Direkt zum Inhalt
St. Marienkirche wirft Schatten auf den Berliner Fernsehturm
Foto: Marcello Zerletti

Haus der Statistik am Alexanderplatz

Gemeinsam die Stadt entwickeln

46.000 Quadratmeter Platz mitten in Berlin – Im Modellprojekt Haus der Statistik am Alexanderplatz können sich alle einbringen.

Für Berlin-Besuchende zählt der Alexanderplatz in Mitte zum Pflichtprogramm. Die acht Hektar große Fläche bietet einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nur wenige Meter liegen zwischen Fernsehturm, Weltzeituhr und Rotem Rathaus. Was viele nicht wissen: Einer der städtebaulich spannendsten Orte befindet sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum alten Zentrum Ostberlins – das Haus der Statistik in der Otto-Braun-Straße.

Dabei trifft „Haus“ im Singular den großen Gebäudekomplex nur zum Teil. Das Haus der Statistik umfasst vier Gebäude mit neun bis elf Stockwerken und insgesamt 46.000 m² Grundfläche. Ein riesiges Areal mitten in Berlin, nur wenige Gehminuten vom Brunnen der Völkerfreundschaft und dem Neptunbrunnen entfernt.

Umso erstaunlicher also, dass der Gebäudekomplex seit mehr als zehn Jahren leer steht. Seit 2008 ist Stille in dem einstmals lebendigen Gebäude. Doch es passiert etwas im Norden des Alexanderplatzes. Das Haus der Statistik wird zum Modellprojekt für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung.

Das Haus der Statistik vor und nach der Wende

Berlin-Alexanderplatz
Berlin Alexanderplatz von oben (c) visumate

Die Geschichte des Hauses der Statistik reicht zurück in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Unter der Leitung der Architekten Manfred Hörner, Peter Senf und Joachim Härter wird das Gebäude in der damaligen Hans-Beimler-Straße (benannt nach dem kommunistischen Reichstagsabgeordneten) von 1968 bis 1970 erbaut. Neben Gaststätten und Ladengeschäften im Erdgeschoss zieht auch die Namensgeberin in das Gebäude ein: Bis zur deutschen Wiedervereinigung dient es als Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik in der DDR.

Die Statistik bleibt das Thema des Hauses auch nach der Wende. Im wiedervereinigten Berlin beherbergen die Gebäude eine Außenstelle des Statistischen Bundesamts. Sie dienen außerdem als Dienstsitz des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Im Jahr 2008 endet die Nutzung durch die beiden Behörden. Seither stehen die Gebäude mitten im belebten Zentrum Berlins leer.

Vom Leerstand zum Modellprojekt für städtebauliche Entwicklung

Erste Pläne für die Fläche gibt es bereits 2010. Ein Berliner Architekturbüro gewinnt den Wettbewerb zur Neugestaltung des Grundstücks. Das Projekt sieht eine intensive Nutzung des Areals und den Abriss des Hauses der Statistik vor. Zu Baumaßnahmen oder gar zum Abriss soll es aber nie kommen.

Es dauert bis 2015, ehe das Haus der Statistik wieder ins Zentrum des Interesses gerät. Knappheit an Wohnraum und Nutzflächen für Künstlerinnen und Künstler sind der Anlass für eine Kunstaktion am Haus. „Hier entstehen für Berlin Räume für Kunst, Kultur und Soziales“ ist auf dem Transparent zu lesen, das die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser an der Seitenwand des Hauses der Statistik entrollt.

Kurze Zeit nach dieser Aktion gründet sich die Initiative Haus der Statistik. Ihr Ziel ist es, aus dem Haus der Statistik ein Zentrum für Geflüchtete, Soziales, Kunst und kreative Menschen zu machen. Die Ideen stoßen auf Interesse beim damaligen Bürgermeister von Berlin-Mitte.

Impulse aus der Gesellschaft – Modellprojekt und Werkstattverfahren

Springbrunnen auf dem Alexanderplatz
Alexanderplatz visitberlin, Foto: Philip Koschel

Zwar kommt es nicht zur Nutzung des Hauses der Statistik als Unterkunft für geflüchtete Menschen. Die Idee eines Ortes für Verwaltung, Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen bleibt aber bestehen.

Der erste Schritt zur Umsetzung wird 2018 mit der Koop5 gemacht. Die Kooperation besteht aus dem Bezirksamt Berlin-Mitte, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte sowie der Immobilienmanagement-Gesellschaft und der Genossenschaft für Stadtentwicklung ZUsammenKUNFT Berlin. Zusammen mit Künstlerinitiativen erarbeiten sie einen Plan für eine neue Nutzung.

Neues Leben statt Leerstand im Haus der Statistik

Im Haus der Statistik soll ein neues Zentrum für Berlin-Mitte entstehen. Geplant sind Flächen für neues Bezirksrathaus, für neue Wohnungen, ein Ämterzentrum sowie für Kunst und Kultur.

Auch Anwohnerinnen und Öffentlichkeit sind Teil des Planungsprozesses. Regelmäßige Treffen, offene PlanTische und Mitwirkungsmöglichkeiten stellen sicher, dass Impulse aus der Stadtgesellschaft gehört und integriert werden. Interessierte finden seit Herbst 2018 in der WERKSTATT Haus der Statistik Informationen und Mitwirkungsmöglichkeiten bei der gemeinwohlorientierten Entwicklung des Modellprojekts Haus der Statistik.

Mitmachen beim Umbau eines Quartiers

Menschen vor der Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin
Astronomische Uhr auf dem Alexanderplatz in Berlin (c) visumate

Wer sich für Stadtentwicklung interessiert, ist im Haus der Statistik richtig. Leerstehende Gebäude werden im Rahmen eines städtebaulichen Modellprojekts gemeinwohlorientiert und unter Einbeziehung der Stadtgesellschaft entwickelt.

Das Haus der Statistik befindet sich in direkter Nähe zum Berliner Alexanderplatz. Wir erreichen den Verkehrsknotenpunkt mit U-Bahn, S-Bahn, Bus oder Tram. Von hier aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß.

Von außen unscheinbar, verbirgt sich hinter dem Haus der Statistik eines der spannendsten Projekte in Berlin. Wer sich einbringen möchte, findet beim regelmäßig stattfindenden Café Statistik eine erste Anlaufstelle. Themenabende, Quartierslabore und Vernetzungsratschläge bieten die Möglichkeit, tiefergehend einzusteigen und sich beim Umbau des Quartiers einzubringen.

  • Gemeinwohlorientiertes Modellprojekt mitten im Zentrum von Berlin
  • Mitmachen beim Umbau eines Quartiers
  • Neue Räume für Kultur, Wohnen, Verwaltung und das Rathaus Berlin-Mitte

Sehenswertes in der Nähe

Im Anschluss an eine Besichtigung des Areals können wir zwischen zahlreichen weiteren Sehenswürdigkeiten wählen. Der Alexanderplatz ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Erkundung des alten Ost-Berlins. Mit dem idyllischen Nikolaiviertel ist auch das älteste Siedlungsgebiet Berlins in direkter Nähe. Weitere Sehenswürdigkeiten wie die Hackeschen Höfe, der lebendige Rosenthaler Platz oder die Museumsinsel sind von hier aus gut zu erreichen.