Vom ukrainischen Heritage-Repertoire bis zu experimentellen Jam-Sessions zwischen Bandura-Spielerinnen und -Spielern, DJs und World-Music-Künstler:innen aus anderen Ländern führt das Festival den Klang der Bandura-Saiten einem breiteren Berliner Publikum vor — und baut Brücken zur europäischen Community der traditionellen Musik.
Ziel des Festivals ist es, die ukrainische Kultur in die europäische Szene zu integrieren und die Bedeutung der Unterstützung der Ukraine in Kriegszeiten hervorzuheben.
Was ist die Bandura?
Die Bandura ist ein traditionelles ukrainisches Saiteninstrument mit einer Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Über Generationen war sie mehr als nur ein Instrument. Von wandernden Musikern getragen, vermittelte sie Geschichten und Nachrichten durchs Land und überdauerte Repressionen als Symbol ukrainischer Identität. Heute bleibt sie eine lebendige Stimme kultureller Resilienz — von traditionellem Repertoire bis zu zeitgenössischer, experimenteller Musik. Die Bandura gehört zur Kobzar-Lyrnyzja-Tradition, neben Instrumenten wie der Kobza, der Volksbandura und der Lyra.
Headliner
BanduraGirl (Anastasiya Voytyuk, UA) — Bandura-Spielerin, Singer-Songwriterin und Kulturbotschafterin aus Lemberg. 2017 gründete sie einen Hub für informelle Bildung unter Bandura-Spielerinnen und -Spielern und einen Raum für Innovation innerhalb der Tradition — das Lviv Bandur Fest. Heute fördert sie die Volksbandura und schafft Originalkompositionen, die die lebendige Tradition des Instruments in mutiges neues musikalisches Terrain tragen und ukrainische Kultur auf internationalen Bühnen präsentieren.
Julian Kytasty (USA) ist ein Musiker, der die Traditionen des Bandura-Spiels in der amerikanischen Diaspora bewahrt und zugleich völlig neue Spielweisen des Instruments pioneert hat. Julians Familie war gezwungen, während der sowjetischen Besatzung und Verfolgung aus der Ukraine zu fliehen und nahm diese Tradition mit ins Ausland — und
hat sie bis heute lebendig gehalten.
Yaroslav Dzhus (UA) — ein Bandurist und Trendsetter, der zusammen mit Leleka mit dem Song „Ridnym“ die Top beim Eurovision Song Contest 2026 erreichte. Ein echter Game-Changer in der Bandura-Welt, der dem Weltpublikum gezeigt hat: BANDURA IS COOL.
Andriy Seletsky (UA) — Kobzar, Schauspieler und Veteran des ukrainisch-russischen Krieges, der seine gelebte FrontErfahrung unmittelbar in seine Kunst überführt und eine jahrhundertealte Kobzar-Tradition in Echtzeit zum Leben erweckt.
Margareta Storonianska (UA-DE) — eine performende Wissenschaftlerin, die einen unerwarteten Dialog zwischen Bandura und barocker Lautenmusik aufgedeckt hat und die Verbindungen zwischen westeuropäischem Repertoire und ukrainischer Tradition nachzeichnet.
Diana Buynovska (UA) — eine zeitgenössische Bandura-Spielerin und Doktorandin an der Musikakademie, die in der Frontstadt Dnipro ukrainische Musik schafft. Sie sucht neue Zugänge zum Instrument und verbindet Bandura mit visueller Kunst, Meditation und DJing — und beweist, dass Kultur auch dort weiterklingt, wo der Krieg am nächsten
Programm-Highlights
Das Festival präsentiert das Konzert „Strings Across Borders“ — und bringt die Bandura in den Dialog mit verwandten Saitentraditionen aus aller Welt: der irischen Harfe (Irland) oder Guzheng (China). Gemeinsam öffnen diese Instrumente einen geteilten Resonanzraum, in dem Heritage auf zeitgenössische Performance auf einer Bühne trifft
Die wissenschaftliche Konferenz „Bandura Beyond Frontiers: Tradition, Transmission, and Cultural Diplomacy“ findet am Freitag, dem 11. September 2026, statt und versammelt interdisziplinäre Wissenschaftler:innen aus der Ukraine, Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada — zum ersten Mal Forscherinnen und Forscher ukrainischer Herkunft
gemeinsam mit internationalen Wissenschaftler:innen in einem Raum. Gemeinsam werden sie untersuchen, wie sich die Bandura verwandelt hat, was sie heute kulturell, politisch und menschlich bedeutet und welche Rolle die Wissenschaft spielen kann, um dieses Gespräch über Grenzen hinweg weiterzutragen. Die Konferenz ist für alle offen und kann auch online besucht werden.
Zwei Podiumsdiskussionen verwandeln komplexe Themen in ein offenes Gespräch — sowohl für das Publikum der neuen ukrainischen Diaspora als auch für lokale Communities. Die erste beleuchtet einen Aspekt der Migration, den wenige auszusprechen wagen: Was geschieht mit der Bindung zwischen denen, die geblieben sind, und denen, die gegangen sind, wenn die Distanz zwischen ihnen wächst? Drei Sprecherinnen und Sprecher, neunzig Minuten, eine Sprache — Englisch — für einen ehrlichen Blick darauf, was es heißt, sich zu integrieren, sich anzupassen und sich dennoch als Ukrainerin oder Ukrainer zu bezeichnen, während man in einem fremden Land Musik macht. Die zweite bringt Musiker:innen aus der Ukraine und anderen Ländern zusammen, die Krieg und Konflikt in ihren Heimatländern erlebt haben, um Erfahrungen und Reflexionen zu teilen: wie Konflikt die Stimme einer Künstlerin oder eines Künstlers verändert, warum alte Lieder plötzlich wieder frisch klingen und wie Musik zum Mittel des Überlebens wird, wenn alles andere zerfällt.
Warum dieses Festival — und wer dahintersteht
Zwei Frauen stehen hinter dieser europäischen Erweiterung des Festivals: Anastasiya Voytyuk (UA), Gründerin des Lviv Bandur Fest, und Khrystyna Petrynka (DE), Organisatorin der Berliner Ausgabe. Gemeinsam sehen sie die Mission des Festivals klar: die Bandura als wesentlichen Teil ukrainischer Identität sichtbar zu machen und die zeitgenössische Bandura als relevantes, experimentelles und lebendiges Instrument moderner Musik zu präsentieren — nicht nur als Museumsstück der Vergangenheit.
Programmüberblick
11. September — wissenschaftliches Konferenzprogramm
12. September, Unity Hub Berlin — Workshop, Vortrag, Konzert „Strings Across Borders“
13. September, Hotel Continental — Konzerte, Podiumsdiskussionen, DJ-Set mit Bandura
Tickets: HIER
Zusätzliche Informationen
Spielstätten:
Unity Hub Berlin
Hotel Continental — Art Space in Exile
Alter Roter Löwe
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