Direkt zum Inhalt
Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
Blindenwerkstatt Otto Weidt © Museum der Blindenwerkstatt Otto Weidt; Foto: Thomas Bruns

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

Zuflucht in Zeiten des Terrors

Bitte um Beachtung: Die derzeitigen, Covid-19-bedingten Öffnungs- und Schließzeiten sowie die besonderen Hygieneregeln entnehmen Sie bitte der Webseite.

Das Schicksal vieler Menschen und den außergewöhnlichen Mut eines Mannes dokumentiert das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt. Otto Weidt ist Besen- und Bürstenfabrikant. Im Zweiten Weltkrieg beschäftigt er – selbst erblindet – blinde und gehörlose Juden. Weidt setzt alles daran, sie vor den Nationalsozialisten zu schützen. Das Museum ist in seiner einstigen Werkstatt untergebracht. Seit 2006 erzählt Ihnen die Ausstellung in acht Themenbereichen alle Ereignisse rund um den Weidtschen Betrieb – in bewegenden und beeindruckenden Exponaten.

Nachfühlen und Verstehen: das Leben im Versteck

Otto Weidt stellt im Haus Rosenthaler Straße 39 Bürsten und Besen unter anderem auch für die Wehrmacht her. Hier und in der Spandauer Vorstadt versteckt er seine Mitarbeiter, die von der Deportation bedroht sind. Er besorgt ihnen Essen und falsche Papiere. Wenn notwendig, besticht er sogar die Gestapo. Dadurch rettet er 1942 in letzter Sekunde mehrere seiner Beschäftigten, die im Sammellager auf ihren Abtransport warten. Heute gehen Sie hier im Museum über einen schlichten hölzernen Dielenboden durch die einstigen Werkstatträume. Die originalen Arbeitsgeräte sind wie damals angeordnet. An weißen Wänden hängen Fotografien mit Szenen aus dem Betriebsgeschehen und einem Bild Otto Weidts. Davor stehen hüfthohe Pulte mit Briefen, Postkarten und Gedichten der Weidtschen Arbeiter.

Aus den Texten spricht teilweise die Angst und Verzweiflung der Menschen. Aber auch Dankeskarten sind dabei. Sie sind für die Lebensmittelpakete, die Weidt ins Ghetto Theresienstadt schickt. Dort sind einige seiner ehemaligen Arbeiter und Arbeiterinnen inhaftiert. In einem Raum mit einfachen nackten Wänden steht noch der originale Kachelofen. An den Wänden hängen Bilder mit den Menschen, die sich in der Weidtschen Werkstatt versteckt haben. Die schwarzen Ränder der schlichten Rahmen scheinen fast wie Todesanzeigen. Ein kleiner, fensterloser Raum im hintersten Winkel der Etage ist das Versteck. In der Ecke steht ein einfacher Holzschemel, sonst nichts. Ein Kleiderschrank schützt damals den Eingang.

Das sehen Sie im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

  • Dokumente zu geglückten Rettungen (u.a. Inge Deutschkron, Georg Licht)
  • Fotografien von Firmengründer Otto Weidt
  • originale Werkzeuge aus der Besenherstellung
  • Briefe, Postkarten und Fotos inhaftierter Arbeiter
  • das Versteck im Weidtschen Betrieb (Originalzustand)

Der jüdische Friedhof und der verlassene Raum

Wenige Gehminuten westlich vom Museum kommen Sie zum Friedhof Große Hamburger Straße, den zweitältesten jüdischen Friedhof Berlins. 1671 erlaubt Kurfürst Friedrich Wilhelm verfolgten Juden die Ansiedlung. Diese errichten im Jahr darauf die Begräbnisstätte. Hier findet 1786 der berühmte Philosoph Moses Mendelssohn seine letzte Ruhe. 1943 zerstört die Gestapo den Hof. Später macht die DDR aus dem Areal einen Park. 2008 schließlich stellt man die einst ausgelagerten originalen Grabsteine wieder auf. Auf dem Koppenplatz nördlich des Jüdischen Friedhofs erinnert ein Denkmal an den Holocaust: die Bronzeskulptur „Der verlassene Raum“ von Künstler Karl Biedermann. Ein Tisch und ein Stuhl stehen auf einer Bodenplatte, die einen Parkettboden darstellt. Auf einem Fries lesen Sie die Gedichtzeilen „Oh die Schornsteine“ der jüdischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs. Ein weiterer Stuhl ist umgestürzt. Offenbar musste ein Mensch in großer Eile den Raum verlassen...

Infos zum Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

Am schnellsten kommen Sie zum Museum mit der U-Bahn U8 bis zur Haltestelle Weinmeisterstraße oder mit den S-Bahnen S5, S7 und S75 bis zur Station Hackescher Markt. Von beiden Haltestellen sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Das Museum hat auch montags geöffnet. Der Eintritt ist frei. Sonntags um 15 Uhr finden öffentliche Führungen ohne Voranmeldung statt. Auch werden Gruppenführungen ab acht Personen und spezielle Führungen für blinde, sehbehinderte und gehörlose Besucher angeboten. Dafür melden Sie sich sechs bis acht Wochen vor dem gewünschten Termin an. Besondere Projekttage mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten richten sich an Schulklassen und Jugendgruppen.

 

Öffnungszeiten

Montag 10:00 – 20:00
Dienstag 10:00 – 20:00
Mittwoch 10:00 – 20:00
Donnerstag 10:00 – 20:00
Freitag 10:00 – 20:00
Samstag 10:00 – 20:00
Sonntag 10:00 – 20:00