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Von der Rassenfrage zur Klassenfrage – Der südafrikanische Bergarbeiterstreik 2012

2012 ereigneten sich wilde Streiks in verschiedenen südafrikanischen Bergwerken. Das geschah zur Zeit des schwarzen Präsidenten Zuma. Die Minenarbeiter:innen forderten Lohnerhöhungen und wurden dabei von der AMCU, einer kleineren Gewerkschaft, die sich in Konkurrenz zur regierungsnahen NUM befand, unterstützt.

Volksbühne
Volksbühne © visitBerlin, Foto Max Threlfall

Am 10. August schlossen sich nur 3.000 der 26.000 Bergleute an. In allen vier Minen des britischen Platin-Werkes LONMIN standen die Räder still. Das Management und die Gewerkschaft NUM weigerten sich, die Forderungen der Streikenden entgegenzunehmen.

Am 16. August versammelten sich die Streikenden auf einem nahegelegenen Hügel namens Marikana. Einige waren bewaffnet mit Stöcken, Macheten und Speeren, und möglicherweise einigen wenigen Schusswaffen. Viele Frauen waren dabei. Die Polizei sperrte den Hügel mit Stacheldraht ab und ließ nur einen Ausgang zu. Als die Menge sich singend auf diesen Ausgang zubewegte, eröffnete die Polizei das Feuer. Später nannte man dieses Ereignis das Massaker von Marikana. Wenige Minuten später wurden rund 300 Meter entfernt auf einem anderen Hügel weitere Streikende getötet. Sie wurden offensichtlich aus kurzer Distanz erschossen oder von Polizeifahrzeugen überfahren.

Insgesamt tötete die Polizei 34 Bergarbeiter:innen und verletzte 78. Elf der Getöteten gehörten der NUM an, 17 der AMCU, die übrigen gehörten keiner Gewerkschaft an. Polizist:innen wurden nicht verletzt. Die Streikbewegung weitete sich aus. Anfang September streikten etwa 15.000 Bergarbeiter:innen weiterer Minenunternehmen. LONMIN wiederum stellte ein Ultimatum und forderte auf, sofort wieder an die Arbeit zu gehen. Ob dieser Provokation entstanden nun landesweite Streiks. Ab 14. September beteiligten sich 85 % der etwa 14.000 Goldbergarbeiter:innen am Streik. Die südafrikanische Regierung von Präsident Zuma gab bekannt, dass sie gegen illegale Versammlung und Waffen durchgreifen wolle.

Am 2. Oktober befanden sich rund 75.000 Bergarbeiter:innen der Platin-, Gold- und Kohlebergwerke im Ausstand. Am 3. Oktober weitete sich der Streik auf Eisenerzbergwerke aus. Die South African Municipal Workersʼ Union, die kommunale Angestellte vertritt, kündigte für die Woche bis zum 20. Oktober einen landesweiten Solidaritäts-Streik an. Auch die Vertretung der LKW-Fahrer:innen, die South African Transport and Allied Workersʼ Union (SATAWU/28.000 Mitglieder), trat in den Streik und forderte eine zwölfprozentige Lohnerhöhung. Nach einer weiteren Intensivierung des Streiks, unter anderem mit einer Blockade der Innenstadt von Johannesburg kam es zu ersten Lieferschwierigkeiten bei Tankstellen, Geldautomaten [https://de.wikipedia.org/wiki/Geldautomat] und Heizmaterial.

Die Kapitalseite und die Regierung knickten ein. Diese Streiks haben insgesamt massive Lohnerhöhungen in allen beteiligten Wirtschaftssektoren erzielt. Ferner kam es zu einigen Wechseln in der korrupten Führungsebene der NUM, die zugunsten der AMCU sogar ihren Status als offizielle Gewerkschafts-Vertretung der LONMIN-Werke verlor.

In der nachfolgenden Ermittlungskommission sah sich die Polizei gezwungen, den Einsatz auf dem Hügel Marikana öffentlich zu bedauern. Diesem Eingeständnis gingen harte Polizeiaktionen voraus: Einige Bergarbeiter:innen, die als Zeugen aussagten, gaben an, im Vorfeld der Anhörungen von der Polizei verhaftet und gefoltert bzw. eingeschüchtert worden zu sein. Am 11. Mai 2013 wurde Steven Khululekile, der die AMCU anführte und als wichtiger Zeuge der Bergarbeiter:innen galt, von drei Unbekannten erschossen. Im November 2014 beendete die Kommission die Zeugenanhörungen. Sie kritisierte die Polizei wegen vieler durch sie fabrizierter Beweise und nachträglicher Absprachen. Die Polizeikommandeurin Victoria Phiyega wurde suspendiert.

Die regierungsnahen NUM-Führer wurden nicht behelligt.

Anna Tüne

Colored Moth

Ein grenzüberschreitendes und von Punk-Ethik getriebenes Experiment mit Noise-Rock, Post-Hardcore und Screamo-Elementen.

Riot Spears

Das Angry Pop/Grunge Trio Riot Spears gründete sich Anfang 2019, hat 2020 die formidable Mini-EP I am not an object, not yet a person und in 2021 ihr erstes Album BAD veröffentlicht, das von der hiesigen Musikkritiker:innen Gilde sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Riot Spears teilten mit Skating Polly und Akne Kid Joe die Bühnen der Welt, aber sie spielen auch gern für eine Schachtel Schnapspralinen auf der Geburtstagsparty deiner Oma. In ihren Songs sind sowohl die rohen und energetischen Klänge der 90er Seattle- und Riot Grrrl-Szene hörbar als auch die verletzliche und verträumte Seite melodiöser Popmusik. Misch den Sound von neckischer Ironie und jeder Menge Angst und Wut, dazu frisch gebackene Selbstzweifel und eine Prise Pessimismus und schon stehst du im Moshpit vor der Bühne und schreist mit Sängerin Martha Kamrath um die Wette.

Es lohnt sich allein schon wegen der Lyrics, das Album zu kaufen und das Mitsingen zu üben. Denn dort wird in reichen Metaphern und wahnsinnigen Analogien von unfassbaren Identitäten, Kommunikation mit außerweltlichen Entitäten, Liebe im Park, Wunden und Selbsthass gesungen. Schön und verschlungen fällt es einem nicht platt auf die Füße, sondern tropft langsam und stetig, wie aus einem etwas kaputten Limonadenfass, direkt ins Hirn.

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