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Werner von Siemens, Porträt  1847
Werner von Siemens, Porträt 1847 © Siemens AG

Siemens - made in Berlin

Ein Weltkonzern von der Spree

In seiner langen Unternehmensgeschichte hat Siemens viele Stationen in Berlin gehabt – Wir laden Sie ein, sich zu den Anfängen des Weltkonzerns zu begeben.

Siemens – der Name steht für deutsche Wertarbeit, Präzision und Erfindergeist. Heute ist die Firma ein weltumspannender Konzern, eines der größten Unternehmen im Bereich Elektrotechnik – und eine beispiellose Berliner Erfolgsgeschichte. Denn hier an der Spree beginnt alles, mit einem Mann, der viele Ideen und jede Menge Durchhaltevermögen hat: Werner von Siemens.

An verschiedenen Orten in Berlin hat er (Industrie-)Geschichte geschrieben und oft auch die Stadt selbst geprägt. Begeben Sie sich mit uns auf eine Spurensuche.

Werner von Siemens – ein Berliner Erfinder

Als Werner von Siemens 1834 das erste Mal nach Berlin kommt, ist er erst 17 Jahre alt. Den Traum von einem Studium an der Berliner Bauakademie, einem Vorläufer der Technischen Universität Berlin, muss er aus Geldmangel begraben. Stattdessen besucht er die Ingenieur- und Artillerieschule in Berlin, eine Zeit, die er später als „die glücklichsten“ Jahre seines Lebens bezeichnet. Danach bleibt er Berlin bis zum Rest seines Lebens treu.

Der junge Mann hat viele Ideen. Er dient in den 1840er Jahren zwar hauptberuflich in der preußischen Armee, hat aber noch genug Freizeit, um zu tüfteln – an seinen „Erfindungsspekulationen“, wie er sie nennt. Besonders beschäftigt ihn Nachrichtentechnologie. Es gelingt ihm, die Funktion von Telegrafen entscheidend zu verbessern. Anfang Juli 1847 findet ein Test der neuen Technologie auf der oberirdischen Versuchslinie zwischen Berlin und Potsdam statt – das Ergebnis überzeugt buchstäblich auf ganzer Linie. Das ist der Startschuss für die Gründung einer der bis heute größten deutschen Firmen. Doch wie alle Startups sind auch bei Siemens die Anfänge zunächst bescheiden.

Porträt Werner von Siemens und die Gründungswerkstatt in einem Berliner Hinterhof
Werner von Siemens und die Gründungswerkstatt in einem Berliner Hinterhof © Siemens Historical Institute

Kreuzberg – Die Anfänge eines Weltkonzerns

Um sich an den Ort zu begeben, wo alles beginnt, müssen Sie nach Kreuzberg fahren, zum Anhalter Bahnhof. Im Oktober 1847 gründet Werner von Siemens mit dem Feinmechaniker Georg Halske in einem Hinterhof in der Schöneberger Straße die Telegraphen-Bau-Anstalt von Siemens & Halske, Grundstein für den Weltkonzern Siemens.

Das Haus in der Nummer 19, in dessen Hinterhof die Werkstatt lag, gibt es nicht mehr. Heute befindet sich an dieser Stelle der Aufzug zur S-Bahn-Station „Anhalter Bahnhof“.

Dennoch lohnt sich ein Ausflug zu diesem Punkt der Stadt, denn hier spiegelt sich die Erfolgsgeschichte der Firma Siemens: ungefähr 50 Jahre, nachdem Werner Siemens ganz in der Nähe die kleine Werkstatt bezieht, entsteht zwischen 1899 und 1901 ein neues Verwaltungsgebäude am Askanischen Platz 3. In diesem halben Jahrhundert hat sich viel getan, die Bedeutung von Siemens drückt sich in einer prächtigen, neoklassizistischen Hausfassade aus. In dem Gebäude, nach dem Zweiten Weltkrieg in schlichterer Form neu errichtet, befinden sich heute die Redaktionsräume des Tagesspiegels.

Um die Ecke finden Sie in der Schöneberger Straße 3 das ehemalige Siemenshaus von 1914/1915, in dem sich Schauräume, repräsentative Sitzungssäle und Büros für die Direktoren befanden. Seit 2004 ist hier das Mövenpick Hotel Berlin ansässig, doch die historischen Details sind im Inneren des Hauses noch wahrnehmbar – zum Beispiel im Siemens-Saal mit seinen holzvertäfelten Wänden und der edlen Möblierung. Probieren Sie bei einem Besuch vor Ort auch das Restaurant im historischen Innenhof aus.

Doch wie wurde aus dem Hinterhof-Startup für Telegrafenbau eine Firma mit einem repräsentativen Gebäude wie dem Siemenshaus? Die Antwort liegt in einer Entdeckung von Werner Siemens, die sowohl seine Firma als auch seine Wahlheimat Berlin für immer verändern sollte.

Wernerwerk-Hochhaus am Siemensdamm
© wikimedia, Foto:Alexrk2 (CCBY-SA3-0)

Strom von Siemens – Grundlage für Berlins Weg zur Elektropolis

Der Firma Siemens und Halske geht es direkt nach der Gründung gut. Das Telegrafenbau-Geschäft läuft, dazu kommt noch die Produktion von Messinstrumenten. Schon fünf Jahre nach der Gründung zieht das Unternehmen 1852 innerhalb Kreuzbergs um, in die Markgrafenstraße 94. Hier, in einer ehemaligen Kaserne, ist genug Platz für große Werkstatträume. (Leider ist das ursprüngliche Fabrikgebäude heute nicht mehr erhalten.)

Das Jahr 1866 markiert eine wichtige Wende in der Firmenentwicklung von Siemens. Werner Siemens‘ Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips läutet einen Wandel in der gesamten Elektrobranche ein. Denn nun lässt sich elektrischer Strom einfacher und günstiger als bisher produzieren. Elektrisches Licht, Elektromotoren und die erste elektrische Eisenbahn der Welt – Siemens‘ Starkstrom macht es möglich.

1881 fährt in Groß-Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn, auch ein Produkt aus der Markgrafenstraße. Damit bereitet die Firma Siemens den Weg für Berlins Entwicklung hin zu einer modernen Metropole – auch wenn er selbst die Inbetriebnahme der Berliner Hochbahn 1902 nicht mehr erlebt.

Spätestens ab den 1880er Jahren wächst das Geschäft rasant, knapp 900 Menschen arbeiten bei Siemens & Halske. Die Produktion spaltet sich auf und die Kabelfertigung wandert 1884 an das Salzufer nach Charlottenburg, wo die Firma nach und nach ihre Starkstrom-Produktion, z.B. die Herstellung von Dynamomaschinen, konzentriert.

Das Werk in Kreuzberg stellt noch bis 1905 Schwachstrom-Geräte wie Telegrafen, Telefone, Feuermelder und Messgeräte her.

Visualisierung eines Architekturentwurfes für die Siemensstadt 2.0
Entwurf des neuen Quartiers Siemensstadt 2.0 © Siemens AG

Ein eigener Stadtteil am Rande Berlins

Im späten 19. Jahrhundert hält der Erfolg von Siemens & Halske ungebrochen an, Anfang der 1890er arbeiten 3.000 Menschen bei dem Unternehmen. Eine erneute Vergrößerung der Produktionsstätten ist damit unumgänglich. Werner Siemens stirbt 1892, fünf Jahre später erwirbt die Firma unter der Leitung seines Sohnes Georg Wilhelm ein unbebautes Gebiet zwischen Charlottenburg und Spandau, die Nonnenwiesen. Über die nächsten Jahrzehnte entsteht hier ein eigener Stadtteil, die Siemensstadt.

Ein Spaziergang durch Siemensstadt zeigt, wie innovative Ingenieurskunst mit moderner Industrie-Architektur Hand in Hand gehen kann. Die hauseigenen Architekten Karl Janisch und Hans Hertlein bauen hier in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unverwechselbare Monumente im „Siemens-Stil“.

Gehen Sie auf einen Spaziergang durch das Viertel und schauen Sie sich architektonische Highlights wie das Schaltwerk-Hochhaus, das erste Fabrikhochhaus Europas an. In der Nonnendammallee finden Sie das Verwaltungsgebäude und das Dynamowerk, am Wernerwerkdamm das Wernerwerk II.

Anfang arbeiten nur wenige hundert Menschen am neuen Standort im äußersten Westen der Stadt. Doch je erfolgreicher das Unternehmen wird, desto mehr Menschen sind dort beschäftigt. Gegen Ende der 1920er Jahre hat Siemens über 65.000 Mitarbeiter. Grund genug für den Stadtbaurat von Berlin, Martin Wagner, einige der renommiertesten modernen Architekten um Entwürfe für eine neue Wohnsiedlung zu bitten. Größen wie Walter Gropius und Hans Scharoun entwerfen Bauten für die Siemens-Mitarbeiter, das Ergebnis ist die Großsiedlung Siemensstadt, die heute zum UNESCO-Welterbe zählt. 

Kaum eine Berliner Gründung ist so erfolgreich wie Siemens. Die Firma prägt mit ihren Erfindungen das Leben in der Stadt. Sowohl in der Vergangenheit, als sie Telekommunikation, Mobilität, elektrisches Licht und Haushaltsgeräte für immer veränderte, als auch in Zukunft: Siemens möchte seinen traditionsreichen Standort in Spandau bis 2030 zu einem Zukunftscampus umbauen und dort auch Start-Ups unterstützen. So schließt sich der Kreis eines Unternehmens, das in einem Kreuzberger Hinterhof seinen Anfang nahm.

Schloss Biesdorf
Schloss Biesdorf im Sommer © Fachbereich Kultur Marzahn-Hellersdorf, Foto Karin Scheel

Tipps von visitBerlin

Wenn Sie sich für die technischen Erfindungen und die Firmengeschichte von Siemens interessieren, dann statten Sie dem Siemens Archiv in der Nonnendammallee 101 einen Besuch ab. Nach Anmeldung können Sie dort an einer Führung teilnehmen und z.B. Nachbauten des 1847 konstruierten Zeigertelegrafen und der „Elektrischen Victoria“ (des ersten Siemens-Elektroautos aus dem Jahr 1905) ansehen. 

Ebenfalls spannend ist ein Besuch im Marzahner Ortsteil Biesdorf. Hier stand eine 1911 errichtete Luftschiffhalle der Siemens-Schuckertwerke. In Schloss Biesdorf, der ehemaligen Siemens-Villa des Firmengründers Werner von Siemens finden Sie neben wechselnden Ausstellungen auch eine Dauerausstellung zur bewegten Geschichte und einzig­artigen Architektur des Gebäudes, sowie zu dessen Wiederaufbau.

Nach einem Besuch der Ausstellungen im Schloss Biesdorf lohnt sich ein Zwischenstopp im hübschen Café, um hausgebackene Kuchen und Torten sowie frische Kaffee-Spezialitäten genießen und dann weiterzuziehen zum Wuhletalwanderweg, in die Gärten der Welt oder ins alte Angerdorf Marzahn.