Direkt zum Inhalt

Die Filmemacherin und Autorin Miranda July verwendet den Begriff „everyday acting”, um eine Strategie zu beschreiben, in der sie aus alltäglichen Momenten Szenen macht. Auf ihrem Instagram-Account verschwimmt die Grenze zwischen Narrativ und Performance, Filme werden veröffentlicht, Follower werden zu Mitwirkenden.

Cassandra Jenkins • Albertine Sarges
Cassandra Jenkins • Albertine Sarges © Cassandra Jenkins

Die Personen, die auf Cassandra Jenkinsʼ Album An Overview on Phenomenal Nature zu Wort kommen, wissen vergleichsweise (für den Moment) nichts von ihrem Glück. Die Musikerin nutzt ähnliche Strategien wie July, um mit Fremden in einen unerwarteten Austausch zu treten und übersetzt die Ereignisse in ein brillantes musikalisches Storytelling. Jenkins mischt sich mit Fernglas unter Vogelbeobachter:innen, transkribiert Begegnungen im Park oder Museum. Die Art und Weise, wie man auf alltägliche Ereignisse blickt, ändert sich, indem man im übertragenen Sinn aus sich selbst heraustritt: im Fall von Jenkinsʼ Album auf poetische Weise.

Das meistrezipierte Stück des Albums heißt Hard Drive und beginnt mit einer Sprachnotiz aus dem Met Breuer Museum: Eine Museumsaufsicht sinniert über Mrinalini Mukherjees hybride Textilskulpturen, die als Teil einer Retrospektive namens Phenomenal Nature zu sehen ist. „When we lose our connection to nature, we lose our spirit, our humanity”. Stuart Bogies Saxophon und Josh Kaufmans Gitarre begleiten Jenkins, die sich im Spoken Word Stil langsam und melodisch zum Chor wird.

Für ihr Debütalbum The Sticky Fingers stellt die Künstlerin Albertine Sarges eine neue Band zusammen und unterschreibt beim britischen Indie-Label Moshi Moshi Records. Auf dem Album finden sich ihre auf feministische Theorien, Überlegungen zu Bisexualität, Geschlechterstereotypen und psychische Gesundheit. Dabei behält sie ihren Sinn für Humor und überlegt selbstreflektiert, wie man zu einem breiteren gesellschaftlichen Diskurs beitragen kann. Das Lied Free Today hinterfragt in geschicktem Songwriting den Eurozentrismus, der sich auch im akademischen Feld noch oft in der verschiedenen Wertigkeit von Wissen und Theorien versteckt. Moderne Popmusik at its best, verarbeitet in unterschiedlichen Motiven: von Viv-Albertine-inspiriertem Post-Punk und Dream-Pop bis hin zu leise-lautem Gitarrengewitter.
Zusätzliche Informationen
Termine
Datum
Volksbühne - Großes Haus