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nach Carlo Goldoni

Carlo Goldoni schrieb seine berühmte Komödie 1745 am Höhepunkt des Rokoko und an der Schwelle zur Aufklärung – das Stück leitete das Ende der Commedia dell’Arte ein, der Komödienform der "Masken" – stereotype Figuren, die dezidiert gesellschaftliche Typen bedienten.

Berliner Ensemble, Außenaufnahme
Berliner Ensemble, Außenaufnahme © Monika Ritterhaus

Beatrice reist als Mann verkleidet nach Venedig, um ihren Geliebten Florindo zu suchen, der auf der Flucht ist, weil er ihren Bruder – einen Turiner Geschäftsmann – erstochen hat. Ihr Diener Truffaldino tritt auch in Florindos Dienste, dem er zufällig auf der Straße begegnet und damit nimmt ein Reigen von Verwechslung, Verstellung und Verkleidung seinen Anfang. Rasch verstrickt sich Truffaldino in allerlei Schwierigkeiten und gerät so durch immer neue Ausflüchte von einer zu Beginn schlicht schlechten Ausgangsituation (Hunger!), in immer kompliziertere Verwicklungen.
Mit großer Eilfertigkeit wirbelt er – zwischen zwei Herren jonglierend – Notizbücher, Teller, Koffer und Briefe durcheinander und richtet ein entsetzliches Chaos an, dem er nur mit Mühe Herr wird.

Goldonis Anliegen war es, mit dem Diener ein Stück guter Unterhaltung zu bieten, dessen Kern keinerlei moralische Botschaft enthält, stattdessen jedoch reichlich komödiantischen Zündstoff.

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Zusätzliche Informationen
DER DIENER ZWEIER HERREN

NACH CARLO GOLDONIIn einer englischen Bearbeitung von Antú Romero Nunes

INVISIBLE AGAIN.

Carlo Goldoni wollte mit dem Diener zweier Herren ein Stück gute Unterhaltung bieten und diese Idee war auch ein zentraler Ausgangspunkt der Inszenierung, die Regisseur Antú Romero Nunes während der Proben am Berliner Ensemble für und mit dem Ensemble der Darstellerinnen entwickelt hat. Ausgehend von den Masken und Klischees der Commedia del arte, der Figurenkonstellation im Diener zweier Herren und der großartigen Komödienkonstruktion von Carlo Goldoni, begibt sich der Abend auf die Suche nach Fragen von Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Heimat und tut dies im leichten Gewand eines Western Noir. Der Diener – bei Antú Romero Nunes The Servant – ist kindlich naiv, eine Figur wie direkt einem Märchenbuch entsprungen. Auf der Reise durch die Erzählung trifft The Servant auf eine eingeschworene Gemeinde grobschlächtiger Typen, die allem Fremden skeptisch gegenüberstehen. Selbst als The Servant muss frau/man sich hier beweisen. Darum bemüht, allen zu gefallen, alles richtig zu machen und dabei aber auch noch halbwegs anständig zu überleben (angetrieben von existentiellem Hunger), verstrickt sich The Servant in ein immer undurchdringlicheres Netz von Lügen und Tricksereien und bleibt dennoch fremd in einer Welt, die nur ihresgleichen kennt und toleriert. The Servant findet keinen Zugang zu dieser Gesellschaft, deren Sprache und Rituale ihr/ihm fremd sind. Der einzige Weg akzeptiert zu werden, scheint die Selbstaufgabe: Anpassung, Opferbereitschaft, maximale Integration als Preis für ein neues, vielleicht besseres Leben. Welcome to the Quietlands.• Clara Topic-Matutin

Original Englisch mit deutschen Übertiteln
Teilnehmende Künstler
In einer englischen Bearbeitung von Antú Romero Nunes (Autor/in)
Stefanie Reinsperger (The Servant)
Constanze Becker (Kayden March, Jolene March, Brody Bandson)
Cynthia Micas (Willie-Jay, Kaylee, Two Servants)
Lili Epy (Braiden, Cupcake, Two Servants)
Sina Martens (Hank)
Bettina Hoppe (Hank)
Antú Romero Nunes
Matthias Koch
Helen Stein
Anna Bauer
Rainer Casper
Clara Topic-Matutin
Termine
Datum
Berliner Ensemble: Großes Haus
Datum
Berliner Ensemble: Großes Haus