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© ewerk, Foto: Juliane Eirich

E-Werk

Von Technik und Techno

Beim Bau des E-Werks am Ende des 19. Jahrhunderts ahnt noch niemand, dass hier ein legendärer Ort Berlins entsteht.

Untrennbar ist das E-Werk mit Berlins Aufstieg zur Elektropolis verbunden – zur Metropole der Elektrizität und zum Aufbruch in die technische Moderne. Die Bauten auf dem Gelände Mauerstraße 78-80 stammen von dem bekannten BEWAG-Architekten Hans Heinrich Müller und stellen ein Stück Berliner Industriegeschichte dar.  

Nach der Wende ist das markante Gebäude mehrere Jahre lang einer der angesagtesten Clubs der Welt. Die prominentesten DJs legen hier auf.

Heute ist das E-Werk nach seiner Sanierung ein Ort, der vielen unterschiedlichen Nutzungen dient. Berliner können dort wohnen, arbeiten und feiern und das alles in denkmalgeschützter Kulisse.

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Stromerzeugung nach amerikanischem Vorbild

Ende des 19. Jahrhunderts wächst in Berlin mit der Zahl der Einwohner auch der Bedarf an Energie. Also vergibt der Berliner Magistrat 1884 die Konzession für den Aufbau einer Stromversorgung in der ganzen Stadt. Nach dem ersten innerstädtischen Stromkraftwerk am Gendarmenmarkt entsteht an der Mauerstraße in Mitte schon 1885 die zweite Zentralstation.

Bei der Bauweise orientieren sich die Berliner an Vorbildern aus Amerika, wo der Erfinder Thomas Alva Edison vormacht, wie moderne Stromerzeugung gelingt.

Aus der „Deutschen Edison Gesellschaft für angewandte Elektricität“ von 1883 geht vier Jahre später die „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ AEG hervor. 
Schnell reicht ein Gebäude an der Mauerstraße nicht mehr aus. 1898 kommt zum bestehenden Gebäude noch ein Stromspeicher mit fünf Stockwerken hinzu. Doch der Platz ist knapp kalkuliert, denn der Standort in Mitte ist von dichter Bebauung umgeben.

Aussenaufnahme ewerk im Umspannwerk Buchhändlerhof
ewerk im Umspannwerk Buchhändlerhof © (c) visumate

Vom Kraft- zum Abspannwerk

Die Weiterentwicklung der Elektrotechnik schafft schließlich Abhilfe. Drehstrom macht es möglich, große Kraftwerke am Stadtrand zu bauen und den Strom von dort in die Innenstadt zu leiten. Dort kommt dieser Strom mit zu hoher Spannung an und muss „abgespannt“ werden. Zu diesem Zweck entstehen zahlreiche Abspannwerke in Berlin.

Ab 1924 ist der Architekt Hans Heinrich Müller Leiter der Bauabteilung bei der Berliner Elektrizitätswerk Aktiengesellschaft (BEWAG). Von da an entwirft er zahlreiche Abspannwerke und Schaltstationen in ganz Berlin.

Dabei geht es Müller in seinen Entwürfen immer auch darum, die Funktionalität seiner Gebäude mit ästhetischen Ansprüchen zu verbinden. Er verleiht jedem seiner Abspannwerke einen eigenen Charakter, so auch in der Mauerstraße.

Die Architektur am Buchhändlerhof

In den Jahren 1926 bis 1928 baut Müller die alte Zentralstation um und errichtet das Abspannwerk Buchhändlerhof. Der Name verweist auf die nahe gelegenen Büros der „Korporation der Berliner Buchhändler“.

Den nördlichen Bauteil der ehemaligen Zentralstation von 1885 reißt der Architekt nicht ab. Damit steht es noch heute als das älteste Gebäude der deutschen Elektrizitätswirtschaft auf dem Gelände des E-Werks.

Im Süden des Geländes entstehen nach Müllers Plänen moderne Gebäude im expressionistischen Backsteinstil. Die kleinen Klinker-Backsteine sind zu dieser Zeit ein sehr beliebtes Baumaterial. Zum einen sind sie günstig und verursachen wenig Unterhaltskosten. Zum anderen erlauben sie es, die Gebäudeformen simpel zu halten und die Fassade gleichzeitig lebhaft zu gestalten.

Das Gelände in der Mauerstraße liegt inmitten städtischer Bebauung mit Markthallen und Gewerbebauten. Das lässt nur wenig Platz für neue Entwürfe. Müller löst das Problem, indem er in die Höhe baut: er stapelt die Schaltanlagen in neun Geschossen aufeinander. 

Besonders das Wartengebäude beeindruckt mit seiner ungewöhnlichen Form. Es ist in Viertelkreis-Form angelegt und verbreitert sich von unten nach oben immer weiter. Schmale Fensterbänder wechseln sich mit Klinker-Elementen ab, ein besonderer Reiz entsteht durch den Kontrast zwischen rotem Backstein, dunklem Metall und Glas.

Das neue Abspannwerk Buchhändlerhof verfügt über innovative Technik, die es erlaubt, die gesamte Anlage mit nur vier Personen zu betreiben.

Fünfzig Jahre wechselhafte Geschichte

Von den 1930er bis in die 1980er Jahre durchläuft das Grundstück Mauerstraße 78-80 eine wechselhafte Geschichte.

In der Nazizeit fällt das Areal in den Bereich von Albert Speers Planungen für die neu zu errichtende „Reichshauptstadt Germania“. Grundstücke in der näheren Umgebung werden durch Zwangsenteignung der Besitzer, darunter vieler Juden, frei geräumt.

Doch der Krieg durchkreuzt diese Pläne. 1944 treffen das Areal des Abspannwerks Bomben und es trägt schwere Schäden davon. In den letzten Kriegstagen Anfang Mai 1945 geraten die Gebäude in die Schusslinie des Häuserkampfes zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee. Noch heute können Sie Spuren dieser Kämpfe in Vorderhäusern und Fluren finden.

Nachdem die Anlage aufgrund der Kriegsschäden vom Netz gehen muss, versorgt sie nach ihrer Reparatur ab Spätsommer 1945 die weitgehend zerstörte Innenstadt mit Energie.

Doch die Schäden hinterlassen Spuren, das Werk erreicht nie wieder seine volle Vorkriegs-Leistungsfähigkeit.

Während der Deutschen Teilung liegt das Gelände auf dem Staatsgebiet der DDR. Die unmittelbare Nähe zur Sektorengrenze und den Sperranlagen verhindert einen weiteren Ausbau der Gebäude. 1973 geht das Werk endgültig vom Netz, 1987 stellt die DDR-Regierung das Areal unter Denkmalschutz.

 

Legendäre Club-Location in den 1990er Jahren

In den 1990er Jahren ist Berlin eine Stadt im Aufbruch. Alles scheint möglich und es bilden sich Subkulturen, welche nach Orten suchen, an denen es sich ausgelassen feiern lässt. 

Techno erlebt seine Blütezeit, auf Raves tanzen zahllose Menschen wie in Trance die ganze Nacht zu hämmernden Beats. Der Planet Club gehört zu den wichtigsten Institutionen der Berliner Clubszene. Zu Beginn finden die Partys illegal an wechselnden Orten statt. Bei einer Suche im „wilden Osten“ der Stadt wird der Location Scout Andreas Rossmann schließlich fündig:

Das E-Werk ist der perfekte Ort, um Techno-Geschichte zu schreiben.

Die Evidence Party im Februar 1993 macht den Auftakt, am DJ-Pult steht unter anderem die Techno-Legende WestBam. Ab April eröffnet das E-Werk offiziell als Club seine Pforten und erreicht schnell Kultstatus. Internationale Gast-DJs, regelmäßige Events und Konzerte machen es in den 1990er Jahren zu einem der besten Clubs der Welt. 1997 schließt der Tanztempel mit einem rauschenden, drei Tage währenden Fest.

Heute:
Gelungene Mischung aus Wohnen, Feiern und Arbeiten

Bis Mitte der 2000er Jahre dauert es, um ein tragfähiges Nachnutzungskonzept für das Gelände zu erarbeiten. Doch die intensive Planung lohnt sich: zwischen 2004 und 2006 baut das Architektur-Büro HSH die Anlage um. Bei dem Umbau und der Sanierung achten die Architekten darauf, die besondere Atmosphäre des Industrie-Denkmals zu bewahren.

Heute finden Sie in dem Gebäude Büros von IT-Unternehmen, mietbare Flächen für unterschiedliche Events und 12 Wohneinheiten. Eine Verbindung in die Vergangenheit des E-Werks schlägt die Gleichrichter-Station der BVG, welche die U-Bahn-Linien 2 und 6 mit Strom versorgt.

Hinweise für Fahrradfahrer

Das E-Werk liegt an der Fahrradroute: Warmes Licht und kühles Bier
Weitere Fahrradrouten finden sind in unseren Tourenvorschlägen

Unsere Tipps rund um das E-Werk

Gastronomie- und Shoppingangebote sind hier im Zentrum der Stadt überall zu finden. Für weitere spannende Sehenswürdigkeiten können Sie nur etwa 50 Meter vom E-Werk entfernt das Museum für Kommunikation Berlin in der Leipziger Straße 16 entdecken. Hier erfahren Sie mehr über die Geschichte von Transportwesen, Verkehr, Post und Schreibkultur.

Wenn Sie der Mauerstraße nach Süden folgen, stoßen Sie auf einen der berühmtesten Orte Berlins: Checkpoint Charlie, den ehemaligen Grenzübergang zwischen dem sowjetischen und amerikanischen Sektor. 600 Meter vom E-Werk entfernt ist die Gedenkstätte Topographie des Terrors in der Niederkirchnerstraße 8. Hier befand sich während des Nationalsozialismus das Gestapo-Hauptquartier. Ein Dokumentationszentrum erinnert an die Schrecken dieser Zeit.

Praktische Infos von VisitBerlin

Zum E-Werk fahren Sie am besten mit der U-Bahn-Linie 6 bis zur Haltestelle Kochstraße/Checkpoint Charlie. Von dort laufen Sie 350 Meter bis zum E-Werk. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin WelcomeCard.