Horror Event, immersives Theater, Performance und politische Auseinandersetzung
Aus der Auseinandersetzung mit diesen Geistern haben Jos Porath, Melody Pasanideh und Wanja Neite ein Horror-Erlebnis geformt, das über Grenzen geht und seinem Publikum verspricht, jenseits dieser Grenzen mehr über sich selbst und die eigene Angst zu entdecken.
In der Erzählung von NIGHTCRAWLERS wirbt der schmieriger Geschäftsmann Holger damit, Hartgesottenen ein unvergessliches Halloween zu bieten. Zusammen mit seinen Handlangern: „die perfekte Begleitung für die dunkelsten Nächte des Jahres“. Und die Nächte sind wahrlich dunkel. Denn schnell wird klar, dass mit Holger und „seiner Truppe“ etwas nicht stimmt, dass mehr dahintersteckt.
An einer geheimen Location in Neukölln entsteht in einer Installation ein dichter Mikrokosmos, in dem es (nicht) mit rechten Dingen zugeht. Vom 29. bis 31. Oktober setzt Berlins einzige queere Horror Experience auf interaktives Storytelling und tiefe Immersion mit allen Sinnen. Gespielt wird in kleinen Gruppen von bis zu vier Personen und ebenso vielen Performenden; ein High Intensity Durchlauf dauert etwa eine Stunde. Die Erfahrung geht unter die Haut – und kann Spuren hinterlassen: Wer mitspielt, sollte kein Outfit tragen, das unversehrt bleiben muss. Und vor allem sollte man sich das Safeword gut einprägen.
Seit vier Jahren stellt NIGHTCRAWLERS seinem Publikum die Frage: „Do you want to live deliciously?“ Auf der Suche nach einer Antwort löst die Experience die Grenzen zwischen Verstören und Begehren auf. Als postmigrantische und queere Menschen, stellen sich Porath, Pasanideh und Neite diesmal jedoch einer Angst, die es nicht umzudeuten oder neu zu besetzen gilt. Im Umgang mit dem aktuellen Horror der fortschreitenden Faschisierung ist die wohlige Auflösung mit vorgekauter Pointe nicht das Ziel von NIGHTCRAWLERS. Die Show ist kein Nazi-Rollenspiel, in dem das entsprechende Setting als beliebiges Horror-Genre herhalten muss. Vielmehr ist sie der Versuch, dem Schrecken ins Auge zu blicken. Und auch der eigenen Involviertheit als in Deutschland aufgewachsene Menschen, die von diesem Erbe nicht unberührt geblieben sind. Ohne Zynismus, aber mit einer gewissen Boshaftigkeit wird der Blut-und-Boden-Mythos mit dem Klappspaten zerlegt.
Vielleicht liegt jenseits der äußersten Furcht noch etwas anderes. Die Nächte sind dunkel. Das ist ja das Geile daran.
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