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SODA Lecture Series Performativity of Class

Durch eine Zusammenstellung von Lektüren und Reflexionen wird dieser Beitrag spielerisch über die paradoxe Position des ‚Kurators‘ innerhalb der breiteren Strukturen des globalen Kunstkreislaufs und, im weiteren Sinne, der sozialen Gesamtheit spekulieren. Er stützt sich in erster Linie auf die Marxsche Klassentheorie und Literatur über die Beziehung zwischen zeitgenössischer Kunst und Klasse, aber auch auf anekdotische Beobachtungen, um zu fragen:

Uferstudios
Uferstudios Guido Borgers

Sollte ein/eine Kurator:in mit einem/einer prekarisierten Arbeiter:in oder einem/einer Hedgefondsmanager:in verglichen werden? Gab es in der jüngeren Geschichte Versuche, das ‚Kuratorische‘ in Begriffen des Klassenkampfes zu fassen? Was ist der wirkliche ‚Wert‘ des sozialen Kapitals, das Kurator:innen angeblich besitzen? Und vor allem: Bezieht sich das Kuratorische auf eine bestimmte Form von Arbeit oder Klassenposition, oder ist es ein Portmanteau-Konzept, das Klassenpositionen verschleiert, anstatt sie besser lesbar zu machen?

Wie manifestieren sich Klasse und Klassismus im Körper? Wie schlagen sich Erfahrungen von Ausgrenzung, Isolation, Assimilation oder Scham in somatischen Erfahrungen oder körperlichen Haltungen und Gesten nieder? Wie schmecken und riechen "sozialer Aufstieg" und "Zugehörigkeit"? Die Vortragsreihe The Performativity of Class ist eine intersektionale Untersuchung des aktuellen Comebacks des Klassenbegriffs mit einem Fokus auf die Arbeitsbedingungen und -realitäten in den Bereichen Ausbildung und körperbasierte darstellende Künste: Bereiche, in denen soziale Ungleichheiten und Privilegien oft eher reproduziert als abgebaut werden.

Im Dialog mit Expert:innen aus Kunst, Wissenschaft und Bildung untersucht die Reihe, wie Klassenpositionen die Beziehungen zwischen Student:innen und Lehrenden bestimmen. In einem größeren gesellschaftlichen Kontext geht es auch darum, wie sich soziale Privilegien in Wissens- und Körperverständnisse, in Sprecher:innen-Positionen und -strukturen niederschlagen und welche Rolle performative und künstlerische (Gegen-)Strategien dabei spielen.

Die Vortragsreihe wird gemeinsam kuratiert und organisiert von Prof. Dr. Sandra Noeth (MA SODA/HZT Berlin) und Prof. Dan Belasco Rogers (UdK Studium Generale).

(Programm in englischer Sprache)
Zusätzliche Informationen
Besetzung 

Edwin Nasr (geb. 1994) ist ein Schriftsteller* und Kurator* aus Beirut. Nasrs Forschungen befassen sich im Wesentlichen mit der Kunstpraxis und der Fähigkeit der materiellen Kultur, Räume der Vereinnahmung und Extraktion lesbar zu machen. Seit 2018 ist Nasr an der Entwicklung von Programmen, Publikationen und Ausstellungen bei Ashkal Alwan beteiligt und arbeitet derzeit als Kurator* am CCA Berlin - Center for Contemporary Arts. Nasr absolvierte das Kuratorenprogramm von de Appel in den Jahren 2020-2021, gefolgt von einem Forschungsstipendium. Zusammen mit Sarah Rifky kuratierten Nasr ein dreitägiges multidisziplinäres Gipfeltreffen, Towards an Institute of Black Studies, im Quai Branly Museum, Paris; und Alexandria: Past Futures, eine Überblicksausstellung, die zwischen dem Bozar - Center for Fine Arts, Brüssel, und dem MUCEM, Marseille, wandern wird. Mit Hera Chan startete Nasr ein laufendes Podcast- und Forschungsprojekt, NOT A READY-MADE HISTORY, das von SAVVY Contemporary in Berlin in Auftrag gegeben und mit dem Singapore Art Museum und dem Seoul Museum of Art weiterentwickelt wurde. Künftige und aktuelle Essays finden sich in Afterall Journal, n+1, Bidoun, Spike Art Magazine, The White Review und The Funambulist.
Termine
Datum
Uferstudios: Uferstudio 11