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Ein Wasserbüffel grast im Tegeler Fließ
Tiere am Tegeler Fließ © visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle

Tierisches Berlin

Mit dem Rad den Großstadtdschungel hautnah erleben

Neben Kultur, Wasser oder Grün bietet Berlin noch ein weiteres Highlight: Viele heimische und seltene Tierarten tummeln sich im Großstadtdschungel. Von Ziegen und Schafen, über Hühner und Wasserbüffel bis hin zu Fledermäusen, Ponys, Mufflons und Schweinen – die Vielfältigkeit der Berliner Fauna ist beeindruckend. Mit einem Fernglas und ein wenig Proviant können Sie diese ganz wunderbar bei einem Tagesausflug im Berliner Nord-Westen mit dem Rad entdecken.

Tourkarte von Komoot

Abenteuerspielplatz Kinderbauernhof

Kinderbauernhof Pinke-Panke in Pankow
Kinderbauernhof in Pankow © visitBerlin, Foto: Doreen Himsl

Unsere tierische Entdeckungstour durch Berlin startet unweit vom S-Bahnhof Wollankstraße im Bezirk Pankow. Auf einem ehemaligen Stück Mauerstreifen haben Mitarbeiter und viele freiwillige Helfer seit 1991 eine ländliche Oase inmitten der Großstadt geschaffen. Man könnte fast meinen, die Bremer Stadtmusikanten haben hier ihr neues Zuhause gefunden: Esel, Katzen, Hühner und Schweine leben mit vielen anderen Tieren zusammen auf dem Kinderbauernhof Pinke-Panke.

Der Abenteuer- und Lernort bietet viel Raum für junge Menschen und Erwachsene, spielerisch Erfahrungen mit dem Leben der Tiere auf einem Bauernhof zu sammeln. Neben den Fütterungen können Sie die Tiere beobachten und anfassen, Brot in der Lehmhütte backen, tradierte Handwerks-techniken kennenlernen oder mit einem Pott Kaffee in der Hand auf der Bank das Landleben genießen. Noch ausgeruht geht es dann mit dem Rad auf die längste Etappe unserer tierischen Tour weiter westlich Richtung Reinickendorf.  

Vielfältige Natur vom Tegeler See bis zum Wildgehege nach Spandau

Rehe im Wildgehege im Spandauer Forst
Wildgehege Spandauer Forst © wikimedia, Foto: Leonhard Lenz (CCBY-SA4-0)

Bevor Sie Damwild, Mufflons, Rehe und Wildschweine beobachten können, heißt es erst mal ordentlich in die Pedale treten. Nächstes Etappenziel ist das Wildgehege im Spandauer Forst und bis dahin sind es gute 20 Kilometer. Der Weg dorthin ist aber vielfältig und lohnt sich allemal. Nach den ersten zehn Kilometern treffen Sie auf den Borsigdamm, der einen wunderschönen Blick auf den Tegeler See gewährt. Nun geht es geradeaus, immer am See entlang und durch den südlichen Teil des Tegeler Forsts. In Tegelort besteigen Sie dann die einzige Autofähre, die noch in Berlin betrieben wird. Die Fähre pendelt täglich zwischen Tegelort und Hakenfelde im Bezirk Spandau. 160 Meter Havel liegen zwischen den beiden Ufern und nur wenige Minuten dauert die Überfahrt. Natürlich werden nicht nur Autos auf der Fähre mitgenommen, sondern auch Fußgänger, Radfahrer und wenn Sie Glück haben sogar Pferde.

Nicht weit vom Anleger in Hakenfelde befindet sich der Spandauer Forst mit dem Naturschutzgebiet Teufelsbruch und dem Wildgehege. Fahren Sie weiter bis zur Schönwalder Allee und stellen dort ihr Fahrrad ab. Laufen Sie ein paar Meter in den Wald hinein, hinter der Försterei liegt das weitläufige Gehege. Der Forst Spandau zählt zu den größten, schönsten und artenreichsten Wäldern Berlins. Bei einem Spaziergang zum Karpfenteich oder bei einer Rundtour um das größte Wildgehege der Hauptstadt können Sie nun ganz in Ruhe Rot- und Schwarzwild in seiner natürlichen Umgebung beobachten. Wer aufmerksam durch den Forst geht, kann auch noch weitere Waldbewohner wie Dachse, Waschbären und sogar Eisvögel sehen. Halten Sie schon mal Fernglas und eine Kamera bereit. Kleiner Tipp: Im Wildgehege befindet sich ein Café, das Kaffee und Kuchen anbietet.

Seltene Tierarten in den Tiefwerder Wiesen

Wasserbüffel grast am Tegeler Fließ
Tiere am Tegeler Fließ © visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle

Zurück bei den Rädern geht es auf der Schönwalder Allee Richtung Süden in die Spandauer Altstadt. Nach der grünen Idylle folgt nun ein wenig Urbanität - aus der Ferne sehen Sie schon den Turm des imposanten Rathauses. Gleich hinter dem Bahnhof führt die Ruhlebener Straße über die Havel, einen kurzen Augenblick später verlassen Sie die Hauptstraße und fahren weiter nach Pichelswerder.

Die Insel liegt zwischen Pichelssee und Stößensee, etwas nördlich davon befindet sich das Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen. Das natürliche Überschwemmungsgebiet ist von vielen alten Flussarmen der Havel durchzogen, ein Bohlensteg führt einmal quer durch die Feuchtwiesen. Auf fast 70 Hektar bietet das Areal einen einmaligen Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten. So findet sich hier das letzte Berliner Hecht-Laichgebiet und auch Biber sind hier wieder heimisch geworden. Zur alternativen Weidewirtschaft wurden 2011 auf den Tiefwerder Wiesen Wasserbüffel angesiedelt, geduldige Beobachter können den Paarhufern beim Baden und Grasen zusehen.

Landluft schnuppern auf dem Vierfelderhof

Havelradweg Spandau
© visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle

Unsere tierische Reise führt uns weiter Richtung Süden an der Scharfen Lanke und der Marina Lanke vorbei. Halten Sie ruhig an, atmen tief ein und genießen den Blick auf die Havel. Auf dem Havel-Radweg geht es jetzt immer gen Süden, wenn Sie den Windmühlenberg passiert haben, befindet sich unweit der Kleinen Badewiese der Vierfelderhof. Der Kinder- und Familienbauernhof in Gatow wird gemeinnützig betrieben und bietet auf 90 Hektar Platz für Bio-Anbau sowie Außengehege für die Tierhaltung. Ob Wiederkäuer, Wildtiere, Kaninchen, Hühner, Krabbeltiere, Wildpflanzen oder essbare Pflanzen – auf dem Vierfelderhof wird artgerechte Haltung und Versorgung groß geschrieben. Zum Landleben gehören daher neben dem Füttern und der Pflege der Tiere und Pflanzen, auch das Ernten, Ausmisten der Ställe, Zaun und Nisthilfen bauen oder Holz sammeln.

Alle Besucher können auf dem Bauernhof die ländliche Arbeits- und Lebensumwelt hautnah entdecken und ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge verstehen lernen. Neben dem Begreifen von regionalen Wirtschaftskreisläufen stärken Sie auch ihre Verbraucherkompetenz. Nach diesem ökologischen Crashkurs ist jeder Städter für den Großstadtdschungel gewappnet.
Der Vierfelderhof bietet in seinem Hofcafé übrigens allerlei regionale Köstlichkeiten an. Bevor es dann gleich auf die letzte Etappe geht, können Sie sich hier noch mal stärken und ein Mitbringsel im Hofladen erstehen.

Nachtwanderung mit Fledermäusen

Fort Hahneberg in Spandau, ein Fledermausparadies
Fort Hahneberg © ASG

Gleich heißt es: Sprechen unbedingt erlaubt! Das mögen nämlich die flinken Fledertiere, deren Bekanntschaft Sie gleich machen werden, besonders gerne. Zuvor geht es jedoch auf der letzten Teilstrecke unserer Großstadtexpedition querfeldein durch die Rieselfelder Karolinenhöhe auf zum Fort Hahneberg. Bis zum Mauerfall lag der letzte Festungsneubau Deutschlands im Bereich der Grenzübergangsstelle Heerstraße in einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf – Flora und Fauna konnten sich ungehindert ausbreiten. So ist das Fort auch ein wichtiges Quartier für Fledermäuse geworden. Zur Dämmerung werden Führungen angeboten, wo Sie viel Wissenswertes über den Lebensraum, die verschiedenen Gattungen, Jagdgewohnheiten und Ortungssysteme dieser einzigartigen Säugetiere erfahren können. Für die Führung sollten Sie festes Schuhwerk und eine Taschenlampe mitbringen und schon mal vorab ein Ticket online reservieren. Die Führungen sind sehr beliebt und oft früh ausgebucht.

Mit so vielen tierischen Eindrücken vom Tag gestärkt, können Sie sich nun den Hahneberg bis zum Bahnhof Berlin-Staaken hinunterrollen lassen. Die Regionalzüge bringen Sie und Ihr Rad in die Altstadt nach Spandau oder zum Berliner Hauptbahnhof.

Informationen für die Tour:

  • Start: Kinderbauernhof Pinke-Panke, Pankow  
  • Ziel: Fort Hahneberg, Spandau
  • Tourdauer: ein Tag (inkl. Besichtigungen, Pausen; Hinweis: um die erste längere Etappe zu vermeiden, kann die Tour auch mit einem späteren Startpunkt beginnen)
  • Radstrecke: ca 43 km, etwa 2,5 - 3 Stunden Fahrtzeit

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