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Vor knapp 30 Jahren erlebte die Deutsche Oper Berlin zuletzt eine Premiere von Richard Wagners DIE MEISTERSINGER. Nun kehrt die monumentale Oper zurück an das Wagner-Haus an der Bismarckstraße in einer Neuinszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito, unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles.

Jossi Wieler und Sergio Morabito
Jossi Wieler und Sergio Morabito © Ruth Tromboukis

Bereits in den 1840er Jahren skizzierte Richard Wagner die ersten Ideen für eine heitere Oper, die sich inhaltlich an das Künstlerdrama des 1845 uraufgeführten TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG anschließen sollte: Der künstlerische Wettstreit ist Ausgangspunkt für ein Ideendrama über den Antagonismus von Alt und Neu, Stillstand und Fortschritt, Beharrung und Innovation.

Erst 20 Jahre später jedoch war das Gegenstück zum TANNHÄUSER beendet, und die Partitur der MEISTERSINGER geriet zu einer der vielschichtigsten Kompositionen der Opernliteratur. In der gewaltigen Anlage von viereinhalb Stunden reiner Spieldauer greift Wagner zurück auf polyphone „altmeisterliche“ Techniken, verbindet Lieder und Choräle mit komplexer motivischer Arbeit und kreiert so einen ganz neuen Meistersinger-Ton. Der präsentiert sich schon im Vorspiel in strahlendem C-Dur und endet ebenso mit maximaler Klangpracht auf der finalen Festwiese. Am Schluss steht die Wiederherstellung des Bewährten, die „heile“ reine Welt, die Welt der Kunst und der „Kunstkenner“.

Die Welt der MEISTERSINGER erweist sich als ein geschlossenes System, nicht nur in der von Wagner ironisierten, in ihrer Kunst pedantischen und regelkonformen Zunft der Meistersinger, sondern ebenso in der gesamten Stadtgesellschaft Nürnbergs: Das Neue – in Gestalt des Fremden Walther von Stolzing – kann keine revolutionäre Kraft entfalten, sondern wird in das System aufgenommen. Für ihre Neuinszenierung suchen Jossi Wieler und Sergio Morabito den Fragen nach den Mechanismen einer solchen hermetischen Kunstgesellschaft auf den Grund zu gehen. Kann die Kunst in einem konservativen, dogmatischen Umfeld ihre künstlerische Freiheit behaupten und welches systemsprengende Potential vermag sie dann zu entfalten?

Seit 1994 inszenieren Jossi Wieler und Sergio Morabito gemeinsam Musiktheater. Zahlreiche Auszeichnungen würdigten ihre Arbeiten: Ihre Inszenierung von ARIADNE AUF NAXOS bei den Salzburger Festspielen 2001 wurde zur Aufführung des Jahres gekürt. 2002 und 2012 wurde das Duo zum „Regieteam des Jahres gewählt“, 2006 erhielten sie für DOKTOR FAUST und 2012 für DIE GLÜCKLICHE HAND / SCHICKSAL den Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie „Beste Opernregie“, und ihre Produktion BERENIKE, KÖNIGIN VON ARMENIEN von Nicolo Jommelli wurde 2014 als „Ausgrabung des Jahres“ gefeiert. Die Inszenierungen entstanden in den oft überraschenden, subversiven und surreal-realistische Räumen der Ausstatterin Anna Viebrock, die mit Jossi Wieler und Sergio Morabito eine kongeniale künstlerische Partnerschaft seit 1994 verbindet. An der Deutschen Oper Berlin kam 2019 ihre Stuttgarter Erfolgsinszenierung von Bellinis LA SONNAMBULA als Neueinstudierung zur Premiere.

Die Partie des Hans Sachs übernimmt der dänische Bariton Johan Reuter, einer der profiliertesten Sänger an allen großen Bühnen weltweit. An der Deutschen Oper Berlin war er ebenfalls in zentralen Partien seines Fachs zu erleben, wie Verdis Nabucco, Barak in Strauss’ DIE FRAU OHNE SCHATTEN und der Titelpartie in Bergs WOZZECK. Im Herbst 2020 übernahm er kurzfristig die Partie des Wotan in der Neuproduktion DIE WALKÜRE. Als Walther von Stolzing kehrt Klaus Florian Vogt an die Deutsche Oper Berlin zurück. Seit seinem triumphalen Debüt mit den MEISTERSINGERN 2007 bei den Bayreuther Festspielen, ist er einer der herausragenden und weltweit gefragten Wagner-Tenöre der Gegenwart. Die Schweizer Sopranistin Rachel Harnisch, an der Deutschen Oper Berlin zuletzt in Aribert Reimanns L’INVISIBLE gefeiert, gibt als Eva ihr Rollendebüt. Ebenfalls mit einem Rollendebüt präsentiert sich als Beckmesser der junge Bariton Philipp Jekal, Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin seit 2018.

  • 5 Stunden 30 Minuten / Zwei Pausen

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Zusätzliche Informationen
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Richard Wagner (1813 – 1883)
Oper in drei AufzügenLibretto vom Komponisten

Uraufführung am 21. Juni 1868 am Königlichen Hof- und Nationaltheater München

Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 12. Juni 2022







Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts
Teilnehmende Künstler
Sir Donald Runnicles (Musikalische Leitung)
Jossi Wieler (Inszenierung)
Anna Viebrock (Inszenierung)
Sergio Morabito (Inszenierung)
Torsten Köpf (Ko-Bühnenbildner)
Charlotte Pistorius (Ko-Kostümbildnerin)
Olaf Freese (Licht)
Jeremy Bines (Chöre)
Sebastian Hanusa (Dramaturgie)
Johan Reuter (Hans Sachs)
Albert Pesendorfer (Veit Pogner)
Gideon Poppe (Kunz Vogelgesang)
Simon Pauly (Konrad Nachtigall)
Philipp Jekal (Sixtus Beckmesser)
Thomas Lehman (Fritz Kothner)
Jörg Schörner (Balthasar Zorn)
Clemens Bieber (Ulrich Eißlinger)
Burkhard Ulrich (Augustin Moser)
Stephen Bronk (Hermann Ortel)
Tobias Kehrer (Hans Schwarz)
Byung Gil Kim (Hans Foltz)
Klaus Florian Vogt (Walther von Stolzing)
Ya-Chung Huang (David)
Heidi Stober (Eva, Pogners Tochter)
Annika Schlicht (Magdalena)
N. N. (Ein Nachtwächter)
Agata Kornaga (Lehrbuben)
Constanze Jader (Lehrbuben)
Yehui Jeong (Lehrbuben)
Freya Müller (Lehrbuben)
Natalie Jurk (Lehrbuben)
Michael Kim (Lehrbuben)
Chunho You (Lehrbuben)
Adrian Domarecki (Lehrbuben)
Pablo Helmbold (Lehrbuben)
Kyoungloul Kim (Lehrbuben)
Sotiris Charalampous (Lehrbuben)
Simon Grindberg (Lehrbuben)
Chor der Deutschen Oper Berlin (Chöre)
Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester)
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