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Zu Unrecht wird Rossini auf seine Begabung als Buffa-Komponist beschränkt, zu Unrecht liegen seine Seria-Opern im Schatten des BARBIERE DI SIVIGLIA. Zwischen seiner ersten Oper IL CAMBIALE DI MATRIMONIO [Venedig 1810] und seiner letzten GUILLAUME TELL [Paris 1829] spannt sich das erfolgreiche Œuvre des Komponisten. Es zeigt eine zwanzigjährige vielfältige Entwicklung in unterschiedlichen Formen – von der ›farsa‹ über die Opera buffa, die Opera seria bis hin zur Grand opéra.

Vasilisa Berzhanskaya
Vasilisa Berzhanskaya © Agentur

Verdi rühmte Rossinis geschmeidige Melodiensprache; seine brillante Kantabilität in den Gesangsstimmen und seine charakteristische Orchesterbegleitung stehen für typisch italienische Klangkultur auf der Opernbühne. 1823 markierte Rossini mit SEMIRAMIDE den Höhepunkt des Genres der alten großen italienischen Gesangsoper; die Zukunft sollte mit der Interpretation von Wagner- und Verdi-Partien ganz neue stimmliche Entwicklungen fordern.

Die Opera seria, der im Gegensatz zur Opera buffa als Libretto typischerweise eine Tragödie mit Persönlichkeiten aus Mythologie und Geschichte zugrunde liegt, bietet Figurentypen in festgelegten Situationen auf: der Held, die Heldin, der Bösewicht, die helfenden Figuren entsprechen einer Typisierung auch in Umfang und Anlage der Partien. Im Vordergrund der Bühnenwirkung aber stehen kunstvolle Koloraturen und kulinarische Verzierungen, die die psychologisch-dramaturgische Entwicklung in den Hintergrund treten lassen. Die virtuose, kapriziöse Primadonna war in der Belcanto-Oper das Maß aller Dinge für Komponisten, Theaterdirektoren und Publikum.

Rossini, der sich selbst als der »Letzte unter den Klassikern« sah, wählte für sein Meisterwerk SEMIRAMIDE einen archaischen Stoff, wie für eine »Opera monumentale« geschaffen: Die sagenumwobene babylonische Königin der Assyrer als Titelfigur, verstrickt in komplizierte Machtintrigen und Familienkonflikte. Die Stimme des Blutes ertönt, die des göttlichen Orakels und die der menschlichen Leidenschaften. Die Handlung bietet Königsmord, unbewussten Inzest und versehentliche Muttertötung, um dem Komponisten die Möglichkeiten für theatralische Situationen mit abgründigen Wahnsinnsszenen, reich ornamentierten Liebesschwüren, glutvollen Rachearien und glänzend effektvollen Chorszenen zu bieten. SEMIRAMIDE ist »die letzte Oper der großen Barocktradition, die schönste, die fantasiereichste, möglicherweise die vollkommenste; aber auch – unwiederbringlich – die letzte«, schreibt Rodolfo Celetti in seiner Geschichte des Belcanto.

3 Stunden und 30 Minuten / eine Pause
Zusätzliche Informationen
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Gioacchino Rossini [1792 – 1868]
Melodramma tragico in zwei AktenLibretto: Gaetano Rossi nach Voltaires "Le Tragédie de Sémiramis"Uraufführung: 3. Februar 1823 in Venedig
Teilnehmende Künstler
Yi-Chen Lin (Musikalische Leitung)
Philine Tiezel (Szenische Einrichtung)
Jeremy Bines (Chöre)
Vasilisa Berzhanskaya (Semiramide)
Beth Taylor (Arsace)
Riccardo Fassi (Assur)
Levy Sekgapane (Idreno)
Maria Motolygina (Azema)
Byung Gil Kim (Oroe)
Kieran Carrel (Mitrane)
Patrick Guetti (König Ninos Geist)
Chor der Deutschen Oper Berlin (Chöre)
Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester)
Termine
Datum
Haus der Berliner Festspiele
Datum
Haus der Berliner Festspiele