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Welche Persönlichkeit setzt im aktuellen Weltgeschehen mit ihrem Wirken ein besonderes Zeichen für Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit? Das war die Frage, die uns schließlich zum Werk Katja Petrowskajas führte, einer Kyjiwer Autorin, die seit Ende der 90er Jahre in Berlin lebt.

Deutsches Theater Aussenansicht
Deutsches Theater Aussenansicht Arno Declair

Im Mittelpunkt ihrer literarischen Arbeit steht die Würde des Menschen, ihr Zugang ist ein sehr persönlicher: die in einem eher fragmentarisch geprägten Schreibstil gehaltenen Geschichten in Vielleicht Esther ( 2014) sind einerseits Spurensuche der eigenen Herkunft, andererseits Betrachtungen der wechselhaften Geschichte ihres Landes.

Viel Raum für Assoziationen lassen ihre über mehrere Jahre für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung geschriebenen Kolumnen, die in Auswahl 2022 als Buch erschienen sind: "Das Foto schaut mich an". Eine eigenwillige Verbindung von Bildern und Texten, die unsere Sensibilität für die kulturelle Identität ihres Landes weckt – ein Land, das lange Zeit von uns als europäisches demokratisches Land gar nicht wahrgenommen wurde. Ein work in progress. An den Bildern und Geschichten über einzelne Menschen und Situationen bleiben wir hängen, spüren ihnen nach und erleben sie hautnah, gegenwärtig.

Ohne Katja Petrowskajas vielseitiges Engagement wüssten wir weit weniger über die Ukraine. 2004, während der Orangenen Revolution, initiierte sie die Kyjiwer Gespräche, eine deutsch-ukrainische Plattform, die heute lokale Demokratieprozesse in der Ukraine unterstützt. 2013-2014 war sie eine der wichtigen Stimmen für den Maidan in Kiew. Ihr öffentliches Wort hat in hohem Maß dazu beigetragen, dass die ukrainische Gesellschaft als handelndes Subjekt wahrgenommen wurde. Ihr zuzuhören heißt, zu erkennen, wie wenig wir hier in Deutschland über die Ukraine, ihre Geschichte und Kultur wissen.

Heute ist diese Gesellschaft, ihre Kultur, das ganze Land, dem Vernichtungswillen Putins ausgesetzt. Auf Kundgebungen, in Podiumsdiskussionen, Talkshows, Interviews und Artikeln spricht Katja Petrowskaja über das, was in der Ukraine auf dem Spiel steht, um die Gewöhnung an den Krieg und an seine schrecklichen Bilder zu stoppen. Dabei schärft sie auch unseren Blick auf Russland, auf die freiheitsbewussten friedlichen Menschen dort, von denen viele das Land verlassen mussten.

Katja Petrowskaja betreibt Aufklärung im besten Sinne, in dem sie den Menschen hierzulande, die unzureichend informiert sind, ihr klares, in Erfahrung gründendes Urteil entgegensetzt. Der Kunst als "Tochter der Freiheit" kommt in dieser Epochenwende eine besondere Bedeutung zu.

Katja Petrowskaja ist mit ihrer Entschlossenheit, mit ihrer künstlerischen Kraft eine empfindsame, nachdenkliche und eindringliche Stimme. Wir möchten ihr danken. In seiner Rede zu Schiller 1955 spricht Thomas Mann von "der rettenden Ehrfurcht des Menschen vor sich selbst". Das ist es, was Katja Petrowskaja leitet, wofür sie brennt.

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Zusätzliche Informationen
Die 'Gerhart und Renate Baum-Stiftung' verleiht den Menschenrechtspreis an die Autorin Katja Petrowskaja
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Deutsches Theater Berlin - Kammerspiele