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Am Anfang ist der Körper. Durch Scheinwerfer beleuchtet, bewegt sich Performerin Renata Carvalho kaum bekleidet über die Bühne. Ihr Gesicht sehen wir nicht. Sie setzt ihren Körper unseren Blicken aus, damit wir ihn beurteilen, einschätzen, einordnen.


Schon immer wird dieser Körper beobachtet und untersucht. Widersetzt er sich der Einordnung, darf er bestraft, gedemütigt, entrechtet werden.

Renata Carvalhos Performance »Manifesto Transpofágico« beginnt beim Blick der Zuschauer_innen auf den Körper der Travesti, ein Begriff, der in Brasilien Menschen meint, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeschrieben wurde, die aber für sich eine weibliche Geschlechtsidentität entwickelt haben. Die Selbstbezeichnung verweist auf eine kollektive Geschichte, die Carvalho zum Gegenstand ihrer Performance macht.

Unseren Blicken ausgesetzt, erzählt Carvalho mit dokumentarischem Videomaterial vom systematischen Ausschluss jeglicher Andersartigkeit.
Ein machistisches, patriarchales System, in dem sich Geschlechtsidentitäten danach unterscheiden, wer Gewalt ausübt und wer sie stumm erleiden muss. Den Protestakt gegen diese Struktur, die jede Travesti durch ihr reines Dasein vollführt, ist zugleich ein Kunstwerk: Carvalho erzählt ihre Biographie als Weg einer künstlerischen Selbstgestaltung.
Sie zeigt, wo sie ihren Körper durch Schönheitsoperationen in Hinterzimmern verändert und verformt hat, welchen gesundheitlichen Risiken sie sich aussetzen musste.

Die Performerin tritt selbst in den Zuschauerraum und befragt uns: Können wir beschreiben, wie und warum wir die Menschen um uns herum lesen? Was macht den Unterschied zwischen den Geschlechtern, die wir zuschreiben – kurze oder lange Haare, ein Kleidungsstück, ein Rucksack? Am Schluss der Performance müssen wir uns entscheiden, welchen Blick auf den Körper der Performerin wir wählen und erleben dabei, wie die Fragen des Anfangs von Carvalhos Performance überflüssig werden: Der entblößte Körper wird zu einer Erscheinung, die schlicht Respekt und Fürsorge einfordert.


Regisseur Luiz Fernando Marques und die Performerin und Autorin Renata Carvalho stammen beide aus Santos im Bundesstaat São Paulo. Renata bezeichnet sich selbst als Transpologin, eine Kombination der Begriffe Transgender und Anthropologie, und widmet ihre künstlerische Praxis dem Erfahrungsraum von trans* Körpern und Personen.


100 Minuten


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