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Bannkörbe . C/O Berlin Talent Award 2023

Auf den ersten Blick wird ein skurriles, aus Holz geschnitztes Gesicht erkennbar. Hinter der schmalen Öffnung, die den Mund darstellt, verbirgt sich jedoch weitaus mehr: Sie fungiert als Eingang in die faszinierende Welt der Bienen.


Das, was gezeigt wird, ist einer von nur wenigen erhaltenen Bannkörben – ein Bienenstock, gefertigt aus organischen Materialien wie Holz, Stroh und Kuhdung. Diese spezielle Form der Imkereitechnik und Kunsttradition war besonders zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in Norddeutschland verbreitet.

Die einzigartigen Körbe zeichneten sich durch ihre charakteristischen grotesken Masken aus, die den „bösen Blick“ sowie Honigdiebe abwehren sollten.
Innerhalb der Bienenforschung spiegeln sie den Glauben an Magie wider und stellen ein Modell dar, das im Gegensatz zu verschiedenen Arten des „modernen“ Bienenstocks steht. Letzterer zielt oft auf Produktivität, Profitabilität und die Kontrolle von Bienen mittels moderner Technologien ab.

In seinem Langzeit-Rechercheprojekt "Bannkörbe" untersucht Aladin Borioli (*1988, Schweiz) in Zusammenarbeit mit Bienenforschern, Wissenschaftlern, Sammlern und Imkern auf künstlerisch-forschende Weise die soziohistorische, politische und ökologische Beziehung zwischen Menschen und allen Bienenarten.


"Bannkörbe" ist dabei eines von vielen Unterprojekten von Apian, einer kollaborativen Entität, initiiert von Aladin Borioli. Apian versteht sich als ein sich stetig erweiterndes und nie abgeschlossenes Archiv, das als eine Art „Bienenministerium“ fungiert.
Das Multimediaprojekt "Bannkörbe" wird erstmals im Ausstellungsraum bei C/O Berlin präsentiert.

Die komplexe Ausstellung gliedert sich in verschiedene Stationen, die das Konzept des Bienenstocks, den alten Bienenglauben und die faszinierenden Möglichkeiten der Technik bei der Umsetzung alternativer Methoden der Bienenhaltung beleuchten.

Neben eigenen künstlerischen Werken und einem fotografischen Verzeichnis mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen von Bannkörben können Besucher ein über die Jahre gesammeltes Archiv- und Forschungsmaterial aus der Bienenforschung sowie Kulturgeschichte erkunden.

In einem abgeschlossenen Raum mit einer Videoinstallation, die einen „modernen“ Bienenstock von innen simulieren soll, können Besucher Bienenwaben aus nächster Nähe beobachten, während ein interaktiver Forschungsbereich zu einer vertiefenden Auseinandersetzung einlädt.

Mit Beharrlichkeit, Einfallsreichtum und der Methodik der visuellen Anthropologie bewegt sich Borioli in seiner Praxis zwischen Kunst und Wissenschaft, Fotografie, Philosophie und Feldforschung. Seine kollaborative Arbeitsweise schafft ein außergewöhnliches Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, Disziplinen und Denkweisen und eröffnet so verschiedene Perspektiven auf Bienen – und, sofern das möglich und mit den ethischen Leitlinien vereinbar ist, auch die Perspektive der Bienen selbst.

Angesichts des alarmierenden Bienensterbens der vergangenen Jahrzehnte ist die Ausstellung "Aladin Borioli . Bannkörbe" ein Versuch, das Thema einer nachhaltigen Imkerpraxis in der Gegenwart zu verorten sowie Impulse für eine aktivere Fürsorge der Bienen zu setzen.
Zusätzliche Informationen
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