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Internationales Literaturfestival Berlin in Marzahn

Mendel Adenauer, Möring-Leser:innen bereits aus seinem Debütroman »Mendel« bekannt, steht als Psychiater vor dem rätselhaften Fall eines umherirrend aufgefundenen Mannes.

Marcel Möring
Marcel Möring © Keke Keukelaar

Einen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart schlagend, greift Marcel Möring – »einer der bedeutendsten europäischen Erzähler seiner Generation« [Die Welt] – das Motiv vom Wandernden Juden ebenso auf wie die Legende vom Buch Raziel, das Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies erhalten haben soll.

Übersetzung: Helga van Beuningen



Biographie Marcel Möring [Niederlande]

Marcel Möring wurde 1957 in Enschede geboren. Er debütierte 1990 mit dem Roman »Mendels erfenis« (dt. »Mendel«, 2003), für den er mit dem Geertjan Lubberhuizenprijs ausgezeichnet wurde, dem wichtigsten Debütpreis der Niederlande. Protagonist Mendel Adenauer, der mit dem Autor das Geburtsjahr und die jüdische Herkunft teilt, hat von klein auf die Geschichten seiner Familie gehört: Vollständig assimiliert, lebten sie als geachtete Bürger in einer niederländischen Kleinstadt, bis sie während der NS-Zeit nach Osteuropa deportiert wurden. Mendels Mutter und Großeltern überlebten den Holocaust und kehrten danach in die Niederlande zurück. Mendel leidet unter den für die Holocaust-Nachfolgegeneration nicht untypischen Schuldgefühlen, und als seine Großeltern und seine Mutter kurz hintereinander sterben, gerät er in eine tiefe psychische Krise.
Auch weitere Titel aus Marcel Mörings umfangreichem Werk, dessen Hauptthemen Vergangenheit und Erinnern, Verantwortung und Schuld sind, erschienen in deutscher Übersetzung, darunter der Roman »DIS« (2006; dt. »Der nächtige Ort«, 2009), der mit dem F. Bordewijk-prijs für den besten niederländischen Roman des Jahres geehrt wurde. Angesiedelt in den 1980er-Jahren in der niederländischen Kleinstadt Assen, bilanziert der Holocaust-Überlebende Jakob Noach in einer warmen Sommernacht sein Leben. Zwar hat er es nach dem Krieg als Unternehmer zu Wohlstand und Anerkennung gebracht. Doch wie er nach außen wirkt, findet in seinem Innern keinen Widerhall. Multiperspektivisch angelegt, erzählt der Roman auch die Geschichte des jüdischen Intellektuellen Marcus Kolpa, der einst in Jakobs Tochter verliebt war.

2022 erschienen mit »Eden« (2016) und »Amen« (2019) die zwei jüngsten Romane von Marcel Möring in deutscher Übersetzung.
»Amen« erzählt von Samuel Hagenau, der als Archäologe im ehemaligen NS-Durchgangslager Westerbork tätig ist und vor Kurzem von seiner Frau verlassen wurde. Auf einem Waldspaziergang entdeckt er ein ausgebranntes Auto samt Leiche. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Mann um ein ehemaliges Mitglied der RAF – in deren Terror der Protagonist eine Reaktion auf die verdrängte Schuld der NS-Tätergeneration sieht. »Liebesverlust, Schuld, Wut – individuell, politisch und geschichtlich. Marcel Möring dreht ein großes Rad und verbindet in seinem schmalen, risikofreudigen Roman eine ganze Reihe komplexer Fragen«, befand der WDR. »Eden« beschert Leser:innen ein Wiedersehen mit Mendel Adenauer. Inzwischen als Psychiater tätig, wird er mit dem rätselhaften Fall eines Mannes konfrontiert, der umherirrend im Wald aufgefunden wird und wieder verschwindet. Mit der Verknüpfung zweier Handlungsstränge schlägt Marcel Möring einen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart und greift dabei das Motiv vom Wandernden Juden ebenso auf wie die Legende vom Buch Raziel, das Adam nach seiner Vertreibung aus dem Paradies aus den Händen eines Engels erhalten haben soll. Marcel Möring lebt in Rotterdam.


BISHER ERSCHIENEN:
  • Mendel (Luchterhand Literaturverlag, München, 2003, Ü: Helga van Beuningen)
  • Der nächtige Ort (Luchterhand Literaturverlag, München, 2009, Ü: Helga van Beuningen)
  • Eden (Luchterhand Literaturverlag, München, 2022, Ü: Helga van Beuningen)
  • Amen (Luchterhand Literaturverlag, München, 2022, Ü: Helga van Beuningen)

Zusätzliche Informationen
Die Lesung findet in niederländischer Sprache statt mit deutscher Übersetzung.

Anmeldung: telefonisch (030) 54 704 142 mit Angabe Ihres Namens sowie Ihrer Telefonnummer.

Eintritt frei, Austritt: eine Spende an den Förderverein Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf e.V. zur Mitfinanzierung der Veranstaltung.

Bei einigen Veranstaltungen in der Stadtbibliothek machen wir Fotos und/oder Videos, die ggf. auf unserer Webseite, denen unserer Partner, Facebook oder Instagram veröffentlicht werden.
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Datum
Bezirkszentralbibliothek "Mark Twain"