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Kuratorin: Michaela Richter

Veranstaltungen in Berlin: Michel Majerus
Michel Majerus, michel majerus, 2000 © Michel Majerus Estate, 2022. Courtesy neugerriemschneider, Berlin, und Matthew Marks Gallery. Foto: Jens Ziehe, Berlin

Das Werk von Michel Majerus (*1967 in Esch-sur-Alzette / Luxemburg, † 2002 in Niederanven / Luxemburg) ist geprägt von gesellschaftlichen Paradigmen, die sich in den 1990er Jahren entfalteten und bis in die heutige Zeit fortwirken: dem Beginn des virtuellen Zeitalters mit der zunehmenden Präsenz von Computer und Internet, der Ausbreitung von Massenmedien, Werbewelt, Pop- und Jugendkultur. 

Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart zog Majerus 1992 nach Berlin und setzte hier im Boom der Wendezeit zu einer internationalen Karriere an. Er schuf großformatige Gemälde, raumgreifende Wandarbeiten und monumentale Installationen – diese sind gekennzeichnet von einer künstlerischen Reflexion des Digital Turn und der überbordenden Bildwelten, deren Präsenz heute die sozialen Netzwerke charakterisiert.

Seine Arbeiten sind Ausdruck der Beschleunigung von Informations- und Konsumtionskreisläufen sowie der damit einhergehenden grenzenlosen Verfügbarkeit von Bildern.
Majerus nutzte diese Einflüsse in einer Weise, die nicht nur eine Auseinandersetzung mit allgemeinen kulturellen Entwicklungen, sondern auch mit den Parametern künstlerischer Praxis und Rezeption selbst impliziert.

Kennzeichnend für Majerus ist ein unhierarchisches und diskursives Bildverständnis, in dem Zitate, Serialität und Zeitlichkeit sowie die Verwischung der Grenzen zwischen Kunstwelt und Alltagsleben eine zentrale Rolle spielen.

Dabei zeigt sich insbesondere sein Bestreben, durch das unerwartete Kombinieren unterschiedlicher Bildsprachen Irritationen zu schaffen, die Mechanismen visueller Repräsentation reflektierbar machen.
Sein Werk ist durch ein unermüdliches Hinschauen, ein Aufsaugen und Weiterverarbeiten massenkultureller Eindrücke geprägt sowie durch die Frage, was angesichts einer zunehmenden Reizüberflutung im Gedächtnis bleibt.

Ein wesentliches Element im Schaffen von Michel Majerus bilden räumliche Eingriffe. Seine auf Kunstrichtungen wie Pop und Minimal Art anspielenden Ensembles lassen die Betrachter*innen Teil einer erlebbaren Versuchsanordnung werden.

Die Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein beleuchtet Majerus’ installatives Werk als ein zentrales Ausdrucksmittel seiner Praxis:
Eine raumgreifende Video-installation, exemplarische Wandarbeiten und Raumgestaltungen sowie erstmals präsentierte plastische Modelle, die Majerus für seine ortsspezifischen Großprojekte konzipierte, die intermediale Spezifität seines Werks, seine medienreflexiven Ansätze sowie seine Methode, Räume für differenzierte ästhetische Erfahrungen zu schaffen.

Mit seiner beständigen Aneignung existierender Bilder stellte Majerus sowohl die kunsthistorische Überhöhung eines künstlerischen Ausdrucks infrage als auch tradierte Vorstellungen davon, was den Wert eines Bildes ausmacht. Durch Übersteigerung, Stilbrüche, Fragmentierungen oder gezielte Gegenüberstellungen fragt er immer wieder nach dem Verhältnis der Bilder zur Realität – nicht zuletzt indem er ihren Rahmen sprengt oder sie direkt in die Lebenswelt des öffentlichen und halböffentlichen Raums einbringt.

In fünf Einzelausstellungen im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.), in den KW Institute for Contemporary Art, im Kunstverein in Hamburg, im Michel Majerus Estate sowie bei neugerriemschneider in Berlin wird Michel Majerus’ Schaffen in seiner Vielschichtigkeit und in einem noch nie da gewesenen Umfang gewürdigt. Parallel zu diesen Ausstellungen in Berlin und Hamburg zeigen deutschlandweit dreizehn Museen Werke von Michel Majerus aus deren Sammlungsbeständen.

Termine
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Neuer Berliner Kunstverein n.b.k.
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