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Großes politisches Musiktheater! Der Glaube des Komponisten Luigi Nono an die Macht der Kunst war groß und ist es wert, nicht zuletzt in Zeiten wie diesen, überprüft zu werden. Eine Ermutigung, die Stimme da zu erheben, womit wir uns nicht abfinden wollen.

Intolleranza 1960
Intolleranza 1960 © Jan Windszus Photography

Ein Gastarbeiter flieht aus dem Moloch einer Bergarbeitersiedlung. Seine verständnislose Frau lässt er zurück und gerät auf der Suche nach dem Heimweg in politische Unruhen, wird schuldlos verhört, gefoltert und in ein Konzentrationslager gesperrt. Er erlebt Brutalität und Willkür, auch Solidarität. Kann fliehen, will kämpfen, gegen die Ungerechtigkeit, findet Halt in der Liebe einer Gefährtin. Schließlich strandet er in einem Dorf, das von den Fluten eines Hochwassers fortgerissen wird. Die letzten Worte des Chors stammen aus dem Gedicht von Bertolt Brecht An die Nachgeborenen: »… ihr, wenn es soweit sein wird, dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist, gedenkt unsrer mit Nachsicht.«

Musikalisch bedient Nono sich einer frei gehandhabten Serialität, die in ihrer hohen Komplexität gewaltige Farbigkeit und emotionale Durchlässigkeit behält. Gerahmt durch zwei große kontemplative Chöre zeigt der Komponist mit aller Vehemenz die Missstände einer dysfunktionalen Gesellschaft auf. Die finale Flut scheint heute mehr noch als zur Entstehungszeit eine erschreckend plausible Konsequenz menschlicher Unzulänglichkeit. Regisseur Marco Štorman findet seinen Weg jenseits illustrativer Bilder: Die wahren Kämpfe toben im Inneren. Márton Ághs das gesamte Bühnenhaus einnehmender Bühnenraumentwurf zieht jede:n mitten ins Geschehen und macht spürbar, was kommen mag, wenn die Flut gegangen ist: Stille.

Nicht verpassen: Bühnenbildner Márton Ágh lässt zum Auftakt der Saison keinen Stein auf dem anderen und verwandelt das Opernhaus in eine Eiswüste. Die Gäste werden Bühne und Zuschauerraum nicht wiedererkennen!
Zusätzliche Informationen
Luigi NonoSzenische Handlung in zwei Teilen [1960/61]nach einer Idee von Angelo Maria Ripellino Deutsche Übertragung von Alfred Andersch
Teilnehmende Künstler
David Cavelius (Chöre)
Gabriel Feltz (Musikalische Leitung)
Olaf Freese (Licht)
Marco Štorman (Inzenierung)
Sara Schwartz (Kostüme)
Johanna Wall (Dramaturgie)
Márton Ágh (Bühnenbild)
Sean Panikkar (Ein Flüchtling)
Gloria Rehm (Seine Gefährtin)
Deniz Uzun (Eine Frau)
Tom Erik Lie (Ein Algerier)
Tijl Faveyts (Ein Gefolterter)
Josefine Mindus (Sopran-Solo)
Ilse Ritter (Sprecherin)
Chorsolisten der Komischen Oper Berlin und Vocalconsort Berlin u. a.
Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin.
Termine
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Komische Oper Berlin
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