Mies van der Rohe Haus
Zeitgenössische Kunst in einer Ikone der Moderne
Zeitgenössische Kunst, Architektur und ein außergewöhnlicher Ort treten im Mies van der Rohe Haus in Berlin-Alt-Hohenschönhausen in einen direkten Dialog. Das 1990 gegründete Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst befindet sich im historischen Haus Lemke, einem Wohnhaus, das Ludwig Mies van der Rohe 1932/33 für Martha und Karl Lemke entwarf.
Heute steht jedoch nicht allein die Architekturgeschichte im Mittelpunkt: Wechselnde Ausstellungen, ortsspezifische Projekte, künstlerische Auftragsarbeiten und Kooperationen beschäftigen sich mit Fragen nach Ort, Kontext und Erfahrung. Wer zeitgenössische Kunst abseits der großen Berliner Museumsstandorte entdecken möchte, findet hier im Berliner Osten, direkt am Obersee, einen ganz besonderen Kulturort.
Was Sie im Mies van der Rohe Haus erwartet
Das eingeschossige, L-förmige Gebäude öffnet sich mit großen Fensterflächen und beeindruckendem Sonneneinfall zur Terrasse und zum Garten. Klinker, Glas, klare Linien und fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum bilden eine zurückhaltende architektonische Umgebung.
Genau in diesem besonderen räumlichen Kontext präsentiert das Mies van der Rohe Haus zeitgenössische Kunst. Künstlerische Positionen begegnen der Architektur, ihrer Geschichte und der Umgebung und eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf den Ort. Dadurch verändert sich auch die Wahrnehmung des Hauses von Besuch zu Besuch.
Dazu finden regelmäßig Veranstaltungen wie Performances und Konzerte sowie Architekturführungen statt. Außerdem lädt der großzügige Garten dazu ein, Zeit zu verbringen. Decken können im Haus ausgeliehen werden.
Warum sich ein Besuch lohnt
Das Mies van der Rohe Haus verbindet zwei unterschiedliche Berlin-Erlebnisse: Sie besuchen ein Ausstellungshaus für Gegenwartskunst und erleben zugleich einen besonderen architekturhistorischen Ort. Neben der später entstandenen Neuen Nationalgalerie (1968) ist das heutige Ausstellungshaus mit der wichtigste Beitrag von Mies van der Rohe zur Berliner Moderne.
Vom Haus Lemke zum Mies van der Rohe Haus
Haus Lemke entsteht zwischen 1932 und 1933 im Auftrag des Fabrikanten-Ehepaars Martha und Karl Lemke. Für ihr geplantes Wohnhaus am Obersee in Weißensee (im heutigen Bezirk Lichtenberg) gewinnen die Auftraggeber einen der bedeutendsten Architekten der Neuen Sachlichkeit: Ludwig Mies van der Rohe.
Das Ehepaar bittet ihn um einen schlichten, kostengünstigen Entwurf. Trotz des knappen Budgets gelingt es dem Architekten, einen zeitlos schönen Bau zu schaffen, der zentrale Merkmale der modernen Bauhaus-Architektur aufgreift. Das Haus gehört zu den letzten in Deutschland realisierten Wohnbauten vor seiner Emigration in die USA.
Nachkriegsschicksal und Wende
1933 bezieht das Ehepaar Lemke das Haus. Insgesamt wohnen Martha und Karl Lemke nur etwa zwölf Jahre dort, 1945 müssen sie es der Roten Armee überlassen.
Es folgt eine Phase der Zweckentfremdung als Garage und Abstelllager. 1962 gelangt das Haus in den Besitz des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, erst als Wohn-, später als Wirtschaftsgebäude. Trotz der Aufnahme in die Denkmalliste 1977 verfällt die Bausubstanz, für eine fachgerechte Instandsetzung fehlen die Mittel.
Nach dem Fall der Berliner Mauer entstanden Initiativen, ehemalige Liegenschaften der Staatssicherheit für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang wird 1990 das "Mies van der Rohe Haus" als Ausstellungshaus in kommunaler Trägerschaft des Bezirks gegründet.
Von 2000 bis 2002 erfolgte eine denkmalgerechte Sanierung. Auf Grundlage historischer Architekturpläne wurde das Gebäude seiner ursprünglichen Form wieder angenähert. Der heutige Zustand ist daher auch Ergebnis dieser Rekonstruktion. Ein Aspekt, der für das Verständnis des Ortes wesentlich ist.
Übrigens: Nicht nur das Haus, auch einen großen Teil der Möbel entwirft Mies van der Rohe für das Ehepaar. Zusammen mit seiner damaligen Lebens- und Arbeitspartnerin, der Designerin Lilly Reich, fertigt der Architekt Schränke, Stühle, Sessel und Betten an – alle jeweils aus einer anderen Holzart. Heute befindet sich das Mobiliar in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums am Kulturforum.
Grand Tour der Moderne
Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 entwickelte der Bauhausverbund eine Grand Tour der Moderne, die Architekturfans durch ganz Deutschland führt. Das Mies van der Rohe Haus ist Bestandteil dieser Themenroute.
Die weiteren Berliner Standorte als Grand Tour der Berliner Moderne:
Grand Tour der Berliner Moderne
Highlights des Mies van der Rohe Hauses
- Zeitgenössische Kunst: Entdecken Sie wechselnde Ausstellungen und künstlerische Positionen in einem außergewöhnlichen räumlichen Kontext.
- Ortsspezifische Projekte: Viele Arbeiten und Ausstellungen setzen sich unmittelbar mit dem Gebäude, seiner Geschichte oder seiner Umgebung auseinander.
- Architektur von Ludwig Mies van der Rohe: Erleben Sie den L-förmigen Bau mit seinen charakteristischen Klinkerflächen, großen Fenstern und fließenden Beziehungen zwischen Innen- und Außenraum.
- Garten und Umgebung: Architektur und Landschaft sind eng miteinander verbunden und prägen die Wahrnehmung des Hauses.
- Führungen und Veranstaltungen: Architekturführungen, Gespräche, Ausstellungseröffnungen, Konzerte und weitere Formate ergänzen das Programm.
Unsere Tipps rund um das Mies van der Rohe Haus
Nach Ihrem Besuch im Mies van der Rohe Haus können Sie einen Spaziergang um den Obersee machen. Oder entdecken Sie Architekturgeschichte im Kiez Alt-Hohenschönhausen: Hier treffen Plattenbauten der 1970er Jahre auf die Eleganz des Villenviertels am Orankesee.
Häuser aus den 1920er Jahren bilden zusätzlich einen markanten Gegensatz zu ehemaligen Mietskasernen. Die beschauliche Gegend hat sich inzwischen zum lebendigen Kiez gewandelt. Den Charme vergangener Tage kann man bei einem Spaziergang vorbei an Gutshäusern und der Taborkirche noch spüren.
Mehr über Berlins Kieze verrät Ihnen unsere Berlin Going Local Karte.
Praktische Infos von visitBerlin
Mit den Tramlinien 27 oder M4 erreichen Sie das Mies van der Rohe Haus (Haltestelle Am Faulen See). Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.
Zwischen Weihnachten und Neujahr ist das Haus geschlossen.


