklichkeit“ startet 2010 die gigantische Turbinenhalle in ihre neue Bestimmung. Ein Jahr später entstehen im Kraftwerk Berlin Szenen des Filmporträts „Joschka und Herr Fischer“ über den ehemaligen grünen Außenminister. Heute ist im Kraftwerk Berlin das Klangkunst-Festival Berlin Atonal zu Hause und auch zahlreiche Bands haben die besondere Atmosphäre des Ortes für ihre Auftritte entdeckt – von Max Herre bis zu den Einstürzenden Neubauten. 

Unsere Tipps rund um das Kraftwerk Berlin

Für eine wohlverdiente Pause finden sich zahlreiche gastronomische Angebote ganz in der Nähe, zum Beispiel rund um den Oranienplatz. Shopping lockt in der entgegengesetzten Richtung: Gleich auf der anderen Spreeseite liegt der Alexanderplatz mit seinem vielfältigen Einkaufsangebot.

Für weitere Sehenswürdigkeiten erreichen Sie nach zehn Minuten in südlicher Richtung das Künstlerhaus Bethanien. Andere Aspekte der spannenden Geschichte Berlins warten auf Sie dagegen direkt am Spreeufer: das Märkische Museum mit seiner Ausstellung zur Stadtgeschichte, die Nikolaikirche als älteste erhaltene Kirche des Berliner Zentrums und der Historische Hafen an der Fischerinsel mit seiner Sammlung unterschiedlicher historischer Schiffe. 

Praktische Infos von visitBerlin 

Zum Kraftwerk Berlin fahren Sie am besten mit der U-Bahn-Linie 8 bis zur Haltestelle Heinrich-Heine-Straße oder mit der Stadtbahn bis zum S-Bahnhof Jannowitzbrücke. Von dort sind es nur wenige Meter bis zum Kraftwerk Berlin. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.

Hinweise für Fahrradfahrer

Das Kraftwerk Berlin liegt an der Fahrradroute: Tour: Warmes Licht und kühles Bier
Weitere Fahrradrouten finden sind in unseren Tourenvorschlägen