Von Laura Laabs (Text) und Leo Solter (Musik)
Europa: eine geraubte Königstochter. Was ist aus ihr geworden, nach über zweitausend Jahren in Geiselhaft verschiedener Ideologien, Diktatoren und Hoffnungsträger? Wie geht es ihr? Und wo steckt sie überhaupt?
Hallo, Europa, hörst du die Signale? Dort, in einem entlegenen Truckstopp, irgendwo am Rande der Freiheitsautobahn, gleich beim geschlossenen Schlagbaum, blinkt noch matt der Spieleautomat, leiert die letzte Jukebox des alten Kontinents, fällt Brechts Groschen vergeblich in den Plüschtiergreifer. Hier, an der Gogo-Stange, dreht sich Nacht für Nacht eine müde Tänzerin, der Lack ist nicht nur an den Nägeln ab. Doch das Herz trägt sie auf der Zunge und sie singt den Schlaflosen, den Versprengten, den Resten des Abendlandes ihre Lieder – von Unterwerfung und Ermächtigung, von Schwertern und Scheiden, von Prostitution und Revolution.
Wenn der Scheinwerfer angeht, sieht man es: Sie trägt ein blaues Gewand und eine gleißende Krone aus goldenen Sternen. Die Tänzerin braucht den blöden Stier schon lange nicht mehr. Es ist ihre Stimme, die ihr Flügel verleiht und sie über alle Grenzen schweben lässt.
MIT Der Cora Frost und Die Schlangenknaben
REGIE Laura Laabs MUSIKALISCHE LEITUNG Leo Solter DRAMATURGIE Dennis Depta BÜHNE Dominik Kremerskothen KOSTÜM Sophie Peters REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG Cara Freitag, Oskar Winiarski