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Bauabschnitt 2 der Karl-Marx-Allee (1959–1965)
Karl-Marx-Allee – second construction phase (1959–1965) © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Karl-Marx-Allee – zweiter Bauabschnitt

Anschluss an die Moderne

Die Ost-Berliner Stadtplaner erhalten eine Botschaft: Ihre stalinistische Zuckerbäcker-Architektur ist nicht mehr erwünscht.

Zeiten ändern sich: 1954 ist der Diktator Stalin seit einem Jahr tot, Nikita Chruschtschow als neuer sowjetischer Staatschef an der Macht. Das beeinflusst Politik und Stadtarchitektur, auch in der DDR.

Die Stalinallee zwischen Frankfurter Tor und Strausberger Platz ist geprägt durch Wohnpaläste: modern eingerichtete Gebäude mit klassizistischen Fassaden. Doch diese haben ihren Preis. Im Hochhaus an der Weberwiese, Leitbild der Magistrale, sind die Baukosten für jede Wohnung neunmal so hoch wie im Durchschnitt. Zu viel, um millionenfach Wohnraum für die zu schaffen, die im Zweiten Weltkrieg ihr Heim verloren haben. Die Qualität der Häuser ist außerdem oft mangelhaft. Erste Keramikfliesen fallen bereits einige Jahre nach Fertigstellung von der Fassade ab.

Hermann Henselmann, der Chefarchitekt von Ost-Berlin, erhält zunächst keine neuen Anweisungen. Der Architekt hat in der Vergangenheit in der DDR versucht, modern und sachlich-funktional zu bauen. Ohne Erfolg. Damals passt er sich dem herrschenden Stil an, um eine deutsche Ausdrucksform des Sozialistischen Klassizismus zu finden.

Bauabschnitt 2 der Karl-Marx-Allee (1959–1965)
Bauabschnitt 2 der Karl-Marx-Allee © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Anders als im ersten Bauabschnitt, in dem Häuser im aufwendigen Stil des Sozialistischen Klassizismus dominieren, entschied sich die Jury beim zweiten Bauabschnitt für den Entwurf der Stadtplaner Josef Kaiser, Edmund Collein und Werner Dutschke, der eine gemischte Bebauung aus Plattenbauten, Geschäften, Restaurants und kulturellen Einrichtungen vorsah. Hierzu zählen u. a. das Café Moskau, die Mokka-Milch-Eisbar, das Hotel Berolina und das Kino International.

Auf der Höhe der Zeit

Als Reaktion auf Gebäude an der Stalinallee lädt West-Berlin 1957 zur Bauausstellung Interbau im Hansaviertel ein. Internationale Architekten errichten dort Wohnanlagen nach modernen Maßstäben. Die Zuckerbäckerpaläste sind nicht nur zu teuer, sie lassen die DDR auch als rückständig erscheinen. Daher reift dort die Erkenntnis, dass die hauseigene Architektur den Anschluss an die Moderne finden muss.

Henselmann sieht seine Chance gekommen. 1958 veröffentlicht er einen Entwurf für den zweiten Bauabschnitt der Stalinallee zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz, in dem seine sachlich-funktionalen Ideen zum Tragen kommen. Doch er begeht einen strategischen Fehler und fordert eine Kehrtwende in der sozialistischen Architektur, bevor das SED-Politbüro sie verkündet hat. Daraufhin muss er seinen Posten als Chefarchitekt räumen.

Für den zweiten Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee, wie die Stalinallee ab Ende 1961 heißt, sind nach Henselmanns Entlassung andere Architekten verantwortlich, vor allem Josef Kaiser, Werner Dutschke und Edmund Collein. Am 6. Oktober 1959 legen sie den Grundstein für 4.674 Wohnungen. Dieser hat nur symbolische Bedeutung: Es gibt keine Maurer mehr, die Stein auf Stein schichten. In den kommenden sechs Jahren setzen Maschinen industriell vorgefertigte Betonteile in der Großtafelbauweise zu Plattenbauten zusammen.

Nicht nur die Technik ändert sich. Anders als im ersten Bauabschnitt der ehemaligen Stalinallee in Friedrichshain bilden die Gebäude im Stadtteil Mitte keine Blockrandbebauung. Die Scheibenhochhäuser stehen frei, aufgelockert durch zahlreiche Grünflächen.

Ausgelagertes Vergnügen

Wenn Sie die Karl-Marx-Allee entlanggehen, schauen Sie sich den Bereich zwischen den Einmündungen von Berolina- und Schillingstraße genauer an. Hier befindet sich eines der bemerkenswertesten Gebäude dieses Bauabschnitts – das Kino International mit seinem großzügigen Foyer im ersten Stock.

Ihnen werden an dieser Stelle weitere Pavillons mit Glasflächen und schmalen Aluminiumrahmen auffallen. Die Architekten streben damals eine strikte Trennung von Wohn- und Funktionsbauten an. Anders als in den Wohnpalästen haben die Plattenbauten keine Ladengeschäfte. Stattdessen konzentriert sich im Bereich des U-Bahnhofs Schillingstraße ein Kultur- und Versorgungszentrum aus Restaurant, Hotel und Geschäften.

Zu den Anziehungspunkten gehörten das sowjetische Spezialitätenrestaurant Café Moskau und der Jugendtreff Mokka-Milch-Eisbar. Diese Funktionsbauten haben heute neue Nutzungen. Das frühere Hotel Berolina hingegen existiert nicht mehr.

Unsere Tipps rund um die Karl-Marx-Allee auf einer Karte

Entlang der Karl-Marx-Allee bieten Info-Stationen Wissenswertes zu den einzelnen Bauabschnitten. Stadtführungen von art:Berlin, Ansichtssachen, TICKET B führen auf spannende Pfade der Berliner Baugeschichte.

Berlin Tourist Info im Hotel Park Inn
© visitBerlin, Foto: Dirk Mathesius

Berlin Tourist Info im Park Inn am Alexanderplatz

Alexanderplatz 7
(Hotellobby)
Berlin 10178
Deutschland

Der Alexanderplatz ist wohl einer der bekanntesten Plätze in Berlin. Und ganz sicher der größte. Holen Sie sich vor Ihrer Sightseeingtour, der Besichtigung des Fernsehturms oder dem Shoppingtrip die wichtigsten Informationen und Insidertipps direkt in der Berlin Tourist Info.

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Alexanderplatz
© iStock.com, Foto: Robert Herhold

Alexanderplatz

ALEXANDERPLATZ
Alexanderplatz 4
Berlin 10178
Deutschland

Schon immer war der Alexanderplatz einer der lebendigsten Plätze Berlins. Hier finden Sie Geschäfte, Kino und Restaurants. Viele Sehenswürdigkeiten sind in Laufnähe.

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GDR architecture at its best
© visitBerlin, Foto: Dirk Mathesius

Haus des Lehrers und ehemalige Kongresshalle

Haus des Lehrers & bcc Berlin Congress Center
Alexanderstraße 9/11
Berlin 10178
Deutschland

Das „Haus des Lehrers“ und die angrenzende Kongresshalle, heute das bcc, prägen das unmittelbare Umfeld des Alexanderplatzes. Der futuristische Gebäudekomplex entstand zu Beginn der 1960er Jahre nach Plänen von Hermann Henselmann, dem vom Bauhaus beeinflussten DDR-Stararchitekten. Es zeichnet sich durch Funktionalität und Transparenz aus.

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Cinema International in Berlin
© Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Kino International

Kino International
Karl-Marx-Allee 33
Berlin 10178
Deutschland

Der Filmpalast ist eine Augenweide der DDR-Moderne. Heute laufen im großen Kinosaal mit seinem silberfarbenen Vorhang vor der Leinwand anspruchsvolle Unterhaltungsfilme als Erstaufführungen.

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Camp 4

Camp 4
Karl-Marx-Allee 32
Berlin 10178
Deutschland

Neben den üblichen Outdoorartikeln, gibt es eine vielzahl an Rucksäcken und Schuhen. Die erfahrenen Verkäufer, beraten fachmännisch und kompetent. Für Trekkingbegeisterte eine besondere Adresse, nahe dem Alexanderplatz.

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Strausberger Platz in Berlin
© visitberlin, Foto: Wolfgang Scholvien

Stalinallee

Stallinallee (1. Bauabschnitt)
Strausberger Platz 1
Berlin Mitte 10243
Deutschland

Moderne Wohnungen mit historischem Fassadenschmuck – die DDR baut Arbeiterpaläste im stalinistischen Zuckerbäckerstil.

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Computerspielemuseum - eines der ungewöhnlichen Museen in Berlin.
© Hans-Martin Fleischer/CSM

Computerspielemuseum

Computerspielemuseum
Karl-Marx-Allee 93a
Berlin 10243
Deutschland

Computerspiele-Geschichte von den ersten Konsolen bis hin zu modernen 3D-Welten vermittelt Ihnen das Computerspielemuseum im Berliner Stadtteil Friedrichshain.

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The Architekturgalerie Berlin
© visitBerlinn, Foto: Atelier ST

Architektur Galerie Berlin

Architektur Galerie Berlin
Karl-Marx-Allee 96
Berlin 10243
Deutschland

Die Architektur Galerie Berlin wurde 1999 von Ulrich Müller gegründet und hat ihren Standort seit 2006 in der Berliner Karl-Marx-Allee. In der vielfältigen Berliner Ausstellungsszene versteht sie sich als Forum für die Auseinandersetzung mit Architektur jenseits konventioneller Ausstellungspraxis.

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Brunnen am Strausberger Platz
© visitberlin, Foto: Philip Koschel

Galerie WAGNER + PARTNER

Wagner Art Beteiligungs GmbH
Karl-Marx-Allee 87
Berlin 10243
Deutschland

Die Galerie konzentriert sich auf die Förderung jüngerer Künstler um die 30 - sie machen etwa die Hälfte der vertretenen Künstler aus. Im Speziellen ist WAGNER + PARTNER daran interessiert, wie diese jüngere Generation in ihrem jeweiligen …

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Karl-Marx-Allee
© visitBerlin, Foto: Günter Steffen

Rosengarten Karl-Marx-Allee

Rosengarten Karl-Marx-Allee
Karl-Marx-Allee 103
Berlin 10243
Deutschland

Der Rosengarten an der Karl-Marx-Allee liegt nahe der U-Bahn-Station Weberwiese – gegenüber einem der beiden vom Architekten Hans Scharoun 1949/50 gebauten Laubenganghäuser. Der Garten wurde auf einer Freifläche zwischen den 50er-Jahre-Prachtbauten mit großzügigen Wohnungen angelegt, die im Stil eines halb durch sowjetische Baukunst, halb durch einen von Karl Friedrich Schinkel inspirierten Neo-Klassizismus entstanden sind.

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Hochhaus an der Weberwiese
© Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Wolfgang Bittner

Hochhaus an der Weberwiese

Hochhaus an der Weberwiese
Marchlewskistraße 25
Berlin 10243
Deutschland

Modell für die Stalinallee: Mit dem Hochhaus an der Weberwiese kreiert Hermann Henselmann den ersten Wohnpalast im Zuckerbäcker-Stil.

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Praktische Infos von visitBerlin

Die Karl-Marx-Allee erreichen Sie vom Alexanderplatz am besten mit der U-Bahnlinie U5. Vom Alexanderplatz aus könnten Sie auch zu Fuß gehen. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe:  

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