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Abbild, Spiegel, Fiktion, Illusion – was Realität darstellt, kann zuweilen auch Schauspiel bedeuten. Ob als zeitlose Schwarz-Weiß-Aufnahme oder in bewegter Farbgebung, ob klassisch-dokumentarisch oder zeitgenössisch-experimentell, ob wiedergebend oder interpretierend, ob konstruiert oder inszeniert.


Fotografische Porträtbilder zeigen nie nur ein objektives Bild, sondern können ebenso als innere Projektionsfläche dienen. Das Porträt besitzt deswegen nicht nur eine äußere, sondern vor allem auch eine innere Wahrheit, die sich aus den Vorstellungen des Fotografen und seinen Erkundungen mit der Kamera sowie dem Selbstverständnis der Betrachter:innen ergibt.

Dabei ist vor allem das Künstler:innenporträt eine einzigartige Herausforderung, da sich hier nicht nur die Individualität einer einzelnen Person, sondern auch ihre Kreativität, also die Bedeutung und Unität eines Werkes in der Bildfindung widerspiegeln soll.
In das Wesen und in die Arbeit von Künstler:innen einzutauchen, ist deswegen schon von jeher Versuchung und Inspiration zahlreicher Porträtfotograf*innen gewesen.

Ein dichtes und lebendiges Kaleidoskop ausdifferenzierter Ansichten von Künstler:innenpersönlichkeiten hat auch der Berliner Fotograf Peter Rosemann erschaffen.
Mehr als hundert Protagonist:innen aus allen Kunstrichtungen und aus aller Welt standen ihm seit 1999 während ihrer Ausstellungsprojekte oder im Rahmen von Studienaufenthalten im Berliner Künstlerhaus Bethanien vor der Kamera Modell.

So vielfältig die jeweiligen künstlerischen Aktionsfelder der Dargestellten sind, ob Malerei, Zeichnung, Fotografie, Installation, Performance oder Videokunst, so sehr beeindruckt an Rosemanns Porträtsammlung die Bandbreite seiner fotografischen Techniken und Stile.
Aus dem anfänglich tradierten Porträt in Schwarz-Weiß wird die realistischere, aber zugleich auch experimentellere Farbaufnahme.
Die sogenannte In-Natura-Ansicht weicht dem inszenierten Moment, um sich in das Rollenbild oder in eine Bilderzählung zu verwandeln.
Schließlich wird der Fotograf selbst zum Akteur und tritt mit ins Bild.

Peter Rosemann erschafft gewissermaßen Bilder, in denen er eine eigene Übersetzung dessen formuliert, was er als essenziell empfindet oder was ihn mit den jeweiligen Künstler:innen verbindet. Durch die Kombination der unterschiedlichen Bildmöglichkeiten und Aktionsfelder offenbart sich nicht nur ein schier unerschöpflicher Ideenreichtum, sondern auch ein damit verbundenes enorm ingeniöses Potenzial.

Die Diversität seiner Arbeiten betont nicht nur das künstlerische und kulturelle Spektrum seiner Protagonist:innen, sondern ebenso sein eigenes Bildvermögen.
Dabei wird ihm das Medium Fotografie zur Imagination, was wiederum den Betrachter:innen Spielraum für individuelle Interpretationen bietet.
So verstanden sind Peter Rosemanns fotografische Künstler:innenporträts eine Hommage an die Kreativität und Fantasie eines/einer jeden Einzelnen – ob Künstler:in, Fotograf:in oder Rezipient:in.

(Text: Franziska Schmidt)
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