Das 5. Performance Art-Festival der Neuen Nationalgalerie
Im Mittelpunkt steht Trisha Browns „Walking on the Wall“ (1971), ein Hauptwerk der US-amerikanischen Judson Dance-Bewegung, das anlässlich des 250. Jahrestags der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten gezeigt wird.
Weitere Performances von Kianí Del Valle, Josh Johnson, Miriam Kongstad und Deva Schubert eröffnen vielfältige Perspektiven auf den zeitgenössischen Performancebegriff.
Traditionell bildet eine historisch wegweisende Performance den Ausgangspunkt des Programms von PERFORM! „Walking on the Wall“ (1971) von Trisha Brown wird in enger Zusammenarbeit mit der Trisha Brown Dance Company weiterentwickelt und an der äußeren Glasfassade der Neuen Nationalgalerie gezeigt. Vom 9. bis 12. September 2026 wird das Werk jeweils einmal täglich um 17 Uhr auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie gezeigt. Am Sonntag, 13. September 2026, ist die Arbeit um 14 und 18.30 Uhr zu sehen.
Mit der Performance „INSTRUCCIONES PARA EXISTIR (INSTRUCTIONS FOR EXISTING)“, die am 9. und 13. September 2026 zu sehen ist, präsentiert die in Berlin lebende Künstlerin Kianí Del Valle mit der KDV Performance Group eine eigens für die Neue Nationalgalerie entwickelte Arbeit. Del Valle verbindet in ihrer Praxis Tanz mit Stunt-Elementen und setzt Körper in ein unmittelbares Verhältnis zur umgebenden Architektur. „INSTRUCCIONES PARA EXISTIR“ reagiert auf den ikonischen Bau von Mies van der Rohe und lässt sich zugleich als zeitgenössische Hommage an die wegweisende Praxis Trisha Browns lesen.
Für berichtende Presse zeigt die Neue Nationalgalerie am Montag, 7. September 2026, um 18 Uhr die Generalprobe von „INSTRUCCIONES PARA EXISTIR“ – Akkreditierung per E-Mail an: presse.nng@smb.spk-berin.de
Am Sonntag, 13. September 2026, ergänzen Performances von Josh Johnson, Miriam Kongstad und Deva Schubert das Festivalprogramm.
Bereits in den vergangen vier Jahren veranstaltete die Neue Nationalgalerie mit großem Erfolg zur Berlin Art Week das Performance Art-Festival PERFORM! Ausgehend von historischen Positionen von Simone Forti (2022), Yoko Ono (2023), Yvonne Rainer (2024) und Joan Jonas (2025) waren jeweils auch zeitgenössische Beiträge von u.a. Göksu Kunak, Miles Greenberg, Enad Marouf, Bendik Giske, Constantin Hartenstein, Billy Bultheel, Isaac Chong Wai und Corey Scott-Gilbert (vAL) zu sehen.
PERFORM! wird kuratiert von Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, mit Lisa Botti, Kuratorin an der Neuen Nationalgalerie und Gregor Quack, Volkswagen Group Curator.
Die American Academy in Berlin ist Partner von PERFORM! 2026.
PROGRAMM
Trisha Brown: Walking on the Wall (1971)
Mi. 9. September 2026, 17 – 17.30 Uhr
Do. 10. September 2026, 17 – 17.30 Uhr
Fr. 11. September 2026, 17 – 17.30 Uhr
Sa. 12. September 2026, 17 – 17.30 Uhr
So. 13. September 2026, 14 – 14.30 Uhr + 18.30 – 19 Uhr
Ort: Terrasse Neue Nationalgalerie
„Walking on the Wall" ist eine der bekanntesten und einflussreichsten Arbeiten der US-amerikanischen Choreografin und Konzeptkünstlerin Trisha Brown. Das Werk wurde 1971 im Whitney Museum of American Art in New York uraufgeführt und gilt als Schlüsselwerk. In dem sie ein Ensemble aus sieben Tänzer*innen mit Hilfe von Seilen und Körpergurten an der Museumswand entlang schreiten ließ, stellte Brown mit einer einfachen aber radikalen Geste scheinbare Naturgesetze der darstellenden Künste in Frage. Während die virtuose Überwindung der vertikalen Schwerkraft im klassischen Ballett oft zum visuellen Höhepunkt wird, änderte Brown mit ihrer Rotation der Gravitationskräfte die Spielregeln – und stellt Fragen nach der Normierung von Bewegungsabläufen und ab welchem Punkt eine Bewegung zum Tanz oder zur Performance wird. In der Neuen Nationalgalerie entfaltet „Walking on the Wall“ neue Bedeutungsebenen im Zusammenspiel mit der Glasfassade von Mies van der Rohe
Trisha Brown (1936–2017) war eine der einflussreichsten Choreographinnen ihrer Zeit. Als Mitbegründerin des Judson Dance Theater trug sie bei zu einer Welle interdisziplinärer Kreativität, die für das New York der 1960er-Jahre prägend wurde. Brown schuf im Laufe ihrer Karriere mehr als 100 Choreographien und sechs Opern. Ihre „Equipment Pieces" – darunter auch „Man Walking Down the Side of a Building“ (1970) – erweiterten den Tanzbegriff radikal um Fragen der Gravitation, des Alltagsraums.
KDV Performance Group / Kianí Del Valle: INSTRUCCIONES PARA EXISTIR (INSTRUCTIONS FOR EXISTING) (2026)
Mi. 9. September 2026, 17.30 – 18 Uhr
So. 13. September 2026, 19 – 19.30 Uhr
Ort: Terrasse Neue Nationalgalerie
Inspiriert von Trisha Browns „Walking on the Wall“ bespielt die KDV Performance Group das Dach der Neuen Nationalgalerie mit der ortsspezifischen Performance „INSTRUCCIONES PARA EXISTIR (INSTRUCTIONS FOR EXISTING)“. Unter der Regie und Choreografie von Kianí Del Valle und mit der Originalmusik von Devonté Hynes wird der architektonische Raum als dynamisches Tableau neu interpretiert, in dem ein avantgardistisches Tanzensemble auf die disziplinierten Formationen einer militärischen Einheit trifft. Ausgangspunkt ist ein fiktionaler Text von Del Valle, der im Jahr 3036 spielt. Er entwirft eine Zukunft, in der Nostalgie und die Erinnerung an unser früheres Selbst vollständig ausgelöscht sind und die Militarisierung den Alltag durchdringt, sodass selbst alltägliche Handlungen nach den Prinzipien militärischer Strukturen organisiert sind. Die Performance untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Kontrolle und Chaos, Organischem und Militärischem, Autorität und Widerstand. Durch diese Gegenüberstellungen wirft sie grundlegende Fragen nach Macht, Überwachung und menschlicher Verbundenheit auf und thematisiert zugleich die dringende Notwendigkeit, Liebe, Verletzlichkeit und kollektive Erinnerung zu bewahren.
Kianí Del Valle ist eine Performancekünstlerin, die in Berlin und Los Angeles lebt. Geboren und aufgewachsen in San Juan, Puerto Rico, entwickelt sie seit mehr als zwei Jahrzehnten eine transdisziplinäre Praxis, in der sie zeitgenössischen Tanz mit Elementen aus bildender Kunst, Film, Installation und Sound sowie Stunt-Akrobatik verbindet. Ihre Arbeiten entstehen aus Ritualen, intuitiver Bewegung und körperlicher Ausdauer und verbinden diese mit Perspektiven des Surrealismus und Mystizismus sowie mit dystopischen Wirklichkeiten. Nach der Entwicklung eines Solo-Repertoires von mehr als 22 Arbeiten gründete Del Valle in Berlin die KDV Performance Group. Arbeiten Del Valles wurden international an zahlreichen renommierten Institutionen gezeigt, darunter das Barbican Centre in London, das Getty Museum in Los Angeles, die Volksbühne Berlin, die Serpentine Gallery in London oder das Museo de Arte Contemporáneo de Puerto Rico. In den vergangenen Jahren waren sowohl Del Valles Soloarbeiten als auch Performances der KDV Performance Group bei zahlreichen internationalen Festivals zu sehen.
„INSTRUCCIONES PARA EXISTIR (INSTRUCTIONS FOR EXISTING)” ist eine Ko-Produktion der Neuen Nationalgalerie und TONO, mit Unterstützung von Nike Sportswear | Nike Air Max Liquid & Studio Fleece.
Josh Johnson: In meinem Garten (2026)
So. 13. September 2026, 14.30 – 16.30 Uhr
Ort: Terrasse Neue Nationalgalerie
Ein Garten lebt nicht von markanten Statements und Zeichen, sondern von Aufmerksamkeit und langfristiger Fürsorge. „In meinem Garten“, die neue Solo-Performance von Josh Johnson spielt mit Formen von Zerstreuung, Verteilung und Fall. Während herkömmliche tänzerische Formen sich auflösen entstehen neue schöpferische Impulse im Fluss der Bewegungen. Johnson entwickelt dieses Werk im Sinne der US-Amerika-nischen Schriftstellerin Toni Morrison, die in historischen Entwicklungen die Gesetzmäßigkeiten natürlicher Lebenskreisläufe entdeckte. Auch was von der Oberfläche verschwindet ist deswegen nicht ganz ausgelöscht, sondern wandert lediglich zurück in einen Boden, aus dem bald wieder neue Formen entstehen können.
Josh Johnson ist Tänzer, Performer und Choreograf aus Los Angeles. Er war Mitglied des Alvin Ailey American Dance Theatre (ab 2009) und der Forsythe Company (2010–2015) sowie Gastmitglied am Schauspielhaus Zürich im Kollektiv Moved by the Motion (Wu Tsang, boychild, Asma Maroof, Fred Moten). Als Mitbegründer des SAD Collective realisierte er Performances, DJ-Sets, Videoarbeiten und Installationen in Europa, den USA und Asien. Johnson kollaborierte mit Künstler*innen wie Anne Imhof, Kandis Williams, Wu Tsang und boychild.
Miriam Kongstad: Hard Play (2025)
So. 13. September 2026, 14.30 – 16.30 Uhr
Ort: Terrasse Neue Nationalgalerie
„Hard Play“ ist eine choreografische Analyse von Kinderspielen. Miriam Kongstad untersucht in ihrem Werk, wie wir von klein auf darauf trainiert werden, (Geschlechts-)Identitäten und soziale Normen zu akzeptieren und wiederzugeben. Das Stück ist als Duett konzipiert und verbindet die körperlichen Bewegungen der Darstellerin mit einer Live-Klanglandschaft der Musikerin Heva Vaupel. Im Mittelpunkt der Choreografie steht ein 1,5 Meter langer Zopf, der am Haar der Darstellerin befestigt ist und sich symbolisch in verschiedene Objekte verwandelt, die üblicherweise mit Kinderspielen assoziiert werden, wie beispielsweise das Haar einer Prinzessin, eine Hundeleine, ein Lasso, ein Springseil und eine Peitsche.
Miriam Kongstad (*1991, Dänemark) ist Choreografin und bildende Künstlerin und lebt und arbeitet in Berlin und Kopenhagen. Sie wurde am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT) als Choreografin ausgebildet und schloss 2020 ein MFA-Studium in Bildender Kunst am Sandberg Institute Amsterdam ab. Ihre Praxis kreist um Körperlichkeit, Identität und gesellschaftliche Normen und materialisiert sich in Bildern, Installationen, Performance, Skulptur und Sound. Arbeiten Kongstads waren u.a. am Centre Pompidou, Paris, in der Bergen Kunsthall und bei der Gwangju Biennale zu sehen.
Deva Schubert: vocal collisions (variations on the mouth) (2026)
So. 13. September 2026, 14.30 – 16.30 Uhr
Ort: Terrasse Neue Nationalgalerie
Der Mund ist ein von Ambivalenz geprägter Ort. Er verunreinigt und verbindet, kommuniziert und stört im gleichen Maße. Er erzeugt Bindung und bricht sie, kann Intimität herstellen und sie wieder zerstören. Er ist ein klaffendes Loch und enthält dennoch eine ganz eigene Welt. In der neuen Performance „vocal collisions (variations on the mouth)“, die an ihre Werkserie „Glitch Choir“ anknüpft, untersucht Deva Schubert die unterschiedlichen Facetten des Mundes durch eine stimmliche Choreografie aus mikrotonalen Klängen. Der Mund wird hier zugleich zum Resonanzraum und zum Instrument. Begleitet von einem Soundtrack von Davide Luciani bilden fünf Darsteller*innen wechselnde stimmliche Konstellationen und changieren dabei zwischen Sanftheit und Konfrontation.
Deva Schubert ist Choreografin und Künstlerin in Berlin. Sie studierte Tanz in Salzburg, Kassel, Kopenhagen und am HZT Berlin sowie Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Werke bewegen sich an der Schnittstelle von Tanz, Installation und digitalen Medien und behandeln Fragen von Intimität, Kollektivität und transdisziplinären Synergien. Als Tänzerin arbeitete sie u.a. für Isabelle Schad, Michael Portnoy und Julie Favreau bei Festivals wie der Venedig Biennale, der documenta 14 oder dem Steirischen Herbst. Ihr Werk „Glitch Choir" wurde 2024 mit dem ImPulsTanz Young Choreographers' Award ausgezeichnet und u.a. im Haus der Kunst München und in den Sophiensælen Berlin gezeigt.
Zusätzliche Informationen
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