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Stolpersteine

Wider das Vergessen

Den Opfern ihren Namen zurückgeben und sie somit dem Vergessen entreißen: Die Stolpersteine in Berlin erinnern an die Opfer der Shoa.

Wenn der Name vergessen ist, ist auch der Mensch vergessen – so heißt es im Talmud. Um das zu verhindern, beginnt der Künstler Gunter Demnig 1996 auf den Fußwegen der Oranienstraße und der Dresdener Straße eine Kunstaktion, die er in Köln zuvor begonnen hat und die bis heute andauert. Demnig passt, damals noch illegal, 51 Stolpersteine ins Straßenpflaster ein. Mit ihnen will er an die Opfer der Shoa erinnern, die in diesen Straßen gewohnt und gelebt haben.

Stolpersteine. Ein Kunstprojekt für Europa.

Inzwischen hat Gunter Demnig mit befreundeten Künstlern unzählige Steine in Deutschland und Europa verlegt. Jeder Stein ist zehn Mal zehn Zentimeter groß und aus glänzendem Messing. Die Aufschriften beginnen mit „Hier wohnte ...“. Es folgen Name und Geburtsjahr des ehemaligen Bewohners, und weiter unten die Orte mit den Namen von Konzentrationslagern wie Auschwitz und Theresienstadt. Ganz unten steht das Todesdatum. Die Künstler stellen die Steine in Handarbeit her, die durch private Spenden finanziert werden. Bewusst wird auf eine Massenproduktion verzichtet.
Was für die Opfer der Shoa beginnt, erinnert heute auch an Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, als „Asoziale“ Verfemte und Verfolgte sowie an Menschen, die Widerstand geleistet haben. Die Steine geben den Opfern ihre Namen zurück. Sie helfen so den Zivilisationsbruch im deutschen Namen auf eine Art sichtbarer zu machen.
Zugleich zeigen die Steine, dass Ausgrenzung, Entrechtlichung, Verfolgung und Verhaftung mitten in der Stadt unter den Augen der Nachbarn stattfanden. Die Kunstaktion widerspricht damit auch gängigen Entschuldigung, man habe nichts von alledem wissen können.

Stolpersteine im Berliner Stadtbild

In Berlin finden Sie die Stolpersteine vor zahlreichen Einfahrten und Hauseingängen. Sie erinnern so an das Schicksal der früheren Hausbewohner. Das Auslöschen ganzer Familien wird Ihnen bewusst werden, wenn Sie vor einem Haus plötzlich sechs, sieben und mehr Steine liegen sehen. Immer wieder werden die Steine Sie dazu zwingen, inne zu halten und sich zu besinnen.
Eine Übersicht der in Berlin verlegten Stolpersteine findet sich auf  der Website der Initiative.

Initiativen in Berlin

Jeder der 12 Bezirke besitzt eine Initiative, welche die Hintergründe und Schicksale recherchiert und sich um die Verlegung neuer Steine sowie die Pflege der Messingplatten kümmert.

Infos für Schulklassen

Die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin bietet Unterstützung für verschiedene pädagogische Projekte für Schüler an und stellt auch Begleitmaterial zur Verfügung.