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Veranstaltungen in Berlin: Charlotte, Bruno, Knautschke und das Haus des Bäckers
© wikimedia, Foto: Berlin Brewer (Lizenz: CC-BY-SA-4.0)

Charlotte, Bruno, Knautschke und das Haus des Bäckers

Ein 200-Jahre-Architekturspaziergang in Marzahn-Hellersdorf

Gutshaus Mahlsdorf: Beginnen Sie im Gutshaus Mahlsdorf - einem Juwel der Gründerzeit in Berlin-Mahlsdorf. Das 1815 erbaute Gutshaus beherbergt heute eine der schönsten Sammlungen zur Gründerzeit der Jahre zwischen 1870 und 1900 in Berlin.

Adresse

Gründerzeitmuseum im Gutshaus Mahlsdorf

Hultschiner Damm 333 12623  Berlin


Schauen Sie sich in den 14 vollständig eingerichteten Ausstellungsräumen des Hauses um: In einer außergewöhnlichen Geschlossenheit sind sie mit Möbeln, gusseisernen Öfen und Lampen bis hin zu Wäschegarnituren und Monogramm-Stickerei aus der Gründerzeit (1870-1900) ausgestattet. Mit sanftem Ticken und starkem Gong gehen hier die Standuhren und in der Küche steht neben einem originalen Herd der Zeit sogar ein Eisschrank und viele typische  Küchengeräte. Uhren, Musikautomaten, Spieldosen und Phonographen und Grammophone haben es Charlotte, der gelernten Konservatorin, besonders angetan. Ein Spaziergang durch den malerischen Gutspark mit seinen wiederhergestellten historisch geschwungenen Wegen wird Sie begeistern. Und im Souterrain des Hauses erwartet Sie ein ganz anderes Ambiente: Hier finden Sie die letzte komplett erhaltene Berliner Kneipe aus dem Scheunenviertel – Charlotte rettet die "Mulackritze" beim Abriss des Gebäudes 1963 und richtet sie im Keller des Museums wieder im Original ein. Mit dem Gutspark und dem Museum bildet das Gutshaus  in Mahlsdorf - im Berliner Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf - ein höchst sehenswertes Gesamtensemble, in dem Wohn- und Gartenkultur beispielhaft vereint sind.

Streusiedlung Mahlsdorf II

Bruno Taut ist einer der Begründer der baulichen Moderne. Im Berlin der 1920er und 1930er Jahre hat er zahlreiche soziale Wohnungsbauprojekte realisiert - darunter die berühmte Hufeisensiedlung, die auf der UNSESCO-Welterbeliste steht. Aber auch im beschaulichen Mahlsdorf entstanden zwischen 1924 und 1931 zwei Siedlungen, die für die Genossenschaft „Lichtenberger Gartenheim“ errichtet wurden. Sie wurden vor allem für Kriegsversehrte des Ersten Weltkrieges und kinderreiche Familien aus Berlin entworfen und errichtet. Prägend sind die kleinen und dadurch auch kostengünstigen Typenhäuser auf relativ großen Grundstücken. Den größten zusammenhängenden denkmalgeschützten Bereich finden Sie Gebäuden findet sich im Frettchenweg. Die mustergültige Sanierung des Gebäudes im Frettchenweg 29/31 zeigt besonders gut die originale Gestalt, Farbigkeit und Ausstattung der Häuser.

Wernerbad

In nördlicher Richtung weiter spaziert, können Sie einen der berühmten Berliner Hidden Places entdecken - das ehemalige Wernerbad. Früher als die große Schwester am Wannsee eröffnet, ist es im Grunde eines der ältesten Freibäder der Stadt. Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet, planschten hier fast 100 Jahre lang die Badegäste, bis es 2002 schließen musste und seit dem verfällt. Das ehemalige Wernerbad liegt mitten zwischen den Plattenbau- und Einfamilienhaussiedlungen Marzahn-Hellersdorfs. Während das Gelände gerade renaturiert wird, um das ehemalige Schwimmbecken wieder in einen natürlichen See zu verwandeln, wird der Rest des Bades wohl in eine Parkanlage umgewandelt. Was bleibt sind die Werke des Bilderhauers Erwin Kobbert. Er schuf als Maskottchen des Wernerbads eine kleine Pinguingruppe und das berühmte Nilpferd Knautschke, dessen lebendiges Ebenbild die Berliner so liebten, dass die Skulptur sogar unter Denkmalschutz steht.

Haus Dittmar

Nur einen Katzensprung weiter sehen Sie zwischen den Bäumen sich überschneidende Kuben in warmem Rot. Sie charakterisieren die äußere Form des denkmalgeschützten Wohnhauses "Haus Dittmar" in Kaulsdorf. Sein vom "Bauhaus" inspirierter Aufbau lässt es wie eine Skulptur aus vielfarbigen Fehlbrandziegeln erscheinen. Als Peter K. Bachmann und Ute Linz im November 2009 durch die eröffnete Wohnzimmerdecke ihres neu erworbenen Hauses den Nachthimmel sahen, war nicht zu erwarten, dass diese "Skulptur" vom Landesdenkmalamt einmal als "architektonisches Juwel der Moderne" bezeichnet würde. Aus der Sicht der Architekturstile dürfte es dieses Haus ger nicht geben. Es wurde 1932 von Edmund Dittmar für seinen Vater in einer Stilmischung aus Ziegelexpressionismus und Moderne entworfenen und blieb als einziges seiner Gebäude ein Unikum. 2016 ehrte der Berliner Senat das Projekt mit der „Ferdinand-von-Quast-Medaille“, der höchsten Landesauszeichnung für Denkmalpflege.

Hellersdorf - Großsiedlung

Weiter nördlich ändert sich das Gesicht der Umgebung schlagartig. Hinter privaten Häusern und Gärten erheben sich abrupt die Plattenbauten des 1986 gegründeten Stadtbezirks. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde Hellersdorf gebaut und sogar über die damals durch das Viermächteabkommen über Berlin unverrückbaren Stadtgrenzen hinaus erweitert. Als damals zweitgrößtes Bauprojekt Berlins wurde 1997 endlich das Ortsteilzentrum Helle Mitte fertiggestellt. Es bildet das Zentrum von Hellersdorf. Im Rahmen der Berliner Bezirksreform 2001 verlor Hellersdorf seine Eigenständigkeit wieder und der neue Bezirk heißt seitdem Marzahn-Hellersdorf.

Veranstaltungskalender