Direkt zum Inhalt
Ihre gesuchte Veranstaltung hat bereits stattgefunden. Finden Sie viele weitere Veranstaltungen, Tipps und Empfehlungen in Berlins größtem Veranstaltungskalender auf visitBerlin.de.

Sezierte Wahrheiten

In fünf Kapiteln folgt die Ausstellung dem ungewöhnlichen Lebensweg einer ärztlichen Persönlichkeit, die wie kaum eine zweite das Ansehen der Charité im geteilten Berlin prägte. Vor den jeweiligen zeithistorischen Hintergründen zeigt sie die medizinischen Schwerpunkte seines Schaffens und sein berufliches Umfeld.

Grafik mit dem Wort Ausstellung in verschiedenen Schriftarten
Grafik mit dem Wort Ausstellung in verschiedenen Schriftarten © visitBerlin, MSF

Fast 34.000 Sektionen fanden unter seiner Leitung am renommierten Institut für Gerichtliche Medizin der Charité statt. Was für Otto Prokop zählte: gut dokumentierte Befunde vom Tatort, nüchterne Beobachtungen am Leichnam und sorgfältig ermittelte Ergebnisse aus dem Labor.

Wichtige Fälle aus seiner gerichtsmedizinischen Praxis zeigen seinen stets klaren Kopf. Als Forscher und Wissenschaftsorganisator, Gutachter und Autor war er international angesehen. In seinen überfüllten Sonntagsvorlesungen bezog der charismatische Redner Position gegen medizinische Paraphänomene und Okkultismus.

Bis heute bleibt es erstaunlich, mit welcher Zielstrebigkeit und Entschlossenheit der österreichische Staatsbürger 1957 den Wechsel von Westdeutschland in die DDR vollzogen hat. Das Gerichtsmedizinische Institut an der Hannoverschen Straße wurde beruflich und privat sein Zuhause. Dort wohnte und lebte er mit seiner Familie über weite Strecken seiner aktiven Laufbahn. In umfassender Weise machte er es zu „seinem“ Institut. 

Als Naturwissenschaftler machte er sein Fach nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs in Berlin wieder groß. Genauer: in Ost-Berlin – zwischen Mauerbau und Mauerfall. Im Ost-West-Spannungsfeld sezierten er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch „Mauertote“. Dies brachte eine berufliche Nähe zur Staatsgewalt mit sich. Politisch hielt er sich stets auf Distanz, die gesellschaftlichen Verhältnisse trug er jedoch loyal mit.
Zusätzliche Informationen