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Leiko Ikemura ist eine international renommierte Künstlerin, deren Werk sich über die Gattungen Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie bis hin zur Poesie erstreckt. Im Zentrum ihres Schaffens steht die Auseinandersetzung mit der Natur, mit dem Thema Weiblichkeit und dem zyklischen Rhythmus von Leben und Tod.

Sich auf die Augen stützend, 1997, © Leiko Ikemura und VG Bild-Kunst, Foto Sabrina Walz
Sich auf die Augen stützend, 1997, © Leiko Ikemura und VG Bild-Kunst, Foto Sabrina Walz © Leiko Ikemura und VG Bild-Kunst, Foto Sabrina Walz

In ihrer Einzelausstellung im Georg Kolbe Museum präsentiert die seit 1990 in Berlin lebende Künstlerin hybride Wesen im Wandel zwischen Wachstum und Verfall und hinterfragt die Formen des menschlichen Daseins.

Die Ausstellung widmet sich vornehmlich Ikemuras skulpturalem Werk.
Die Schau zeigt über 30 Skulpturen und ausgewählte Gemälde seit den 1990er Jahren, darunter zahlreiche erst jüngst entstandene Arbeiten.
Ihre Werke aus Keramik, Bronze und Glas zeugen von der vielfältigen Auseinandersetzung mit Traditionen der Bildhauerei und ihren Materialitäten.

Farbige Oberflächen und eine Skulpturensprache, die zwischen Form und Formauflösung changiert, sind typische Elemente von Ikemuras Arbeit, die europäische und ostasiatische Kulturen miteinander ins Gespräch bringt.

Der Ausstellungstitel „Witty Witches“ (Englisch für „Listige Hexen“) deutet in subversiver und humorvoller Weise auf die anziehende und zugleich abschreckende Kraft, die den von Ikemura geschaffenen und nun das Museum bevölkernden Wesen innewohnt.
Darin führt sie Landschaft und Mensch in ihren figürlichen Skulpturen zusammen: Figuren, die sich in Bäume verwandeln, personifizierte Tiergestalten und Köpfe, die der Erde entwachsen, zeigen ihr Ideal einer Verschmelzung der Natur. Die hybriden Fantasiewesen befinden sich stets im Stadium des Übergangs.

Den Prozess der Transformation zeigt Ikemura auch in ihrer Erkundung der menschlichen Entwicklung. Melancholisch aussehende Mädchenfiguren, die wie in einen Kokon eingesponnen wirken, befinden sich durch fehlende Körperteile in einer offenen, amorphen Formation.

Einen Abschluss des existenziellen Wandels beschreibt ihr Werk „Memento Mori I“:  Eine liegende Geisterfigur, bekleidet mit offenem Gewand, gewährt den Besucher:nnen einen Einblick in die innere Leere der Körperlichkeit und rückt das Thema der Vergänglichkeit in den Fokus. Begleitet wird die Arbeit von einer poetischen Filmprojektion mit dem Titel „Pink Hair“.

In den letzten Jahren erweiterte die Künstlerin ihr Materialrepertoire um massives Glas, somit erhielt die Möglichkeit der Transparenz Eingang in Ihre Skulpturen. Als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens gruppiert die Künstlerin im Untergeschoss Glasarbeiten (2020-2022) in einem Kreis, die je nach Lichteinfall wie von innen heraus leuchten.
Begleitet von Malereien, die das Thema der farbigen Leuchtkraft ebenfalls aufgreifen, möchte Leiko Ikemura so eine kosmische Atmosphäre erzeugen.

Eine utopische Darstellung von Behütung und Fürsorge zeigt die gebürtige Japanerin Ikemura in ihren berühmten Arbeiten der Usagi, die als Reaktion auf die Atomkatastrophe 2011 in Fukushima entstanden: Drei Hasenfiguren stellen in der Ausstellung alternative Schutzgeister nach shintōistischer Vorstellung dar.
Usagi double-headed Hōshi, der Titel eines Werkes, verbindet das japanische Wort für Hase (Usagi) mit dem Wort für Stern (Hōshi). Die Größe und Körperhaltung verweisen dagegen auf die christliche Ikonografie der Mutter Gottes, die unter ihrem Mantel Schutz bietet.  Die Usagi eröffnen im Werk Ikemuras eine spirituelle Dimension und stellen darüber hinaus eine universelle Symbolfigur des Mitgefühls dar.

Leiko Ikemura erweitert den Ausstellungsraum in den Skulpturengarten des Georg Kolbe Museum. Dort wird die Verbindung ihrer Kunst zur Natur durch die Positionierung von einem Werk mit auffallender Bronzepatinierung zwischen den Skulpturen der Sammlung des Hauses erfahrbar.

Am Eingang des Georg Kolbe Museum empfängt die drei Meter hohe „Hasensäule III“ (2021) die Besucher:innen – ein Werk, das in seiner Zusammenführung von Architekturelement und organischer Form totemgleich den Weg in den Kosmos der Ausstellung und Leiko Ikemuras weist.

  • Kuratorin: Elisabeth Heymer, wissenschaftliche Volontärin am Georg Kolbe Museum
Zusätzliche Informationen
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