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Flughafen Tempelhof
Flughafen Tempelhof © visitBerlin, Foto: Jan Frontzek

Flughafen Tempelhof

Vom Flugfeld zum Freiraum

Der britische Architekt Norman Foster nannte ihn die „Mutter aller Flughäfen“. Bis heute hat Tempelhof nichts von seiner Attraktion eingebüßt.

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Schon früh ist das Tempelhofer Feld ein Ort der Luftfahrt. Der US-amerikanische Flugpionier Orville Wright demonstriert hier 1909 seine Fähigkeiten. Und Zuschauer bestaunen die neuen Zeppelin-Luftschiffe.
Nach dem Ersten Weltkrieg gibt es mehr und mehr Motorflugzeuge. Der Bedarf für einen zentral gelegenen Flughafen steigt. Es entstehen erste Gebäude, die sich schnell als zu klein erweisen. Berlin ist eine aufstrebende Metropole mit einer wachsenden Zahl an Fluggästen.

Modern und monumental

Zwischen 1936 und 1939 plant der Architekt Ernst Sagebiel auf dem Tempelhofer Feld den seinerzeit größten Flughafen Europas. Einen elegant geschwungenen Neubau von über 1,2 Kilometern Länge und mit 9.000 Räumen. Es ist eines der wenigen NS-Bauprojekte, das realisiert wird, wenn auch nicht vollständig, und zeigt die Ambivalenz der Architektur der NS-Zeit zwischen modernen Baumethoden und Monumentalarchitektur.

Das Flughafengebäude besitzt eine übersteigerte Monumentalarchitektur, die mit ihrer Natursteinfassade beindrucken möchte. Das Empfangsgebäude prägt eine Schaufassade mit 21 Eingangstüren, Reliefs und Skulpturen wie dem riesigen Adler aus Aluminium, dessen Kopf heute noch vor dem Gebäude steht. Durch die Türen erreichen die Besucher nicht sofort die Empfangshalle, sondern eine Ehrenhalle, für die ebenfalls eine aufwendige Gestaltung vorgesehen war.
Doch hinter der Fassade mit Muschelkalkplatten und den Fenstereinfassungen aus Jurakalkstein verbirgt sich ein Bau der Moderne. Ernst Sagebiel hat in der Weimarer Republik für den Architekten Erich Mendelsohn gearbeitet. Während Mendelsohn nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen muss, machte Sagebiel mit moderner Bautechnik Karriere.
Tempelhof errichtet Sagebiel als Stahlskelettkonstruktion, die auf der Flugfeldseite auch für die Betrachter eindeutig zu erkennen ist. Trotz seiner Monumentalität ist der Flughafen funktional konzipiert: Der Architekt hat die Abläufe systematisch unterteilt, nach Fluggästen, Gepäck, Fracht und Post. Auf diese Weise gelangen Passagiere schnell vom Abfertigungsbereich zum Flugsteig. Und die 40 Meter lange, trägerlose Stahlüberdachung ist eine technische Meisterleistung.

Hitlers „Weltflughafen“ wird jedoch nicht vollendet. Die Vorbereitungen für den Krieg verhindern seine Fertigstellung. Die Dachtribünen, auf denen Zehntausende Menschen Flugshows beobachten sollen, werden nicht umgesetzt. 13 Treppenhäuser verbleiben bis heute im Rohzustand – der Luftverkehr wird über den alten Flughafen aus den 1920er Jahren abgewickelt. Auf dem neuen Gelände müssen Zwangsarbeiter Rüstungsgüter für die Kriegsmaschine produzieren.
Mehrfach greifen alliierte Flugzeuge Tempelhof an und beschädigen den Airport. Bei Kriegsende besetzt die Rote Armee das Gelände, kurz darauf wird es an die US-Amerikaner übergeben.

Luftbrücke rund um die Uhr

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt sich der Gegensatz zwischen den Supermächten zum Kalten Krieg. Erster Höhepunkt ist die Berlin-Blockade.

Als die USA die Einführung der D-Mark auch in West-Berlin zulassen, reagiert die Sowjetunion am 24. Juni 1948 mit einer Abriegelung der Teilstadt. Zwei Millionen Einwohner und die alliierten Besatzungstruppen sind plötzlich ohne ausreichende Versorgung.

Luftbrücke, 1948
Luftbrücke, 1948 © Landesarchiv Berlin

Die Luftbrücke, 1948

Die USA geben West-Berlin nicht auf. Schon am 26. Juni 1948 landet die erste Maschine mit Hilfsgütern in Tempelhof. Elf Monate lang versorgen die Alliierten West-Berlin über eine Luftbrücke. Rund um die Uhr landet fast alle zwei Minuten eine Transportmaschine mit Lebensmitteln, Medikamenten und Heizmaterial in Tempelhof.
Immer wieder bringen die Piloten Süßigkeiten mit. Der US-amerikanische Flieger Gail Halvorsen soll eine besondere Tradition begründet haben: Er bastelt kleine Fallschirme und knotet die Süßigkeiten daran. Nach der Landung wirft er sie den wartenden Kindern zu. Daher rührt die Bezeichnung Rosinenbomber für die amerikanischen Flugzeuge.
Am 12. Mai 1949 gibt die Sowjetunion die Berlin-Blockade wegen Erfolglosigkeit auf und der Flughafen Tempelhof wird international zum Symbol des freien Westens.

West-Berlins Tor zur Welt

Erst im geteilten Berlin erfüllt der Flughafen Tempelhof seine eigentliche Aufgabe. Als die USA ihn 1951 für den zivilen Luftverkehr freigeben, ist er für einige Jahre Deutschlands größter Flughafen. Kriegsschäden werden beseitigt, Anbauten ergänzt – 1962 ist Tempelhof fertiggestellt.

Das Flugzeug ist die einzige sichere Verbindung zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin. Das verleiht Tempelhof eine besondere Bedeutung. Vor allem aber beschert der Flughafen der Inselstadt internationalen Glamour: In den 1960er Jahren präsentieren sich Filmstars, Sportler und Prominente auf den Gangways. Regisseure wie Billy Wilder nutzen ihn als Filmkulisse („Eins, zwei, drei“).

1970 erhält der Flughafen eine neue Abfertigungshalle und im darauffolgenden Jahr nutzen ihn erstmals sechs Millionen Passagiere.

Nebenrolle und neue Wege

Tempelhofer Feld
Tempelhofer Feld © visitBerlin, Foto: Dagmar Schwelle
Tempelhofer Feld

Doch politische und technische Einschnitte sorgen für ein Ende dieser Ära. Der Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik von 1972 macht es möglich, die DDR über eine Transitstrecke mit dem Auto oder der Bahn zu durchqueren. Außerdem setzen sich Düsenflugzeuge im Luftverkehr durch. Das Tempelhofer Flugfeld ist für ihre Anforderungen zu klein. West-Berlin setzt auf den neuen Flughafen in Tegel, die Fluggesellschaften ziehen um. Bereits 1975 nutzt allein die U.S. Air Force Tempelhof.
Die Luftstreitkräfte der USA bauen 1982 den markanten Radarturm mit seiner geodätischen Kuppel auf vier Stützen. Nach und nach fliegen kleinere zivile Maschinen Tempelhof wieder an, vor allem nach der deutschen Wiedervereinigung. 2008 erfolgt die endgültige Schließung des Flughafens.

Das Flughafengebäude dient heute als Ort für Großveranstaltungen und Messen. Den Plan, das Flugfeld zu bebauen, lehnen die Berliner 2014 in einem Volksentscheid ab. Lieber nutzen sie das Tempelhofer Feld als einen riesigen innerstädtischen Park.

Grand Tour der Moderne

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 entwickelte der Bauhausverbund eine Grand Tour der Moderne, die Architekturfans durch ganz Deutschland führt. Der Flughafen Tempelhof ist Bestandteil dieser Themenroute.

Die weiteren Berliner Standorte als Grand Tour der Berliner Moderne:

Grand Tour der Berliner Moderne

 

Praktische Infos von visitBerlin

Der Flughafen ist mit der U-Bahn-Linie 6 an den Haltestellen Platz der Luftbrücke, Paradestraße oder mit der Ring-Bahn (S-Bahnhof Tempelhof) zu erreichen. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.

Unser Tipp zum Flughafen Tempelhof

Führungen durch das ehemalige Flughafengebäude Tempelhof zeigen die wichtigsten Orte des Flughafens. Erläutert werden Geschichte, Architektur und Zukunft der Anlage.

Weitere Informationen zu den Führungen sowie die Möglichkeit zur Buchung finden Sie über den unter 'Tickets': 

 

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