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Durchbruch der Moderne

Im Oktober 1920 wird Berlin zu Groß-Berlin und damit mit einem Schlag zur drittgrößten Stadt der Welt. Die rasante Entwicklung Berlins legt noch einmal an Tempo zu. In den „Goldenen Zwanzigern“ zeigt sich die Moderne in Berlin, wie unter einem Brennglas. Es ist die Dekade der Neuen Sachlichkeit, der Bohéme  in Opiumhöhlen und Kaffeehäusern, der selbstbewussten Frau und neuer Lebensstile, aber auch großen sozialen Elends und blutiger politischer Kämpfe.
Auf den Ersten Weltkrieg folgt ein kleines Wirtschaftswunder und in Berlin entstehen Perlen der Architektur, Literatur, Musik und Kunst. In Berlin produzierte Stummfilme gehören bis heute zu Meilensteinen der Kinogeschichte. Erwin Piscator krempelt das Theater komplett um und schafft in Berlin das Theater der Gegenwart. Die Kunst und die Welt der Künstler ist ausschweifend und glamourös, aber auch kritisch und politisch engagiert. In glamourösen Varietés und verruchten Tanzlokalen amüsiert sich die Reichshauptstadt prächtig. Noch heute gehört das Nachtleben und einige Orte der 20er Jahre – wie die Volksbühne oder Clärchens Ballhaus – zur kulturellen DNA der Großstadt.
Namhafte Architekten wie Walter Gropius oder die Brüder Max und Bruno Taut planen ganze Stadtviertel im Stil der Moderne, der Bauhaus-Schule, der „Neuen Sachlichkeit“ mit dem Ziel eines neuen, eigenständigen Lebensgefühls und eines gesellschaftlichen Neuanfangs. Vom Kapp-Putsch bis zum Blutmai – so blutig die 20er angefangen haben, so enden sie auch. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 geht ein wildes, offenes, experimentelles Jahrzehnt vorbei. Mit der Reichstagswahl 1930 wird Hitlers NSDAP zweitstärkste Kraft. 1933 fällt mit der Machteinsetzung der Nationalsozialisten der Vorhang endgültig. Der Tanz auf dem Vulkan ist vorbei.