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Die virtuelle Ausstellung „Standing by the Wall – Berlin 1990“  mit einer umfangreichen Auswahl der Fotografien von Josef Wolfgang Mayer wird  bis zum Ende des Jahres in der Galerie Koschmieder zu sehen sein.

Veranstaltungen in Berlin: Standing by the Wall – Berlin 1990, Josef Wolfgang Mayer
© visitBerlin, Grafik: Mona Schäfer

Als dramatischer Kristallisationspunkt des Kalten Krieges erzeugen Mauerbau und Mauerfall eine Klammer, welche die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zeitlich wie auch historisch definiert. Bilder vom Anfang und vom Ende der Teilung Deutschlands und Berlins bedingen einander und sind in unser kollektives Gedächtnis eingegangen.

Vor 30 Jahren, im Sommer 1990, arbeiteten und lebten der Fotograf Josef Wolfgang Mayer und die Galeristin Annette Koschmieder im westlichen Teil von Berlin im damaligen Bezirk Kreuzberg 36, im Schatten „der Mauer“. Die Welt hinter den Grenzanlagen schien weit weg, die Mauer unüberwindbar. Aus den oberen Etagen angrenzender Häuser konnte man verfolgen, was im sogenannten „Todesstreifen“ Alltag war: Patrouillenfahrzeuge, die auf und ab fuhren, von den Wachtürmen spähten bewaffnete Grenzsoldaten gen Westen und nachts leuchtete der Streifen aus dem dunklen Osten taghell illuminiert.

Mit dem Mauerfall im Herbst 1989 wurde sehr schnell alles anders. Die Grenzanlage wurde durchlässig, die Patrouillenfahrzeuge verschwanden, die Wachtürme, vom Personal verlassen, ragten verwaist und nutzlos aus der Steinwüste und boten reichlich Wandfache für neue Graffitis.

Der Todesstreifen, also das Gebiet zwischen der 4 m hohen Betonmauer, die Richtung Westen errichtet worden war und der Mauer auf der östlichen Seite, wurde begehbar und der Blick von dort nach Westen und Osten möglich.

Der Fotograf Josef Wolfgang Mayer hat seinem Staunen über das, was nun sichtbar wurde, mit seinen Fotografien Ausdruck verliehen. Im Sommer 1990, noch vor der Wiedervereinigung, gelangen ihm außergewöhnliche Bilder der Berliner Mauer und ihrer Umgebung. Die Farbfotografien versetzen uns direkt in das historisches „Zwischenland“ jener Tage und zeigen die Berliner Mauer, deren Durchbrüche und Überreste.

Die Aufnahmen sind als Triptychen fotografiert, das Sehfeld wird so zum Panorama erweitert und greift ästhetisch die Gleichzeitigkeit von Trennung und Verbindung auf.
Die Arbeit im Großformat schafft präzise Abbildungen, macht die Fülle an Details sichtbar, die ihre Geschichten über diese stürmischen Tage erzählen und die schrittweisen Veränderungen für unsere Erinnerungen festhalten.

Die Gefahren, die von diesem Ort einst ausgingen, sind ebenso noch spürbar wie die Sehnsucht nach Verbindung und Veränderung. Menschen und Fahrzeuge bahnen sich ihre Wege durch improvisierte Übergänge und zügig wieder hergestellte Straßenzüge. Es entstehen Brachen als freie architektonische Formen zwischen den aufgeplatzten Nähten aus Stein und Stacheldraht. Der Sommer der Freiheit hatte begonnen. Die Wunde, die die Mauer quer durch die Stadt und das Land geschlagen hatte, ist noch deutlich sichtbar – die Narbe ist noch heute zu spüren.

Der offizielle Abriss der innerstädtischen Mauer begann am 13. Juni 1990. Die rund  1,7 Millionen Tonnen „Bauschutt“ wurden rasch abgetragen. Bis auf kurze Abschnitte, die als  Mahnmal erhalten blieben, verschwand die Mauer innerhalb weniger Monate.

Die Farbfotografien von Josef Wolfgang Mayer sind Zeitzeugen und Überlieferung. Sie geben den Nachgeborenen eine erzählerische wie auch genaue Sichtweise auf die Zeit nach den ersten Monaten der „friedlichen Revolution“.Die virtuelle Ausstellung der Galerie Koschmieder wird durch den Bildband „Standing by the Wall – Berlin 1990“ (Verlag Buchkunst Berlin) ergänzt, der gestalterisch das Prinzip der Triptychen aufnimmt und Teil der Zeitreise wird, zu der uns Josef Wolfgang Mayer mit seinen Fotografien einlädt.
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