Direkt zum Inhalt

Villa von der Heydt

Unscheinbares Kleinod mit turbulenter Geschichte

Ein idyllisch gelegenes Gebäude der Neorenaissance am Landwehrkanal – das ist die Villa von der Heydt, deren Vergangenheit alles andere als idyllisch war.

Der Erbauer hätte wohl selbst nicht im Traum damit gerechnet, dass in seinem Haus später Haifischflossen vertilgt, illegale Spiele gezockt und Bonbons produziert werden. Die unscheinbare Villa am Reichpietschufer hat Ihnen eine interessante und abwechslungsreiche Vergangenheit zu erzählen.

Die Geschichte der Villa

Eine der letzten erhaltenden Villen des Tiergartens erbaut sich August Freiherr von der Heydt 1860 bis 1862 als privaten Wohnsitz. Das Gebäude im Stil der Neorenaissance ist auch für repräsentative Zwecke ausgelegt. Der bekannte Gartenkünstler Lenné gestaltet hier die Grünflächen. Der spätere Minister Bismarcks von der Heydt lebt bis zu seinem Tod im Jahre 1874 in seiner idyllisch gelegenen Villa.

Von der Heydt’s Sohn Eduard vermietet die Villa an den ersten chinesischen Gesandten des Kaiserreiches. Mit Liu Xihong ziehen die Rauchschwaden von Opium und Tabak in die Villa am Landwehrkanal ein. Er macht aus der Villa einen Gasthof, in dem exotische Speisen und Delikatessen wie getrocknete Ente, Kugelschinken und Haifischflossen serviert werden.

Ab 1890 gelangt das Anwesen wieder in den Besitz der Familie von der Heydt. Der Großneffe Augusts ist Bankier und Kunstsammler Karl. Er veranstaltet rauschende Feste und etabliert das Haus zu einem Salon der Berliner Gesellschaft. Viele Dichter, darunter Rainer Maria Rilke, gehen ein und aus. Nach dem ersten Weltkrieg erwirbt der Allgemeine deutsche Sportverein e.V. die Villa. Der Name trügt, denn dahinter verbirgt sich ein exklusiver Club. Illegale Glücksspiele – Poker und Bakkarat – werden in den Räumlichkeiten gespielt. 1933 beendet eine Razzia die unerlaubten Machenschaften.

Zerstörung und Wiederaufbau

Das Haus wird im Zweiten Weltkrieg durch Bomben bis auf das Kellergeschoss zerstört. In den Nachkriegsjahren zieht hier eine geheime Schwarzbrennerei ein. Später werden hier Pralinen und Bonbons hergestellt. 1966 bekommt die Villa von der Heydt den Denkmalschutz verliehen – nun kann sich das Anwesen von den Strapazen der vergangenen Jahrzehnte erholen. 1971 beginnen die Planungen für den Wiederaufbau der oberen Etagen und die Sanierung des Kellergewölbes. Von 1976 bis 1980 wird die Villa rekonstruiert. Seitdem ist das Anwesen der Amtssitz des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die Villa liegt in der Calandrelli-Anlage, im Schatten hoher, alter Bäume – setzen sie sich am Besten in die Cafeteria des benachbarten Bauhausarchivs und betrachten Sie das Gebäude in Ruhe bei einer Tasse Kaffee.