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Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Ursachen, Phänomene und Folgen von Zwangsmigrationen

Im denkmalgeschützten Deutschlandhaus am Anhalter Bahnhof eröffnete im Sommer 2021 die Ständige Ausstellung des neuen Hauses zu Flucht und Vertreibung. Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung widmet sich der Geschichte der Zwangsmigrationen vom 20. Jahrhundert bis heute und ist ein bedeutender Ort der Erinnerung und Mahnung, dessen Besuch sich lohnt.

Jedes Vertriebenenschicksal ist eine individuelle Tragödie über Verlust, Flucht und den Kampf ums Ankommen. In der Ausstellung des neuen Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird den Ursachen und Auswirkungen von Zwangsmigration auf den Grund gegangen.

Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Das Dokumentationszentrum wurde am 23. Juni 2021 am Anhalter Bahnhof in Berlin-Kreuzberg – dem Sitz der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung – eröffnet. Es liegt damit nicht weit entfernt von der Ausstellung Topographie des Terrors, die den NS-Terror dokumentiert. Damit sind beide neben Einrichtungen wie der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde Teil einer wachsenden Landschaft von Institutionen, die sich der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Europa und Deutschland widmen, Geschichte dokumentieren und aufarbeiten. Die wichtigsten Anliegen dabei lassen sich in zwei zentrale Gedanken fassen: dass so etwas nie wieder geschehen darf und dass man den Anfängen wehrhaft entgegentreten muss. Der Weg dahin ist die konkrete Auseinandersetzung mit der Geschichte, auch wenn sie schmerzhaft ist.

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Was wird gezeigt?

Die Ständige Ausstellung befindet sich im ersten und zweiten Stockwerk und beleuchtet die Vertreibungshistorie im 20. Jahrhundert, die sich vor allem auf politische, religiöse oder ethnische Begründungen berief. Oft auch in Kombination miteinander, zumeist vorgeschoben und immer mit katastrophalen Folgen für viele Millionen Menschen behaftet. Im ersten Stockwerk tauchen Besucher*innen in eine europäische Geschichte der Zwangsmigration ein – aber auch über Europa hinaus. Im zweiten Stockwerk geht es vertiefend um Flucht und Vertreibung der Deutschen.

Zeithistorische Objekte, Dokumente und Fotografien machen die Geschichte von Geflüchteten und Vertriebenen sichtbar. Dabei geht es zum Beispiel um belgische Bürgerinnen und Bürger, die bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs in die Niederlande evakuiert wurden, um Deutsche, die beim Vormarsch der Roten Armee zu Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat Richtung Westen verlassen mussten oder vertrieben wurden. Ebenso geht es um die ethnischen Massaker und Vertreibungen in Ruanda und Bosnien in den 1990er Jahren sowie im heutigen Syrien.

Ab März 2022 werden im Erdgeschoss zusätzlich Sonderausstellungen gezeigt, beginnend mit einer Ausstellung über jüdische Displaced Persons und die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Was Sie unbedingt sehen sollten:

  • Einen Ausweis, den französische Bürger im Elsass nach dem Ersten Weltkrieg bei sich trugen. Die zuvor deutsche Region fiel nach dem Friedensschluss an Frankreich. Dort lebende Deutsche hatten das Elsass zu verlassen. 
  • Eine Tasche, die aus Kartoffelsäcken hergestellt ist und einer Familie gehörte, die 1945 aus Ostpreußen floh. 
  • Den Bestandteil einer Mörsergranate, die im Februar 1994 in Sarajewo detonierte und 60 Zivilisten tötete. 
  • Ein Küchenset mit Töpfen und Besteck, das Geflüchteten in einem Flüchtlingslager in Bangladesch vom UNHCR zur Verfügung gestellt wurde.
  • Eine Rettungsweste, die 2016 in Pozallo, Italien, geborgen wurde. Seit 2014 starben bereits weit über 20 000 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren und nach Europa zu gelangen.

Bezug zur Gegenwart

Vertreibung und Flucht sind heute so präsent wie selten zuvor. Kriegerische und bewaffnete Konflikte, ethnische Spannungen sowie zwischenstaatliche Konflikte führen nach wie vor dazu, dass Millionen Menschen sich gezwungen sehen, gegen ihren Willen ihre Heimat zu verlassen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen.

Wie wird Erinnerung erfahrbar gemacht?

Wie es seinem Gegenstand angemessen ist, ist das Dokumentationszentrum selbst ein ruhiger Ort der Information, des Erinnerns und des Gedenkens an menschliche Schicksale. Die Architektur unterstützt diese Atmosphäre zusätzlich. Während die denkmalgeschützte Fassade im Zuge der Sanierung erhalten geblieben ist, wurde das Gebäudeinnere vollständig umgebaut. Dabei entstand ein weitläufiges Foyer mit zwei beeindruckenden Treppenhäusern. Alter und neuer Gebäudeteil sind durch einen schmalen Spalt voneinander getrennt, durch den Tageslicht einfällt.

Bei der Neugestaltung wurde darauf geachtet, das Haus und damit die Ausstellung möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dafür wurde ein taktiles Leitsystem integriert. Außerdem gibt es taktil gestaltete Stationen sowie Videos mit Gebärdensprache und einen Audioguide, der auch in einfacher Sprache erhältlich ist.

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Ihr Besuch

Der S-Bahnhof Anhalter Bahnhof/Ausgang Stresemannstraße (S1, S2, S25 und S26) befindet sich praktisch direkt am Dokumentationszentrum. Zusätzlich halten dort die beiden Buslinien M29 und M41. Etwas weiter entfernt, aber noch fußläufig erreichbar sind die U-Bahnhöfe Potsdamer Platz (U2), Mendelssohn Bartholdy Park (U2) und Möckernbrücke (U1, U3, U7).

Der Eintritt ist frei.

Mehr Kultur in der Nähe

Direkt gegenüber zeugt die Portalruine des Anhalter Bahnhofs von der einstigen Bedeutung des Fernbahnhofs. Nur wenige Gehminuten entfernt finden Sie in der Niederkirchnerstraße das Ausstellungshaus Gropius Bau, den Preußischen Landtag, in dem das Berliner Abgeordnetenhaus tagt, sowie die Topographie des Terrors, die den Naziterror dokumentiert. Sie können sich auch den nahe gelegenen berühmten Potsdamer Platz anschauen.
 

Öffnungszeiten (Zusatzinfos)

Di - So 10 - 19 Uhr

Bibliothek und Zeitzeugenarchiv:

Di - Fr 10 - 19 Uhr