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Jüdisches Waisenhaus Pankow Archiv Cajewitz-Stiftung
© visitBerlin, Foto: ArchivCajewitz-Stiftung

Jüdisches Waisenhaus Pankow

Vergangenheit erinnern, Zukunft verantworten

Fußläufig vom S- und U-Bahnhof Pankow entfernt finden Sie in der Berliner Straße das ehemalige Jüdische Waisenhaus Pankow. Hinter der eindrucksvollen historischen Fassade erzählt Ihnen heute eine berührende Dauerausstellung die Geschichte des Hauses: von den Biografien der hier untergebrachten Kinder, von Flucht, Verfolgung und Ermordung unter den Nationalsozialisten und von der Wiedereröffnung als Erinnerungsort.

Drei Einrichtungen an einem Ort

Im ehemaligen Jüdischen Waisenhaus sind drei Einrichtungen untergebracht, die Ihnen, gemeinsam und räumlich miteinander verbunden, die besondere Geschichte des Waisenhauses nahebringen und zu Begegnung und Austausch einladen. Alle Angebote sind kostenlos.

Die Bibliothek

Besuchen Sie zunächst die Janusz-Korczak-Bibliothek, welche sich im Souterrain, im Hochparterre und im ersten Obergeschoss des Waisenhauses befindet. Die öffentliche Bibliothek gehört zur Stadt und ist seit 2001 hier untergebracht. Ihr Namensgeber Janusz Korczak (1879–1942) war ein jüdisch-polnischer Arzt, Pädagoge und Schriftsteller, der in Warschau ein jüdisches Waisenhaus leitete und beherzt für die Rechte der Kinder eintrat. Seine Schützlinge und er wurden1942 in das Konzentrationslager Treblinka gebracht und ermordet. 

Die Bibliothek richtet sich ganz besonders auch an Kinder und Jugendliche - von Bilderbüchern für die kleinsten Leser:innen über Spiele und eine Gaming-Ecke bishin zu Musik-CDs und Filme. 

Die Ausstellung und der Betsaal

Im ersten Obergeschoss knüpft an das Angebot der Bibliothek die Dauerausstellung an: Seit 2025 erzählt sie die Geschichte des Hauses in sieben Kapiteln, wobei die tragischen Biografien der damaligen kleinen Bewohner:innen im Mittelpunkt stehen: 

  • Flucht in das Haus: Warum kamen jüdische Kinder ins Waisenhaus? Sie erfahren von Flucht- und Verlustgeschichten und von dem Versuch, im Waisenhaus Schutz und die Chance auf ein geregeltes Leben zu finden.
  • Angriffe gegen das Haus: Der Alltag der Kinder wurde schnell von der nationalsozialistischen Gewalt bedroht. Die Kinder wurden ausgegrenzt, Angst wurde geschürt, die Hitlerjugend startete ihre Angriffe.
  • Flucht aus dem Haus: Flucht der Kinder vor den Nazis bedeutete eine Chance auf Rettung - aber auch den Verlust der privaten Umgebung, die ein Zuhause geworden war, der Verlust von Bezugspersonen, Freund:innen, Geschwistern.
  • Kein Schutz mehr durch das Haus: Für viele Kinder, Lehrer:innen und Mitarbeiter:innen gab es keine Rettung mehr: Wer nicht entkommen konnte, wurde nach der Schließung des Hauses deportiert und ermordet.
  • Verfall und Wiederaufbau: Nach Kriegsende 1945 geriet das Haus außer Betracht, wurde verschiedentlich zwischengenutzt und verfiel Schritt für Schritt. Erst 1990 wurde seine Bedeutung wiederentdeckt und man machte sich an die Restaurierung.
  • Rückkehr der Zöglinge: Nach vielen Jahrzehnten kehrten einige Überlebende zum Waisenhaus zurück, trafen sich dort und prägten den Beginn einer neuen Zeit, in der sich das ehemalige Waisenhaus zu einem Ort der Begegnung und des Austausches entwickelte.
  • Vermächtnis: Die ehemaligen Zöglinge richten sich an die Öffentlichkeit, an uns, mit ihren Erinnerungen und mit ihren Fragen: Was bedeuten uns heute Menschlichkeit, Verantwortung, Mut?

    Jüdisches Waisenhaus Pankow Archiv Cajewitz-Stiftung
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Die Ausstellung stellt Ihnen Fotografien, persönliche Erinnerungen, geschichtliche Dokumente vor, Sie können die Stimmen der Überlebenden hören. Durch die Ausstellung leitet Sie eine Audioführung mit der Originalstimme des Zeitzeugen Leslie Baruch Brent, geboren als Lothar Baruch, ein ehemaliger Zögling des Hauses. Seine Erinnerungen verbinden die Kapitel mit einem konkreten Lebensweg.

Der Gang durch die Ausstellung setzt sich im 3. Obergeschoss fort und mündet dort in die Leslie Baruch Brent-Hall. Dieser prächtige historische Raum ist der ehemalige Betsaal des Jüdischen Waisenhauses. Hier ist der Raum, in dem am Ende des berührenden Ausstellungsbesuches Möglichkeiten zu Begegnungen, zum Austausch und zur Diskussion angeboten werden. Sie können Ihre Eindrücke teilen und gemeinsam überlegen, welche Konsequenzen für unser heutiges Denken und Handeln aus der Katastrophe entstehen könnten und sollten. Hier finden auch regelmäßig Konzerte und Lesungen statt, außerdem generationsübergreifende Pankower Waisenhausgespräche.

Jüdisches Waisenhaus Pankow Archiv Cajewitz-Stiftung
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SchuleEins

Am gleichen Ort, an dem damals die Zöglinge des Waisenhauses unterrichtet wurden, ist heute eine Schule untergebracht. SchuleEins ist eine staatlich anerkannte Gemeinschaftsschule, die die Geschichte des Hauses fest im Lehrplan verankert hat.

Zur Geschichte des Hauses

Im Jahr 1882 entstand das erste Jüdische Waisenhaus in Pankow. Hermann Makower, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlins, bot damals 39 jüdischen Jungen im Alter zwischen sechs und elf Jahren Rettung und Unterkunft. Die Kinder waren der Verfolgung in der ukrainischen Grenzstadt Brody entkommen und auf der Flucht. Dieses ursprüngliche Gebäude wurde 1911 durch einen Brand zerstört und durch den heutigen großen und prächtigen neobarocken Bau ersetzt. Das neue Waisenhaus konnte bereits 1913 eingeweiht werden.

Die aufgenommenen Jungen fanden hier über alle Stockwerke ein lebendiges Zuhause: Unten befanden sich Klassenräume und Speisesaal, in den oberen Etagen lagen die Schlafsäle und im Dach und im Keller die Werkstätten. Im Betsaal wurden Gottesdienste und die jüdischen Feste gefeiert, außerdem schulische Feiern. 1940 schlossen die Nationalsozialisten endgültig das Gebäude, das so lange Heimat und geschützter Raum für jüdische Kinder war.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Das historische Zentrum von Berlin mit Museumsinsel, Humboldtforum oder Gendarmenmarkt ist vom Jüdischen Waisenhaus Pankow aus schnell zu erreichen. Ganz in der Nähe finden Sie folgende Sehenswürdigkeiten:

 

FAQs

Wie komme ich hin?

Das Waisenhaus liegt in unmittelbarer Nähe der S- und U-Bahn Pankow und Tram: S2, S26, S8, U2, M1, 50
 

Ist die Ausstellung für Kinder geeignet?

Die Ausstellung ist für Erwachsene und Schulkinder geeignet

Ist die Ausstellung barrierefrei?

Ein barrierefreier Zugang mit Aufzug zur Dauerausstellung befindet sich an der Hadlichstraße

Was kostet der Besuch

Alle Angebote des Jüdischen Waisenhauses, inklusive die Audioführung sind kostenfrei

Wann kann ich die Ausstellung besuchen?

Sie können die Dauerausstellung ohne Audioführung und Betsaal zu folgenden Zeiten besuchen, sie ist an die Öffnungszeiten der Janusz-Korczak-Bibliothek gebunden:

Mo, Di, Do, Fr 9–19 Uhr
Mi 13–19 Uhr
Sa, So 10–19 Uhr

Für Audioführungen, Gruppenbesuche mit Betsaal und Rückfragen nutzen Sie bitte das Buchungsformular auf der Webseite oder schreiben Sie an kontakt@waisenhaus-pankow.de