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In Rahmen der experimentellen Design Lab-Reihe des Kunstgewerbemuseums widmen sich Studierende einem Material und einer Technik, die im 19. Jahrhundert zu den Innovationstreibenden von Produktion und Gestaltung gehörten: Es geht um einen zentralen Werkstoff der Moderne, nämlich Eisen und den Metallkunstguss, den man auch als Vorläufer der digitalen 3D-Druck-Technologie beschreiben könnte.  

Veranstaltungen in Berlin: Design Lab #12: Metall im Fluss. Vom Guss zur Form
© visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Das Design Lab #12 entstand in einer Kooperation des Kunstgewerbemuseums mit der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Claudia Banz, Wibke Bornkessel und Hermann August Weizenegger. Die zeitgenössischen Entwürfe von Design-Student*innen aus Gusseisen und Bronze spiegeln die Möglichkeiten des Materials im Kunstguss wieder. Die Arbeiten treten in einen Dialog mit historischen Exponaten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums und bilden neue Narrative zwischen Tradition und Gegenwart. Damit reiht sich das Design Lab #12 ein in die Ausstellungsprojekte, die die Aktualität und die damit verbundenen Potentiale der Kunstgewerbemuseen als kulturelles Archiv im Hier und Jetzt neu befragen und ausloten.

Design trifft Handwerk
Eine junge Generation von Gestalter*innen hat in den letzten Jahren das Handwerk wieder für sich entdeckt. Sie können auf alte, handwerkliche Traditionen zurückgreifen, haben aber dennoch viel Spielraum für Experimente. Für die Studierenden der Fachhochschule Potsdam bestand die konkrete Herausforderung darin, ein Projekt zu entwickeln, das einerseits einen Dialog zu den historischen Exponaten aus der Sammlung „Eisenkunstguss“ eröffnet und anderseits Ideen für eine zeitgenössische Gestaltung des Materials Eisens und die traditionelle Technik des Eisengusses aufzeigt.  

Regionale Produktion
Der Anspruch auf eine ganzheitliche Kontrolle des Produktionsablaufs wurde durch die Auswahl von zwei regionalen Kunstgießereien gewährleistet. Für das Ausstellungsprojekt konnten sowohl die bereits 1725 gegründete Kunstgießerei Lauchhammer als auch die Kunstgießerei Altglienicke gewonnen werden. Lauchhammer kann auf eine lange Tradition im Eisenguss zurückblicken. Nach Entwürfen von namhaften Künstlern und Gestaltern entstanden qualitativ hochwertige Dinge für den alltäglichen Gebrauch und zur Dekoration wie Leuchten, Schalen, Dosen, Spiegel sowie Plastiken, Brunnen oder architektonische Gitter. Bis heute werden noch Objekte von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) in Serie produziert. Die Kunstgießerei Altglienicke – ehemals Kunstgießerei Flierl – ist eine noch recht junge Bronzegießerei, die sich der besonders engen, schöpferischen Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Künstlern verschrieben hat. Das Spektrum der Arbeiten reicht von kleinen Skulpturen bis zu großen Objekten, wie beispielsweise die Kuppelkrönung des neuen Berliner Humboldt Forums.  

Teilhabe am „Schönen“
Die Sammlung „Eisenkunstguss“ gehört heute zu den weniger beachteten Konvoluten im Berliner Kunstgewerbemuseum. Dabei war Berlin insbesondere für seine künstlerischen Plastiken und den filigranen Eisenschmuck international berühmt, die in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in der königlichen Eisengießerei produziert wurden. Die damalige preußische Regierung setzte den ebenso innovativen wie kostengünstigen Eisenkunstguss sogar als Medium der Geschmacksbildung ein, um die bürgerliche Tugend der Einfachheit zu festigen, sowie die Teilhabe der Bevölkerung am Schönen zu befördern. Auch wirtschaftlich wurde die Eisenproduktion nachhaltig gefördert.
Zusätzliche Informationen
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr