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Das Gründerzeitmuseum in Marzahn in Berlin
Das Gründerzeitmuseum in Marzahn © visitberlin, Foto: Philip Koschel

Gründerzeit Museum

Zeitreise in die Eleganz des Bürgertums

Mehr als zweihundert Jahre alt ist das Gutshaus in Mahlsdorf bereits! Aber so richtig bekannt wird es in den Jahren nach dem Mauerfall durch eine kleine mutige Person - Charlotte von Mahlsdorf. Die engagierte und kunstsinnige Dame kommt Ende der wilden 20er Jahre in Berlin als Lothar Berfelde zur Welt, aber sie ist schon immer ein Mädchen. Ihre Jugend ist schwer und entbehrungsreich und ihr Vater ein Nazi. Als er sie im Streit mit einer Waffe bedroht, erschlägt Charlotte ihn mit einem Nudelholz. Dass aus dem zarten Mädchen im Körper eines Jungen, das ins Gefängnis kommt und von Nazi-Schergen auf offener Straße fast gelyncht wird, einmal  eine richtige Kämpferin wird, ist da schon zu spüren.

Aus den Ruinen der Metropole sammelt sie mühevoll und emsig die schönen alten Dinge  des einfachen und mittleren Bürgertums, die den Bombenhagel und die Feuersbrunst des Krieges überstanden haben - Möbel, Uhren, Bestecke. Sie rettet so viele historische Alltagsgegenstände vor dem endgültigen Verlust. Zwischen 1946 und 1948 bewahrte sie das verlassene Schloss Friedrichsfelde im Berliner Tierpark vor Vandalismus und Verfall, indem sie dort einzieht, Flüchtlinge aufnimmt und Führungen veranstaltet.

Mittlerweile ist aus ihren Sachen eine richtige Sammlung entstanden, als sie zum Jahreswechsel  1958/59 in das vom Abriss bedrohte Gutshaus Mahlsdorf einzieht. Sie beginnt sofort, das Haus wieder herzustellen und eröffnet 1960 dort ihr Gründerzeitmuseum. 

Es beherbergt heute eine der schönsten Sammlungen zur Gründerzeit -  zwischen 1870 und 1900 - in Berlin. Schauen Sie sich in Ruhe in den 14 vollständig eingerichteten Ausstellungsräumen des Hauses um: In einer außergewöhnlichen Geschlossenheit sind sie mit Möbeln, gusseisernen Öfen und Lampen bis hin zu Wäschegarnituren und Monogramm-Stickerei aus der Gründerzeit (1870-1900) ausgestattet. Mit sanftem Ticken und starkem Gong gehen hier die Standuhren und in der Küche steht neben einem originalen Herd der Zeit sogar ein Eisschrank und viele typische  Küchengeräte. Uhren, Musikautomaten, Spieldosen und Phonographen und Grammophone haben es Charlotte, der gelernten Konservatorin, besonders angetan. Ausladende Kronleuchter und hohe Wandspiegel lassen die Atmosphäre eines lauen Sommerabends im einstigen Gartensaal nachempfinden. Spüren Sie die luftige Eleganz des sogenannten „Guten Zimmers“, das über eine Freitreppe in den Gutspark führt. Ein Spaziergang durch den malerischen Gutspark mit seinen wiederhergestellten historisch geschwungenen Wegen wird Sie begeistern.

Und im Souterrain des Hauses erwartet Sie ein ganz anderes Ambiente: Hier finden Sie die letzte komplett erhaltene Berliner Kneipe aus dem Scheunenviertel – Charlotte rettet die "Mulackritze" beim Abriss des Gebäudes 1963 und richtet sie im Keller des Museums wieder im Original ein. Fühlen Sie sich im Vereinszimmer und der „Hurenstube“ wie zu Pinselheinrich Zilles Zeiten. Bei Charlotte in Mahlsdorf treffen sich zu Zeiten der DDR Menschen aus Film-, Künstler- und Schwulenkreisen (Ost-)Berlins.

Mit dem Gutspark und dem Museum bildet das Gutshaus in Mahlsdorf im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein höchst sehenswertes Gesamtensemble, in dem Wohn- und Gartenkultur beispielhaft vereint sind.

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Öffnungszeiten

Mittwoch 10:00 – 18:00
Sonntag 10:00 – 18:00

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