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Bötzow Brauerei in Berlin
Bötzow Brauerei am Abend © Foto: Bernd Blumrich

Bötzow Brauerei

Das größte Bauprojekt in Prenzlauer Berg

Am Ende des 19. Jahrhunderts ist Berlin auch eine Stadt des Bieres. Brauer und Bierkutscher prägen das Stadtbild, der Geruch von Bierwürze liegt in der Luft.

In den gelb-roten Klinkerbauten an der Prenzlauer Allee richtet sich die Bötzow Brauerei auf einem 30.000 Quadratmeter großen Areal ein. Nach kurzer Zeit braut Bötzow schon 210.000 Hektoliter Bier im Jahr und die bayerische Konkurrenz fürchtet um ihre Marktanteile im Norden des Deutschen Reiches.

Diese Zeiten sind heute lange vorbei, denn die Bötzow Brauerei muss ihren Betrieb schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg einstellen. Dafür hat das denkmalgeschützte Areal an der Prenzlauer Allee eine vielversprechende Zukunft: Nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield verwandelt sich die alte Bötzow Brauerei in ein neues Stadtquartier für Wohnungen und kreative Unternehmen.

Vor Ort können Sie nicht nur einen ersten Blick auf die Zukunft der Bötzow Brauerei werfen, sondern auch eine Pause im hauseigenen Restaurant „La soupe populaire CANTEEN“ einlegen. Frisch gestärkt warten in unmittelbarer Nähe Shopping- und Kulturangebote in Prenzlauer Berg und am Alexanderplatz.

„Bayerisches“ Bier für Berlin

Julius Bötzow ist der Enkel eines Spirituosenfabrikanten. Seine Zukunft sieht der 25-jährige aber nicht im Schnaps, sondern im Bier. Gemeinsam mit seinem Onkel Franz gründet Julius Bötzow 1864 an der Alten Schönhauser Straße eine kleine Brauerei.

Eigentlich gibt es in Berlin schon genügend Brauereien, die allerdings fast alle obergäriges Bier produzieren. Mit seiner neuen Brauerei geht Bötzow einen anderen Weg: er braut untergäriges Bier.

Ein mutiger Schritt, denn untergäriges Bier ist komplizierter in der Herstellung. Das Brauen erfordert niedrige Temperaturen und damit die Anlage entsprechender Kühlkeller, daher gibt es diese Biere traditionell eher in kühleren Bergregionen wie Bayern. Nicht zufällig heißt untergäriges Bier daher in Berlin oft einfach bayerisches Bier.

Und mit dem „bayerischen“ Bier hat Bötzow die Zeichen der Zeit richtig erkannt. Untergäriges Bier ist länger haltbar und neue Kühltechniken erleichtern seine Herstellung. So kann Bötzow sehr bald mehr produzieren als seine Konkurrenz. Doch damit geht ein anderes Problem einher: Die Kapazitäten seiner kleinen Brauerei reichen nicht mehr aus.

Die größte Privatbrauerei Norddeutschlands   

Julius Bötzow weiß, dass er expandieren muss und er weiß auch wo. Am Windmühlenberg, wie die Gegend um die Prenzlauer Allee im 19. Jahrhundert heißt, besitzt er bereits einen Lagerkeller für sein Bier. Dort gibt es auch ausgezeichnetes Grundwasser. Ideale Bedingungen für eine Brauerei.

1884 ist der Grundstein gelegt und schon ein Jahr später nimmt die neue Bötzow Brauerei ihren Betrieb auf. Entstanden ist ein ausgedehnter Komplex mit zahlreichen Spezialgebäuden

  • Maschinenhaus
  • Sudhaus für die Bierwürze
  • Kesselhaus
  • Gärkeller
  • Werkstattgebäude
 

Die gesamte Technik ist auf dem neuesten Stand. Das Gelände verfügt über moderne Tiefbrunnen und eine eigene Dampfmaschine treibt die Pumpen, Kompressoren und die für das untergärige Bier so wichtigen Eismaschinen an. Selbst elektrisches Licht besitzt die Brauerei, damals noch eine Rarität.

Julius Bötzow will aber nicht nur eine modern-funktionale Brauerei. Seine Fabrik soll auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Die gelb-roten Klinker geben den Fassaden ein individuelles und auffälliges Aussehen. Die zahlreichen Rundbogen sind eine Anleihe aus der Renaissance und der Pavillon des firmeneigenen Gartenlokals entsteht im Stil des Rokoko. Historistische Architektur ist im Kaiserreich en vogue.

Der Hoflieferant und das „Schloss im Norden“

Die neue Bötzow Brauerei ist ein voller Erfolg. Das Bier verkauft sich und die Berliner pilgern in das Gartenlokal, das bis zu 6.000 Gästen Platz bietet. Der einstige Windmühlenberg heißt bald nur noch Bötzowberg. Im Jahr 1886 erhält Julius Bötzow das Recht, den Titel „Hoflieferanten Sr. Majestät des Königs“ zu führen. Ein besonderes Privileg, das vor ihm noch keinem Brauer zuteilwurde.

Zwischen 1890 und 1912 entstehen zahlreiche Neubauten auf dem Brauereigelände

  • Flaschenkellerei
  • Pferdeställe
  • Garagen für die Bierauslieferung mit Automobilen.
 

Der wichtigste Neubau aber ist Julius Bötzows Villa. Er baut sie sich nicht im Grunewald oder einer noblen Wohngegend fern der Industriebezirke, sondern direkt auf seinem Brauereigelände. Der herrschaftliche Sitz erhält einen besonderen Spitznamen: Das „Schloss im Norden“.

Der rasante Niedergang

Julius Bötzow stirbt im Juli 1914, den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebt er nicht mehr. Seine Brauerei wird kurz nach dem Krieg zum Schauplatz der Geschichte. In den ersten Januartagen des Jahres 1919 trifft sich der aus Mitgliedern von KPD und USPD gebildete Revolutionsausschuss im Gartenlokal, darunter auch Karl Liebknecht und Wilhelm Pieck.

Aber auch in politisch ruhigeren Zeiten kann die Bötzow Brauerei nicht mehr an die Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen. Ihre Anlagen sind zwar auf dem technisch neuesten Stand, aber als Familienbetrieb kann Bötzow mit den zu Aktiengesellschaften verwandelten Großbrauereien nicht mithalten.

Im Jahr 1927 wird die Bötzow Brauerei selbst eine AG, erleidet im Zweiten Weltkrieg allerdings schwere Schäden. Der Neo-Rokoko-Pavillon geht ebenso verloren wie das „Schloss im Norden“.

Und auch für das Brauen gibt es an der Prenzlauer Allee keine Zukunft mehr. Es gibt zu viele Brauereien, allein in Ost-Berlin sind es vier. Die DDR beschließt daraufhin, die mittlerweile verstaatlichte Bötzow Brauerei 1949 stillzulegen. Andere ostdeutsche Brauereien übernehmen die vorhandenen Anlagen. Die Gebäude dienen seit Anfang der 1950er Jahre als Lagerhalle für Nahrungsmittel.

Neue Zukunft für die Bötzow Brauerei

Nach der deutschen Einheit ist unklar, wie es mit der Bötzow Brauerei weitergeht. Zuerst zieht hier ein Großhandel für „West-Produkte“ ein, dann soll ein Shopping-Center folgen, dazu kommt es allerdings nie.

Im Jahr 2010 übernimmt das Medizintechnik-Unternehmen Ottobock die Bötzow Brauerei. In einem Future Lab forschen die Mitarbeiter an neuen Konzepten für Prothesen oder Rollstühle.

Derzeit entstehen hier zudem Neubauten für Wohnungen und kreative Start-ups. Die Entwürfe stammen von Star-Architekt Sir David Chipperfield, der unter anderem auch die Sanierung des Neuen Museums oder den Bau der James-Simon-Galerie gestaltete.

Unsere Tipps rund um die Bötzow Brauerei

Da sich die Bötzow Brauerei gerade zu einem neuen Quartier wandelt, finden derzeit keine Führungen durch die Gebäude statt. Ein Besuch auf dem Gelände ist aber ausdrücklich erwünscht und die Gelegenheit zu einer Stärkung erhalten sie bei „La Soupe populaire“.

Weitere Highlights sind nicht weit entfernt. Zu Fuß erreichen Sie etwa den Kollwitzplatz mit seinen zahlreichen Cafés oder Shopping-Optionen an der Schönhauser Allee oder am Alexanderplatz. Und wenn Ihnen nach der Industriearchitektur der Sinn nach Natur steht, laufen Sie einfach ein paar Hundert Meter nach Osten zum Volkspark Friedrichshain.

Praktische Tipps von visitBerlin

Zur Bötzow Brauerei fahren Sie am besten mit den Tram-Linien M1 oder M2 bis zur Haltestelle Prenzlauer Allee/Metzer Straße. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.

Öffnungszeiten (Zusatzinfos)
Derzeit kein Besuch möglich