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Borsigturm in Tegel
© visitBerlin, Foto: Steve Simon

Borsigturm

Berlins erstes Hochhaus

Im Berlin der 1920er Jahre kursieren vielf├Ąltige Entw├╝rfe f├╝r spektakul├Ąre Hochhausbauten. Der Borsigturm wird Wirklichkeit.

Die Vereinigten Staaten sind das Mutterland des Hochhauses. Schon vor dem Ersten Weltkrieg entstehen dort regelrechte Wolkenkratzer, die ├╝ber 200 Meter hoch sind. Deutsche Architekten wollen diesem Beispiel nacheifern. Legend├Ąr ist Ludwig Mies van der Rohes Wabe ÔÇô ein k├╝hnes Konzept aus dem Jahr 1921 f├╝r ein zwanzigst├Âckiges B├╝rogeb├Ąude am Bahnhof Friedrichstra├če. Ausgef├╝hrt wird der Entwurf nie.

Stattdessen entsteht 1922 bis 1924 als erstes Berliner Hochhaus der Borsigturm in Tegel (Bezirk Reinickendorf). Er ist kein Wolkenkratzer wie die US-amerikanischen Vorbilder, er erreicht nur eine H├Âhe von 65 Metern. Aber das Werk des Architekten Eugen Schmohl ist dennoch ein Novum der Berliner Moderne. Zuvor waren T├╝rme keine H├Ąuser. Hans Hertleins Wernerwerkturm in Siemensstadt (Baujahr 1917) ist beispielsweise nur die Verkleidung f├╝r einen Schornstein und Wasserbeh├Ąlter. Aber der Borsigturm ist ein richtiges B├╝rogeb├Ąude. Hier sitzt die Verwaltung der Borsig-Werke ÔÇô damals Europas gr├Â├čter Hersteller von Lokomotiven.

Borsigturm in Tegel
Borsigturm in Tegel ┬ę visitBerlin, Foto: Frank Heise

Der Borsigturm ist ein Hochhaus auf dem Firmengel├Ąnde der Borsigwerke in Berlin-Tegel, das ÔÇô je nach Definition ÔÇô als erstes Hochhaus Berlins gilt. Die beengten Platzverh├Ąltnisse auf dem Werksgel├Ąnde sollen den Ansto├č zum Turmbau gegeben haben. Errichtet wurde das Geb├Ąude in den Jahren 1922 bis 1924 nach Pl├Ąnen des Architekten Eugen Schmohl. Der Turm ist 65 Meter hoch und steht auf einer Grundfl├Ąche von 20 ├Ś 16 Metern. Er entstand als Stahlskelettbau, dessen Fassaden aus Backstein gemauert sind. Neun der Etagen wurden als B├╝ror├Ąume der Verwaltung genutzt, in der zehnten und elften Etage war

Sinnbild der Industriearchitektur

In kurzer Zeit wird Schmohls Hochhaus zum Wahrzeichen der Borsig-Werke. Der Schriftsteller Franz Hessel schreibt in den 1920er Jahren, der Turm sei ein ÔÇ×stolzer, scharfkantiger Belfried der ArbeitÔÇť.
Tats├Ąchlich ist der Borsigturm zugleich funktional und repr├Ąsentativ. Da die inneren W├Ąnde nicht tragend sind, k├Ânnen die Grundrisse der B├╝ros frei gestaltet werden ÔÇô von kleineren Einheiten bis zum Gro├čraumb├╝ro, das die Fl├Ąche eines ganzen Stockwerks ausf├╝llt. Das Gewicht des Turms ruht teilweise auf einem Stahlskelettbau. Die Fassade besteht aus Klinker, doch im Gegensatz zu anderen Stahlkonstruktionen sind die Backsteine keine Verkleidung. Zum Teil tr├Ągt das Mauerwerk das Gewicht des Hochhauses.

Schmohl plant neun Stockwerke ├╝ber dem Sockelgeschoss f├╝r B├╝ror├Ąume ein. Ihre Au├čenfassade h├Ąlt er sachlich. Der Architekt arbeitet hier mit Dreiergruppen: Durch drei Gesimse hat er jeweils drei Geschosse nach au├čen hin zusammengefasst. Auch die Fenster bilden Dreiergruppen.
Die beiden oberen Geschosse des Dachaufbaus sind dagegen in einem anderen Stil gehalten: Hier wendet Schmohl erstmals den Backsteinexpressionismus in der Berliner Industriearchitektur an. Die Fassade ist gezackt und strebt in die H├Âhe. Der Dachaufbau beherbergt keine B├╝ros, sondern einen Festsaal und ein Wasserreservoir f├╝r das Werksgel├Ąnde.

Der Borsigturm nach dem Ende der Borsig-Werke

Die Weltwirtschaftskrise beendete die Selbstst├Ąndigkeit der Borsig-Werke. Wechselnde Besitzer ├╝bernehmen in der Folge das Fabrikgel├Ąnde in Tegel. Im Zweiten Weltkrieg besch├Ądigen Bomben den Borsigturm, zerst├Âren ihn aber nicht. Bis heute ist er ein B├╝rohochhaus. Nach Renovierungen in den 1970er und 1990er Jahren steht er mit den verbliebenen Geb├Ąuden der Borsig-Werke unter Denkmalschutz.
Im Jahr 1996 entwickelt der franz├Âsische Architekt Claude Vasconi ein st├Ądtebauliches Konzept f├╝r das ehemalige Borsig-Gel├Ąnde. Im Turm finden mittlerweile private und ├Âffentliche Veranstaltungen statt, die ehemaligen Fabrikhallen des Lokomotivenwerks sind heute ein Einkaufszentrum.

Unsere Tipps rund um den Borsigturm

Ein weiteres Highlight der Berliner Moderne ist zu Fu├č nur einen Kilometer entfernt. Am Tegeler Hafen finden Sie die Geb├Ąude der Internationalen Bauausstellung IBA 87. Hier verwandelte sich eine industrielle Brache in ein neues Wohn- und Freizeitgebiet. Als Sehensw├╝rdigkeit der Berliner Industriearchitektur ist die AEG-Turbinenhalle in der Huttenstra├če ein Muss. Fahren Sie daf├╝r mit der U-Bahn-Linie 6 bis Wedding und von dort mit der Ringbahn bis zur S-Bahn-Station Beusselstra├če. Ein bedeutendes Werk des Backsteinexpressionismus in der Industriearchitektur ist das ehemalige Abspannwerk Kottbusser Ufer. Fahren Sie mit der U-Bahn-Linie 6 bis Hallesches Tor und steigen Sie dort in die U-Bahn-Linie 1 bis G├Ârlitzer Bahnhof.

Praktische Infos von visitBerlin

Den Borsigturm erreichen Sie mit der U-Bahn-Linie 6 am U-Bahnhof Borsigwerke. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir f├╝r den ├Âffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.