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Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes
Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes © visitBerlin, Foto: Angela Kröll

Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes

Demonstrant mit der Fahne in der Hand

Modern, dynamisch, kämpferisch – so wünscht sich der Deutsche Metallarbeiterverband sein neues Hauptgebäude.

Der Architekt Erich Mendelsohn entwirft mit dem Haus des Metallarbeiterverbandes 1929/30 ein herausragendes Beispiel des Neuen Bauens. Es dient der Gewerkschaft nicht nur als Hauptsitz, sondern soll ihr sozialpolitisches Engagement symbolisieren. Die geschwungene Frontfassade vor dem langgezogenen Gebäudekomplex und die Fahnenstange mit der Gewerkschaftsflagge über der Hauptfassade – sie hat die Form eines Demonstranten an der Spitze eines Protestzuges.
In den 1920er Jahren ist Mendelsohn ein erfolgreicher Architekt. 40 Angestellte arbeiten für ihn, die Auftraggeber stehen Schlange – Gewerkschaften und Unternehmen. Wie modern das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist, sehen Sie, wenn Sie ein paar Schritte weiter zur Ecke Gitschiner Straße/Lindenstraße gehen. Dort steht das ehemalige Kaiserliche Patentamt, ein Bau im Stil des Kaiserreichs, verziert mit einer historistischen Fassade.

Achtsam in der Waagerechten

Das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist ein Werk der Neuen Sachlichkeit. Ohne Zierrat, ohne historische Anspielungen. Dafür mit einer neuen Bautechnik. Ein Stahlskelett trägt diesen Gebäudekomplex – doch das Haus ist nicht nur sachlich-funktional. Dank der Stahlträger kann Mendelsohn die Fassaden frei gestalten. Und seine Vorliebe für expressives Bauen umsetzen: Zum Beispiel mit der konkav nach innen geschwungenen Hauptfassade.
Mendelsohn füllt sie mit riesigen Fensterbändern, teils ziehen sie sich um Ecken herum. Die Fenster zeichnen horizontale Linien in das Gebäude, und das ist kein Zufall. Die Horizontale ist für Mendelsohn ein Mittel gegen den Stress der Moderne:

„Der Mensch unserer Zeit, aus der Aufgeregtheit seines schnellen Lebens, kann nur in der spannungslosen Horizontalen einen Ausgleich finden.“

Um die Wirkung des Gewerkschaftssitzes zu unterstreichen, verwendet Mendelsohn hochwertige Materialien: Die Außenverkleidung besteht aus dem Kalkstein Travertin, wie beim zur gleichen Zeit erbauten Shell-Haus am Reichpietschufer. Für die Tür- und Fenstereinfassungen nimmt der Architekt Bronze. In den Kopfbau setzt er eine elegant geschwungene Wendeltreppe ein. Das überdurchschnittlich hohe Obergeschoss unterstreicht dessen Bedeutung. Hier befindet sich auch der Sitzungsaal, der durch eine große Glasfront von außen sichtbar wird.

Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes
Treppenhaus (Haus des Metallarbeiterverbandes in Berlin) © visitBerlin, Foto: Angela Kröll

Das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes (auch: IG-Metall-Haus) liegt im Berliner Ortsteil Kreuzberg in der Alten Jakobstraße 149 und ist die Verwaltungsstelle der Gewerkschaft IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Der Grundstein zum heutigen IG-Metall-Haus wurde am 21. Juli 1929 gelegt. Die Architekten waren Erich Mendelsohn und R. W. Reichel, wobei das Gebäude in erster Linie von Mendelsohn geprägt wurde. Fertiggestellt wurde das Gebäude trotz der seinerzeit aufkommenden Weltwirtschaftskrise und einem Streik der Bauarbeiter ein Jahr später im August 1930.

Jähes Ende und ein Neuanfang

1930 weiht die Metallarbeitergewerkschaft ihren neuen Hauptsitz ein. Mit Verspätung, weil die Bauarbeiter wochenlang gegen die Gewerkschaft streikten. In der Weimarer Republik stehen sich kommunistisch gesinnte Arbeiter und SPD-nahe Gewerkschaften als Kontrahenten gegenüber.
Die eigentliche Gefahr kommt jedoch von rechts: Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernehmen, verbieten sie die Gewerkschaften. Drei Jahre nach seiner Eröffnung wird das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes Sitz der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront.
Und der Architekt? Mendelsohn muss 1933 ins Exil gehen. Er arbeitet in England, reist 1934 nach Palästina. 1941 wandert er in die USA aus. Den entgegengesetzten Weg schlägt Ernst Sagebiel ein, Mendelsohns Bauleiter am Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes: Er tritt in die NSDAP ein, baut Kasernen und den Flughafen Tempelhof für die neuen Machthaber.
Im Zweiten Weltkrieg treffen Bomben das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes, das 1945 fast völlig ausbrennt. Von 1948 bis 1952 lässt die IG Metall das Gebäude wiederherstellen. 1989 erfolgt eine umfassende denkmalgerechte Sanierung.
Heute sehen Sie das Gebäude fast wie in seinem Zustand von 1930 vor sich. Es ist noch immer ein Gewerkschaftshaus und Sitz der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen.

Grand Tour der Moderne

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 entwickelte der Bauhausverbund eine Grand Tour der Moderne, die Architekturfans durch ganz Deutschland führt. Das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist Bestandteil dieser Themenroute.

Die weiteren Berliner Standorte als Grand Tour der Berliner Moderne:

Grand Tour der Berliner Moderne

Unsere Tipps rund um das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes

Mit dem Bus haben können Sie weitere Sehenswürdigkeiten der Berliner Moderne in der Umgebung entdecken. Von der Haltestelle Zossener Brücke steigen Sie in die Linie 248 in Richtung Stralauer Platz. In wenigen Minuten erreichen Sie das Jüdische Museum. Nur wenige Schritte davon entfernt befindet sich die Berlinische Galerie, das Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur, und gegenüber in einem Max-Taut-Bau das Tiyatrom Theater, das Stücke auf Deutsch und Türkisch aufführt.

Praktische Infos von visitBerlin

Zum Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes gelangen Sie von der Warschauer Straße oder dem Kurfürstendamm mit der U-Bahn-Linie 1 am U-Bahnhof Hallesches Tor. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.

 

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