Film | Gespräch
Die vier Filme dieses Programms verhandeln persönliche wie politische Erfahrungsräume: Freundschaft und Begehren, Trauer und Transformation, Körper als Speicher von Geschichte sowie Landschaften als Projektionsflächen von Gewalt und Hoffnung. In sehr unterschiedlichen filmischen Formen – vom dokumentarischen Tagebuch über essayistische und poetische Erzählweisen bis hin zur experimentellen Bildarbeit – öffnen sie intime Zugänge zu existenziellen Fragen unserer Gegenwart.
Gemeinsam ist den Arbeiten ein beharrlicher Blick auf das Fragile: auf Beziehungen, die unter Druck geraten, auf das eigene Selbst, das sich verändert, auf Erinnerungen, die nicht zur Ruhe kommen. Die Filme verweigern einfache Antworten und setzen stattdessen auf Nähe, Zeit und das Vertrauen in die Kraft des filmischen Bildes.
Filmprogramm
17 Uhr
Lisa Gertsch – Electric Fields
Spielfilm, CH 2024, 80 min, OmeU
Lisa Gertsch breitet in sechs poetisch-verspielten Episoden ein Universum aus, in dem Alltag und Unerklärliches ineinanderfließen. Mit eindringlichen schwarz-weiß Bildern schafft der Film Räume, in denen Liebende Zeit überwinden, ein Mann eine Jahreszeit verschläft und ein Verstorbener durch ein Radio wieder auflebt – Szenen, in denen die Normalität aus den Fugen gerät und sich neue Pfade im Denken eröffnen. In einer tragisch-komischen, sehnsuchtsvollen Atmosphäre verhandelt Electric Fields Liebe, Einsamkeit und die Labilität menschlicher Existenz in einer Bildsprache, die genauso berührt wie sie Fragen offenlässt.
- Regie, Buch, Schnitt: Lisa Gertsch
- Produktion: Lisa Gertsch, Sabotage Filmkollektiv GmbH, ZHdK
- Kamera: Simon Bitterli
- Sound Design: Daniel Eaton, Martin Scheuter
- Cast: Julia Jentsch, Michael Neuenschwander, Sophie Hutter, Ole Eisfeld u. a.
Nida Mehboob – A Night That Took Everything
Dokumentarfilm, PK, FI 2025, 20 min, OmeU
Ausgehend von einer einzigen Nacht entfaltet Nida Mehboobs Film ein eindringliches Porträt von Verlust, Erschütterung und den Rissen, die eine plötzliche Erfahrung in das Leben der Betroffenen schlägt. Die junge Protagonistin ringt mit dem tragischen Tod ihres Vaters, der fälschlicherweise nach Pakistans unerbittlichen Blasphemiegesetzen verurteilt wurde. Während sie mit Trauer und Ungerechtigkeit umgeht, reflektiert sie über die harten Realitäten einer Gesellschaft, die Unschuldige bestraft. Mehboob arbeitet mit Fragmenten, Erinnerungsbildern, stillen Momenten und Zwischenräumen, um eine Erfahrung sichtbar zu machen, die sich jeder linearen Erzählung entzieht. A Night That Took Everything nähert sich Verletzlichkeit, Trauer und der Fragilität menschlicher Beziehungen in einer poetischen, filmisch sensiblen Sprache.
- Regie: Nida Mehboob
- Produktion: Kari Ahotupa
- Kamera: León Torres
- Schnitt: Jette Keedus
- Ton: François Yazbek
- Produktion: ELO Film School Finland
19 Uhr
Marusya Syroechkovskaya – How To Save a Dead Friend
Dokumentarfilm, DE, FR, NO, SE 2022, 103 min, OmeU
Die 16-jährige Marusya lebt in Moskau und ist überzeugt, sie werde das Ende des Jahres 2005 nicht mehr erleben. Viele ihrer Freundinnen und Freunde sind bereits tot – Suizid wirkt unter den Jugendlichen in Putins Russland wie der letzte Akt des Widerstands. Über mehrere Jahre hinweg begleitet die Regisseurin Marusya Syroechkovskaya mit der Kamera sich und ihr Umfeld durch Alltag, Freundschaften und intime Begegnungen. Entstanden ist ein radikal persönlicher Dokumentarfilm, der zugleich Tagebuch, Liebeserklärung und Zeugnis einer Generation ist, die nach Halt, Nähe und Sinn sucht.
- Regie, Buch: Marusya Syroechkovskaya
- Produktion: Ksenia Gapchenko, Mario Adamson
- Kamera: Marusya Syroechkovskaya, Kimi Morev
- Schnitt: Qutaiba Barhamji
- Musik: Felix Mikensky
- Protagonist:innen: Marusya Syroechkovskaya, Kimi Morev
21 Uhr
Melisa Liebenthal – El rostro de la medusa (The Face of the Jellyfish)
Spielfilm, AR 2022, 76 min, OmeU
Mit präzisem Blick auf Körper, Blicke und Machtverhältnisse untersucht Melisa Liebenthal die Konstruktion von Weiblichkeit und Begehren. Eines Morgens wacht Marina auf und erkennt sich selbst nicht wieder. Als sie ihrer Mutter auf der Straße begegnet, nimmt diese sie als eine Fremde wahr. Der Film begleitet Marinas Suche nach Identität: Wer ist sie – definiert durch elterliche Gene, Personalausweis, Familienfotos, biometrische Daten oder die Liebe der Menschen um sie herum, einschließlich ihres kolumbianischen Freundes? Zwischen Analyse und Intimität entwickelt El rostro de la medusa eine subtile, visuell eindringliche Sprache, die Fragen nach Selbstwahrnehmung, Zugehörigkeit und Begehren verhandelt.
- Regie: Melisa Liebenthal
- Drehbuch: Agustín Godoy, Melisa Liebenthal
- Produktion: Agustín Gagliardi, Eugenia Campos Guevara
- Kamera: Inés Duacastella
- Schnitt: Florencia Gómez García
- Cast: Rocío Stellato, Vladimir Durán, Camila Toker u. a.
Vier JUNGE AKADEMIE-Stipendiatinnen der Sektion Film- und Medienkunst präsentieren Filme aus ihrem Repertoire und sprechen über Themen und Prozesse ihrer Arbeit in unterschiedlichen sozialen, politischen und künstlerischen Kontexten.
Filme:
Electric Fields
Spielfilm, CH 2024, 80 min, OmeU
A Night That Took Everything
Dokumentarfilm, PK, FI 2025, 20 min, OmeU
How To Save a Dead Friend
Dokumentarfilm, DE, FR, NO, SE 2022, 103 min, OmeU
El rostro de la medusa (The Face of the Jellyfish)
Spielfilm, AR 2022, 76 min, OmeU
Zusätzliche Informationen
Termine
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