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Hella Knabe und ihre Kund*innenschaft

Eine Paketsendung feiner Schneiderarbeit nach Glogau, einige handgeschriebene Zeilen aus Kiel, eine Untergrundpresse in einer Berliner Schneiderstube – das Gespräch im Rahmen von Cruising the Countryside führt euch in ein vergessenes, landesweites Netzwerk von trans Personen (die sich selbst als Travestiten bezeichneten) während des Nationalsozialismus.

Im Zentrum steht die Berliner Schneiderin Hella Knabe, die mit ihrem Versandhandel in der Weimarer Republik ihre Kund:innen in Städten und ländlichen Regionen mit passgenau geschneiderten Lederkorsetts, Unterwäsche, Perücken, Schuhen und anderen spezialisierten Wahren belieferte. In einer Zeit, in der LSBTIQ* Subkultur systematisch zerstört wurde, verschickte sie ihre „Kundenmitteilungen“ weit über Berlin hinaus. Dafür wurde Hella Knabe ab 1937 strafrechtlich verfolgt.

Die erhaltenen Strafakten aus dem Prozess gegen Hella Knabe sind heute eine seltene Sammlung über Verbundenheit und Versorgung innerhalb von Community-Strukturen im Nationalsozialismus. Hella Knabe wurde vorgeworfen, ein landesweites „Transvestiten-Netzwerk“ zu leiten und pornografische Schriften zu verbreiten.

Die in den Strafakten erhaltenen Dankesbriefe ihrer Kund:innen zeigen, dass Community-Strukturen und Vernetzung nicht nur in städtischen Zentren vorhanden waren, sondern weit ins Ländliche reichten. In den Dankesbriefen, die Hella Knabe erhielt, teilten ihre Kund*innen Erfahrungen, Gedanken und Gefühle hinsichtlich ihrer Gender-Präsentation und Geschlechtsidentität.

Im Rahmen der Ausstellung „Cruising the Countryside – Queeres Leben auf dem Land“ sprechen Kai* Brust und Krischan Macioszek über Hella Knabe, ihre Kund*innen, (un)erforschte Lebensrealitäten von trans* Personen im Nationalsozialismus und geschlechtersensible Forschung.

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