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Schloss Köpenick
Wasserschloss Köpenick visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle

Deutsche Revolutionszeit (1830er-1870er) und Deutsches Kaiserreich (1871-1918)

Industrielle Revolution

Die zahlreichen Produktionsfeuer sowie die großen Rauchmengen aus den Schornsteinen der sich dort ansiedelnden Eisengießereien und Maschinenbaufabriken brachten Teilen der Oranienburger Vorstadt im 19. Jahrhundert den Namen „Feuerland“ ein. August Borsig baute hier die erste eigenständig in Deutschland entwickelte Lokomotive und in der Schlegelstraße startete Emil Rathenau, Gründer der AEG, mit Edisons Glühbirnen den Siegeszug des elektrischen Lichts in Berlin. Heute weltweit bekannte Unternehmen wie Siemens (1847), Schering (1864) und Schwartzkopff (1852) entstanden und zogen immer mehr Arbeitskräfte vom Land in die Stadt. Berlins Einwohnerzahl inkl. angrenzender Siedlungsgebiete wuchs auf 400.000 Menschen.

Bürgerlich-demokratische Revolution

Mit der Industriellen Revolution verbunden war der Niedergang des Handwerks und das Entstehen eines Industrieproletariats in Berlin. Arbeitsbedingungen, Arbeitslosigkeit, Armut, Missernten und steigende Lebensmittelpreise führten zu wiederholten Aufständen. Schneider- (1830), Feuerwerks- (1835) und Kartoffelrevolution (1847) wurden staatlicherseits rigide bekämpft und mündeten in die Deutsche Revolution von 1848/49. Angesichts der deutschlandweiten bürgerlich-demokratischen und nationalen Einheits- und Unabhängigkeitserhebungen sowie des Berliner Barrikadenaufstands machte König Friedrich Wilhelm IV. im März 1848 zunächst politische Zugeständnisse. Um sie nach dem Zeughaussturm (Juni 1848) im Zuge der Konterrevolution wieder aufzuheben und mit der Auflösung der preußischen Nationalversammlung die alten Machtverhältnisse wieder herzustellen. 1869 zog der Berliner Magistrat in sein neues „Rotes Rathaus“. Zum 150. Jahrestag der Märzrevolution wurden 1998 Gedenktafeln angebracht, die an die Barrikadenkämpfe und deren Opfer (u. a. Ecke Oberwallstraße/Werderstraße, Tauben-/Friedrichstraße, Deutsche Kirche am Gendarmenmarkt) erinnern.

Kaiserliche Reichshauptstadt

Hauptmann von Köpenick am Rathaus Köpenick
Rathaus Köpenick visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle

Nach Eingemeindung der Vorstädte Wedding, Gesundbrunnen und Moabit sowie Anteilen der Feldmarken Charlottenburg, Schöneberg, Tempelhof und Rixdorf lebten zu Beginn der Deutschen Kaiserreichs 1871 fast 1 Million Menschen in Berlin und seinen Vororten. Es entstanden für Berlin typische „Mietskasernen“ wie die Viktoriastadt sowie die repräsentative Gründerzeit-Villenkolonie in Lichterfeld-West. Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 legt Reichskanzler Otto von Bismarck anfänglich einen liberalen Kurs gegenüber linken Gruppierungen wie der Sozialistischen Arbeiterpartei August Bebels und Wilhelm Liebknechts an. Um sie ab 1878 mit dem „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ zu bekämpfen. 1890 ging die SADP als stärkste Partei aus den ersten Reichstagswahlen unter Kaiser Wilhelm III. hervor und Bismarck wurde aus dem Amt entlassen. 1906 nutzte der Schuster Wilhelm Voigt die Uniformhörigkeit im Preußischen Staat aus – er lenkte als Hauptmann verkleidet echte Soldaten in das Köpenicker Rathaus, wo er die Stadtkasse und Aufenthaltspapiere für sich raubte. 1907 öffnet am Wittenbergplatz das KaDeWe (Kaufhaus des Westens) mit gehobenem Sortiment und Luxuswaren sein Geschäft.

Groß-Berlin 1920

1911 wurden mit dem „Zweckverbandsgesetz für Groß-Berlin“ die kreisfreien Städte Berlin, Charlottenburg, Deutsch-Wilmersdorf, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg und Spandau sowie die Landkreise Niederbarnim und Teltow zusammengeschlossen. Der Zweckverband mit rund 3500 Quadratkilometern Fläche und 4,2 Millionen Einwohnern führte nicht zu dem erhofften sozialen Ausgleich zwischen den einzelnen Gemeinden. Erst in der Weimarer Republik konnte Berlin durch das so genannte Groß-Berlin-Gesetz von 1920 zu einem eigenständigen Regierungsbezirk mit provinzähnlichen Funktionen und zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt der Welt werden – durch die Eingemeindung von Berlin-Lichtenberg, Berlin-Schöneberg, Berlin-Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln und Spandau sowie der Stadtgemeinde Cöpenick, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke aus den Kreisen Niederbarnim, Osthavelland und Teltow.

Orte der Geschichte im heutigen Stadtbild Berlins: