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Historischer Hafen Fischerinsel
(c) visumate

Historischer Hafen Berlin

Berlins historischer Kern am Wasser

Kähne und Schlepper, Dieselmotoren und Dampfmaschinen: am Historischen Hafen Berlin liegen verschiedene historische Schiffe vor Anker, die einen einzigartigen Einblick in die Transport- und Industriegeschichte der Hauptstadt bieten.

Der Hafen liegt zentral in Mitte zwischen einigen der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins. Von hier aus sieht man den Fernsehturm, die Spitze des Roten Rathauses und die nahe gelegene Nikolaikirche. Besonders schön ist dieses Panorama an Deck von einem der Schiffe zu bewundern, gestärkt durch Speisen und Getränke in der Hafenbar an Bord des Kahns „Renate-Angelika“. Unter Deck finden Sie auch eine Ausstellung zur Schifffahrtsgeschichte in Berlin und Brandenburg.

Für alle, die die Schiffe in voller Fahrt erleben möchten, gibt es Angebote wie das „Andampfen“ und „Abdampfen“ zu Beginn und Ende jeder Schifffahrtssaison. Außerdem ist es möglich, die Schiffe für Feiern und Events zu mieten.

Möglich macht dies der Verein Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft. 1990 gegründet, hat er es sich zum Ziel gesetzt, historische Binnenschiffe zu retten und instand zu halten. Denn die Schiffe sind die letzten Zeugen einer Tradition, die in ihren Anfängen bis ins Mittelalter zurückreicht.

Historischer Hafen Fischerinsel
Historischer Hafen Berlin an der Fischerinsel (c) visumate

Über 700 Jahre Berliner Binnenschifffahrt

Es ist oft nicht leicht, in Berlin Spuren aus seiner frühesten Geschichte zu entdecken. Schon immer ein dynamischer Ort im Wandel, hat die Stadt an der Spree die meisten Spuren ihrer mittelalterlichen Geschichte durch Überbauung verloren.

Doch hier, zwischen Fischerinsel und Märkischem Ufer, hat sich ein kontinuierliches Stück Industriegeschichte erhalten. Denn der Historische Hafen dient Historikern zufolge seit mehr als 700 Jahren als Ankerplatz für Schiffe.

Im 13. Jahrhundert liegen sich an dieser Stelle zwei Städte gegenüber: Cölln auf der Spreeinsel und Berlin auf der anderen Spreeseite. Den ersten Übergang durch eine seichte Stelle des Flusses bildet wahrscheinlich ein simpler Mohlendamm aus Holzstämmen. Später folgt der Ausbau zum Mühlendamm, über dessen Mühlen die Energieversorgung der Stadt sichergestellt ist.

Damit ist eine Barriere errichtet, an der Schiffer nicht mehr vorbeikommen. Wer Berlin-Cölln aus Südosten oder Nordwesten zu Wasser ansteuert, muss hier halten und die Ladung löschen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Hafens geht bis in das Jahr 1298 zurück. In einem noch erhaltenen Schriftstück verleiht der brandenburgische Markgraf Otto V. der Stadt Berlin unter anderen Rechten auch das Niederlags- und Stapelrecht. Ab nun kann auch Zoll von Schiffen erhoben werden, die über Fürstenwalde und Köpenick bis zum Mühlendamm kommen. Die Urkunde macht den Historischen Hafen zur ältesten heute noch erhaltenen säkularen Einrichtung Berlins.

Fortbewegung auf der Spree

Für Jahrhunderte bleibt der Historische Hafen der Ort, an dem Waren auf dem Wasserweg nach Berlin gelangen. In zahlreichen Kunstwerken halten Maler das Treiben dort fest. Immer liegen zahlreiche Kähne vor Anker, für lange Zeit sind Segeln, Staken und Treideln die wichtigsten Fortbewegungsmethoden. Treideln bedeutet, dass Menschen oder Lasttiere vom Land aus Kähne mit Seilen einen sogenannten Treidelpfad entlang zum gewünschten Ziel führen.

Mit der Erfindung moderner Technik wandeln sich die Methoden. Im 19. Jahrhundert kommt die Dampfschifffahrt auf, später elektrisch betriebene Schiffe. Zu den Schiffen am Historischen Hafen zählt auch der letzte erhaltene Elektrokahn „Elisabeth“, der ins Jahr 1907 datiert. Mit 7 PS transportiert er im 20. Jahrhundert Steine und Ziegel aus Zehdenick nach Berlin.

Als der Schiffsverkehr immer weiter ansteigt, fällt Anfang des 20. Jahrhunderts der Beschluss, West- und Osthafen zu bauen. Damit verliert der Historische Hafen als Verkehrsknotenpunkt an Bedeutung.

Historischer Hafen Berlin mit Blick auf den Fernsehturm
Historischer Hafen Berlin im Winter Credit: D Johnson / Alamy Stock Photo

Eine D-Mark pro Schiff

Nach der deutschen Wiedervereinigung finden die Mitglieder des Vereins „Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft“ zusammen. Es sind ehemalige Schiffer, Schleusenwärter und an historischer Schifffahrt Interessierte aus Ost und West, die ein Ziel vereint: sie wollen die zahlreichen, aus früheren Zeiten übrig gebliebenen Binnenschiffe vor der Verschrottung bewahren.

Oft gelingt es, Schiffe für einen symbolischen Preis von 1 D-Mark zu kaufen. Sie in Schuss zu halten ist jedoch teuer, denn die Schiffe müssen regelmäßig gewartet, gereinigt und repariert werden.

In der Flotte der heute noch erhaltenen Schiffe am historischen Hafen sind einige besondere Exemplare dabei. Neben dem Museumsschiff „Renate-Angelika“ findet sich hier beispielsweise auch „Andreas“, der größte erhaltene Dampfschlepper Europas. Das Besondere: da zur Bauzeit des Schiffs während des Zweiten Weltkriegs keine Dieselmotoren zur Verfügung stehen, erhält „Andreas“ einen Dampfantrieb. Damit ist die verwendete Technik älter als das Schiff selbst.

Das Schiff „Hans-Wilhelm“ ist an den Verein Flussbad Berlin e.V. verpachtet. Es dient der Durchführung wissenschaftlicher Experimente, um bessere Filtermethoden für die Reinigung des Spreewassers zu finden.

Alle Schiffe, meist liebevoll nach Ehefrauen und Töchtern der Schiffer benannt, haben ihre ganz eigene Geschichte. Es lohnt sich, diesen Geschichten bei einem Besuch am Historischen Hafen nachzuspüren.

Unsere Tipps rund um den Historischen Hafen

Der Historische Hafen ist Teil der „European Route of Industrial Heritage“. Die Informationstafeln am Ufer verraten Ihnen mehr über Geschichte und gegenwärtige Nutzung des Hafens. Interessantes über die historische Binnenschifffahrt lernen Sie an Bord des Museumsschiffs „Renate-Angelika“. Im Sommer ist es samstags von 14-17 Uhr geöffnet, sonst können Sie es nach Vereinbarung besichtigen.

Nach der Erkundung der historischen Schiffe lädt die Hafenbar an Bord der „Renate-Angelika“ zu einem kühlen Getränk oder Snack ein. An Sommertagen können Sie an Deck sitzen und den Panorama-Blick genießen. Oder Sie holen sich bei einem der Cafés in der Umgebung etwas zu essen und machen es sich in einem der kleinen, nahe gelegenen Parks gemütlich.

Ganz in der Nähe des Historischen Hafens finden Sie das Märkisches Museum. Gehen Sie dafür am Märkischen Ufer entlang, bis Sie zu dem kleinen Park am Märkischen Platz gelangen. Das Museum liegt gegenüber. Eine Nachbildung der Roland-Figur vor dem Museum erinnert an Berlins Zeit als Hansestadt. Am gegenüberliegenden Spreeufer finden Sie die Nikolaikirche, welche ebenfalls zu den ältesten Gebäuden Berlins gehört. Gegenüber, in der Alten Münze, finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen statt.

Praktische Infos von VisitBerlin

Zum Historischen Hafen fahren Sie am besten mit der U-Bahn-Linie U2 bis zur Haltestelle Märkisches Museum. Von dort laufen Sie etwa 200 Meter zum Historischen Hafen. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin WelcomeCard.