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Die Installationen der taiwanesischen Künstlerin Chia-Yi Chen (geb. 1992 in Taipeh, Taiwan, lebt und arbeitet ebendort) erscheinen wie Miniaturen urbaner Landschaften.  Umso deutlicher wird dieser Eindruck, wenn man erfährt, dass die Materialien, die die Künstlerin verwendet tatsächlich Nebenprodukte städtischen Lebens sind: Styroporverpackung, Altpapier, Malervlies.


Nur wenigen Objekten sieht man an, dass sie für den Zweck der Betrachtung produziert wurden. Wiederkehrende Motive sind jedoch Löcher und Risse.
Diese fand Chia-Yi Chen auf ihren Spaziergängen durch Berlin, fotografierte und verteilte sie auf ihren Installationen und an der Wand.

Der Anblick solcher Architekturwunden dürfte vielen Berliner*innen alltäglich – fast allgegenwärtig – sein. Baustellen, Sperrmüll, abbröckelnder Putz und klaffende Löcher sind schon fast in die Ikonografie der Stadt eingegangen. Für die Künstlerin sind sie jedoch ein Indikator für die Geschichte und die Dynamik der Stadt, die sich in ihrer Struktur ständig ändert, deren Haut sich dehnt, verhärtet, Risse bildet, blutet und Schorf bildet.

Chia-Yi Chens Arbeiten schenken diesem Phänomen eine fast zärtliche Aufmerksamkeit, ohne die Brutalität sich umwälzender Städte und deren Wunden zu reproduzieren.
Sie stellt ihren Beobachtungen eine kleine Geste gegenüber. Als solche beansprucht ihre Kunst den exemplarischen Charakter: Sie will auf etwas verweisen.

So sind Chia-Yi Chens “Stücke für Städte“ getragen von einem ausgeprägten Bewusstsein für Orte.
Sie fordern keine Veränderung ein, sondern sind Bezeichnungen von bestimmten Stellen, die sie in den naturgewordenen Dunkelzonen der Städte auffand.
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