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Ahrensfelder Terrassen
Balkone der Ahrensfelder Terrassen in Marzahn-Hellersdorf © Jens Rötzsch

Ahrensfelder Terrassen

Mediterranes Flair in Marzahn

Internationale Stadtforscher pilgern heute nach Marzahn, um sich über die nachhaltige Sanierung einer Plattenbausiedlung zu informieren.

In Ahrensfelde, am Ende der S-Bahn-Linie 7, hält die moderne Architektur eine Überraschung bereit. Zwischen Hochhäusern aus dem Großsiedlungsbau der DDR stehen kleinere Gebäude in warmen Farben und mit weitläufigen Dachterrassen: die Ahrensfelder Terrassen. Grünflächen ziehen sich großzügig durch das Wohngebiet – fast fühlt sich der Besucher an die Siedlungen der klassischen Moderne erinnert. Doch die Ahrensfelder Terrassen sind ein preisgekröntes Stadtumbauprojekt des 21. Jahrhunderts.

Proteste gegen den Abriss

1979 entsteht Marzahn als neuer Stadtteil Ost-Berlins im Zuge eines Neubauprojektes der DDR. Die Bauherren legen damals wenig Wert auf Qualität, sondern vor allem auf Schnelligkeit. Innerhalb weniger Jahre werden Zehntausende Wohnungen in Plattenbauweise hochgezogen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung verliert die größte Plattenbausiedlung Deutschlands rasch an Attraktivität. Viele Bewohner ziehen in andere Bezirke. Das kommunale Wohnungsbauunternehmen Degewo verzeichnet um die Jahrtausendwende einen Leerstand von rund 30 Prozent. In Ahrensfelde, im Norden Marzahns, ist die Lage besonders trostlos. Obwohl erst 1987 errichtet, sind die elfgeschossigen Plattenbauten bereits marode. Der Berliner Senat will kein Geld in die Sanierung investieren. Der Abriss scheint die einzige Lösung zu sein.

Alles kommt anders. Mieter, die Wohnungsbaugesellschaft und Bezirksvertreter protestieren gegen den Abriss. Das Stadtplanungsamt richtet daraufhin eine Akteursrunde mit dem Bewohnerbeirat, der Degewo und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein. Und am Ende einigen sich alle Vertreter auf ein ambitioniertes Ziel – das größte Stadtumbauprojekt Berlins: In Ahrensfelde soll es in Zukunft weniger, aber dafür bessere Wohnungen geben.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die kreative Lösung: Die Plattenbauten werden nicht abgerissen, sondern verkleinert. Zwischen 2003 und 2005 verwandeln sich 16 elfgeschossige Hochhäuser in Gebäude mit drei bis sechs Stockwerken. Diese Höhenunterschiede und die Dachterrassen geben den Ahrensfelder Terrassen ihren Namen.
Die Plattenbauweise kommt dem Rückbau entgegen. Die Platten lassen sich leicht voneinander lösen, Kräne transportieren sie ab. „Ein bisschen wie Lego“, bringt es ein Stadtforscherteam auf den Punkt. Darüber hinaus erleichtert die Plattenbauweise mit ihren industriell gefertigten Einzelteilen auch die Neugestaltung der Innenräume. Die alten Bäder lassen sich beispielsweise problemlos entfernen. Sogar die abgetragenen Bauplatten finden Verwendung. Zerkleinert dienen sie etwa als Material beim Straßenbau.

Die neuen Wohnungen erhalten eine hochwertige Ausstattung: moderne und größere Küchen sowie Bäder, Balkone und Mietergärten. Zudem verändert die Degewo die Grundrisse. Um die Bedürfnisse möglichst vieler unterschiedlicher Mietergruppen anzusprechen, entstehen in den Häusern 39 verschiedene Grundrisstypen mit Größen zwischen 48 und 102 Quadratmeter. 5-Zimmer-Wohnungen aus DDR-Zeiten, die sich kaum noch vermieten lassen, werden in kleinere Einheiten umgebaut.
Wärmedämmung und Kunststofffenster sorgen für Energieeffizienz. Zwischen den verkleinerten Gebäuden lassen die Auftraggeber 22 Plattenbauten komplett entfernen. Dadurch entstehen freie Flächen für weiträumige Grünanlagen.

Vorzeigeprojekt, aber kein Serienmodell

In knapp zwei Jahren entstehen im Norden Marzahns aus 1.689 unsanierten Plattenbau-Unterkünften 447 Wohnungen der Ahrensfelder Terrassen. Leerstand gehört schnell der Vergangenheit an. 38 dieser Wohnungen verkauft die Degewo an neue Eigentümer. Experten für den Städtebau kommen nach Marzahn, um den erfolgreichen Umbau vor Ort zu studieren.
Die Ahrensfelder Terrassen sind ein Vorzeigeprojekt für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf und ein Beispiel für gelungene Stadtentwicklung. Ein Modell, das sich auf andere Wohnsiedlungen übertragen lässt, sind sie jedoch nicht. Der Umbau hat insgesamt über 30 Millionen Euro gekostet – zu viel für eine flächendeckende Wiederholung.

Unsere Tipps

Von den Ahrensfelder Terrassen bietet sich ein Tagesausflug mit dem Fahrrad entlang dem Flüsschen Wuhle an. Fahrräder können Sie in der S-Bahn mitnehmen. Auf dem Weg in die Innenstadt liegen die Ahrensfelder Berge, der Kienberg mit Aussichtsturm und die Seilbahn zu den Gärten der Welt. Wenn Sie der Wuhle folgen, kommen Sie zum S-Bahnhof Wuhletal. Von dort ist es nur ein kurzer Weg zu Schloss Biesdorf, der Kommunalen Galerie.

Praktische Infos von visitBerlin

Die Ahrensfelder Terrassen erreichen Sie vom Alexanderplatz mit der S-Bahnlinie S7. Die Fahrzeit dauert rund 30 Minuten. Um die Stadt zu erkunden, empfehlen wir für den öffentlichen Nahverkehr die Berlin Welcome Card.

Eine Bitte in eigener Sache

Die Ahrensfelder Terrassen sind das Zuhause vieler Menschen.
Bitte berücksichtigen Sie dies bei Ihrer Besichtigung. Vielen Dank!